Drei Gipfel in neun Tagen: Ragazzo und Loreggian gelingt Trango-Link-up
Drei Gipfel, neun Tage und sechs Tage am Fels: Die italienischen Kletterer Stefano Ragazzo und Silvia Loreggian haben im pakistanischen Karakorum mehrere der berühmtesten Gipfel der Trango-Gruppe zu einer zusammenhängenden Unternehmung verbunden. Dabei bestiegen sie Great Trango (6286 m), Little Trango (ca. 5445 m) und Nameless Tower (6239 m) – und legten sämtliche Strecken zwischen den Bergen zu Fuß zurück.
Die Idee dahinter war ebenso einfach wie ambitioniert: das aus dem Klettern bekannte Konzept eines Link-ups in die wesentlich komplexere Umgebung des Hochgebirges zu übertragen. "Wir wollten die Idee in das komplexere Gelände der hohen Berge bringen, wo Höhe, Abgeschiedenheit und Logistik das Spiel völlig verändern", erklären die beiden auf Instagram.
Am Great Trango wählten Ragazzo und Loreggian die American Route, anschließend ging es über die PM Wall auf den Little Trango. Das große Finale bildete der Nameless Tower, den das Duo über die berühmte Route "Eternal Flame" bestieg. Insgesamt dauerte die Unternehmung neun Tage. Sechs davon verbrachten die beiden mit Klettern. Hinzu kamen ein Tag für den Zustieg, ein wetterbedingter Pausentag und ein weiterer Tag für den Abstieg.
Neun Tage ohne Rückkehr ins Basislager
Entscheidend war dabei die Logistik. Bereits in den Wochen vor dem eigentlichen Start hatten Ragazzo und Loreggian entlang ihrer geplanten Route mehrere Depots mit Lebensmitteln und jeweils für die nächsten Kletterziele benötigtem Material angelegt. Nach dem Aufbruch kehrten sie bis zum Ende des Link-ups nicht mehr ins Basislager zurück. Damit unterschied sich die Unternehmung von drei voneinander getrennten Gipfelbesteigungen: Zustiege, Übergänge, Erholung und Materialtransport wurden Bestandteil einer einzigen, durchgehenden Reise durch die Trango-Gruppe.
Ganz nach Plan verlief diese allerdings nicht. "Es war nicht genau die Reise, die wir uns vor der Abfahrt vorgestellt hatten – und sie endete auch nicht mit dem Nameless Tower", schreiben die beiden. Neben den drei erfolgreichen Besteigungen habe es auch Versuche, Rückzüge und unerwartete Situationen gegeben. Weitere Details zu ihrem "Trango Link-up" wollen Ragazzo und Loreggian noch veröffentlichen.
Die drei Gipfel des Trango-Link-ups
Great Trango Tower (6286 m): Der höchste Gipfel der Trango-Gruppe erhebt sich über dem Baltoro-Gletscher im pakistanischen Karakorum. Seine gewaltigen Granitwände zählen zu den größten Bigwall-Herausforderungen der Erde. Ragazzo und Loreggian stiegen über die American Route (V+ A1,) auf. Little Trango (ca. 5445 m): Der kleinere Trango-Turm liegt inmitten derselben spektakulären Granitlandschaft.
Das Duo wählte hier die PM Wall (5.10+, 6b/6b+) als Aufstiegsroute. Nameless Tower (6239 m): Der auch als Trango Tower bekannte Granitmonolith gehört zu den berühmtesten Kletterbergen der Welt. Ragazzo und Loreggian beendeten den Gipfelteil ihres Link-ups über die "Eternal Flame" (bis 7c+) – eine der bekanntesten Bigwall-Routen der Welt.
Warum die "Eternal Flame" legendär ist
Die "Eternal Flame" am Nameless Tower ist eine der berühmtesten hochalpinen Felsklettereien überhaupt. Die Linie wurde 1989 von Kurt Albert, Wolfgang Güllich, Christof Stiegler und Milan Sykora eröffnet. Albert und Güllich gelang dabei ein Großteil der Route frei. Die Route verbindet technisch anspruchsvolle Granitkletterei mit den besonderen Anforderungen einer Bigwall auf über 6000 Metern: Höhe, Wetter, Kälte und Abgeschiedenheit machen die Unternehmung erheblich komplexer als vergleichbare Schwierigkeiten im Tal. Die erste durchgehend freie Begehung der Route gelang im Jahr 2009 den Huberbuam. Heute gilt die Linie als eine der großen Referenzrouten des Karakorum.
Kurz erklärt: Was ist ein Link-up?
Bei einem Link-up werden mehrere eigenständige Kletterrouten, Wände oder Gipfel innerhalb einer zusammenhängenden Unternehmung miteinander verbunden. Bekannt ist das Konzept vor allem aus großen Klettergebieten wie dem Yosemite Valley, wo starke Seilschaften mehrere Bigwalls hintereinander klettern. Ragazzo und Loreggian übertrugen dieses Prinzip auf das Karakorum. Dadurch kamen zu den klettertechnischen Anforderungen zusätzliche Faktoren wie Akklimatisation, große Distanzen, Wetter, Höhenlage und die Versorgung unterwegs hinzu. Dass beide nach dem Start nicht ins Basislager zurückkehrten, sondern die drei Gipfel zu einer kontinuierlichen Reise verbanden, war der Kern ihres Projekts.



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