"Die absurdeste Linie überhaupt": Trio eröffnet neue Route in Pakistan
Einem internationalen Alpinistenteam ist im pakistanischen Karakorum eine außergewöhnliche Erstbegehung gelungen. Die Belgier Siebe Vanhee und Sean Villanueva O'Driscoll sowie der Franzose Symon Welfringer eröffneten am 6651 Meter hohen Tahu Rutum eine neue Route durch die bislang unbestiegene Westwand. Die 1500 Meter lange Linie trägt den Namen "The Leopard of Higher Ground".
Die Expedition begann Ende Mai mit vier Kletterern. Der britische Trad-Spezialist Pete Whittaker musste das Unternehmen jedoch bereits im Basislager wegen akuter Höhenkrankheit abbrechen. Das verbliebene Trio setzte die Expedition fort und erreichte nach insgesamt 45 Tagen im Karakorum schließlich sein Ziel. Für die Erstbegehung verbrachten die Alpinisten 15 Tage in der Wand.
Dabei kombinierten sie Bigwall-Techniken mit klassischem Alpinismus: Sie transportierten Portaledges, Fixseile und Material im sogenannten Capsule Style durch steiles Fels-, Eis- und Schneegelände, kletterten sämtliche Seillängen jedoch frei. Den Gipfel erreichten sie am 13. Klettertag, ehe zwei weitere Tage für den Abstieg erforderlich waren. Statt den offensichtlichen Zustieg über den Gletscher zu wählen, entschieden sich die Bergsteiger bewusst für eine deutlich kompliziertere Linie über brüchige Felsen und steile Schneerampen.
"Wir haben die absurdeste Linie gewählt, die sich wohl kein Alpinist ausgesucht hätte", erklärte Vanhee nach der Rückkehr. "Zehn Tage lang schleppten wir Material über steile Schneetraversen und fragten uns immer wieder, ob das überhaupt Sinn ergibt. Aber es war unsere Linie – und jede Mühe wert." Auch für Welfringer war die Expedition Neuland. Der französische Ausnahmealpinist, der bereits mehrere Expeditionen im Karakorum absolvierte, kombinierte erstmals Bigwall-Klettern mit einer hochalpinen Erstbegehung.
"Diese Erfahrung hat mir völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Wir konnten jede Wetterphase optimal nutzen – und ich träume schon jetzt von weiteren neuen Linien", schwärmte er im Nachgang. Eine besondere Bedeutung besitzt auch der Routenname. Während der Erstbegehung kreuzte das Team mehrfach die Soloversuchslinie des US-amerikanischen Alpinisten Kyle Dempster, der die Westwand bereits 2008 allein durchsteigen wollte und rund 200 Höhenmeter unterhalb des Gipfels umkehrte.
Dempster kam 2016 gemeinsam mit Scott Adamson bei einer Expedition im Karakorum ums Leben. Mit dem Namen "The Leopard of Higher Ground" zollen die Erstbegeher ihm Tribut: Tahu Rutum bedeutet in der lokalen Sprache "Heimat des Schneeleoparden", während Higher Ground der Name von Dempsters ehemaligem Café in Salt Lake City ist. Nach Angaben des Teams handelt es sich erst um die zweite Besteigung des Tahu Rutum überhaupt. Der bis dahin einzige Erfolg gelang 1977 einer japanischen Expedition über den Südwestgrat. Die Westwand galt bis heute als eines der großen ungelösten Ziele des Karakorums.
Die Route "The Leopard of Higher Ground"
Die neue Route verläuft über die 1500 Meter hohe Westwand des Tahu Rutum (6651 m) im abgelegenen Hispar-Gebiet des pakistanischen Karakorums. Die Erstbegehung verbindet anspruchsvolles Bigwall-Klettern mit hochalpinem Gelände und erreicht Schwierigkeiten bis 7b im Freiklettern. Die Seilschaft verbrachte 15 Tage in der Wand, davon 13 Tage bis zum Gipfel und zwei weitere Tage für den Abstieg. Geklettert wurde im Capsule Style mit Portaledges, Fixseilen und Materialtransport, sämtliche Seillängen wurden jedoch frei geklettert. Damit entstand eine der bedeutendsten alpinen Erstbegehungen des Jahres 2026.




1 Kommentar
Kommentar schreibenDort oben sind die Ginger wohl noch so frei sich zu zeigen. Das schaut hier weiter unten in der Zivilisation ganz anders aus.