Lambos vor Berghütte: Alpenverein kritisiert Luxusautos am Rifugio Comici@(zwischenHeadlineTag)>
Die Hütte liegt mitten im Skigebiet über Gröden, also in einem der zentralsten Wintersport-Hotspots Südtirols. Dass es hier wenig ursprünglich und puristisch zugeht, verwundert deshalb auf den ersten Blick nicht. Auf den zweiten aber doch: Unter Fotos von aufgereihten Champagnerflaschen vor Bergkulisse und Sterneküche-Aperitiven prangen Bilder des Alpinisten Emilo Comici. Dass sich der Namenspatron der Hütte bei dieser Inszenierung wohl im Grabe herumdrehen würde, interessiert auf der Gastro-Hütte keinen.
Dem Südtiroler Alpenverein ist der Luxuscharakter der Berghütte allerdings ein Dorn im Auge. Nach Auffahrt der Nobelkarossen bis vor die Hüttentür sieht sich der AVS zum Eingreifen gezwungen: "Viele PS mit vielen Abgasen sind wohl willkommener als Pistentourengeher, die mit Muskelkraft die Hütte erreichen", sagte Präsident Georg Simeoni dem Portal südtirolnews.it.
Bevölkerung fordert Fahrverbote@(zwischenHeadlineTag)>
Die beiden "Lambos" hatten das 1955 als Familienbetrieb eröffnete Rifugio mutmaßlich vom Sellajoch aus erreicht. Der dort abzweigende Fahrweg war vor mehreren Jahren – trotz Protesten – verbreitert worden. Der Alpenverein hatte sich bereits vor Jahren geschlossen gegen Neubauten und Erweiterung der Berg-Infrastruktur ausgesprochen, ist jedoch machtlos, wenn sich der betreffende Grund in Privatbesitz befindet.
Doch auch die Bevölkerung setzt sich zunehmend zur Wehr: Viele der Bergdorfbewohner forderten bereits mehrfach, dass die Autokolonnen und Touristenströme auf den Dolomiten-Pässen zeitlich begrenzt bzw. verboten werden sollten. Bislang blieben diese Bestrebungen allerdings ohne Erfolg. Denn die Gastrolobby in Südtirol hat Einfluss – und will die gut zahlenden Gäste nicht verprellen.
"Wir empfinden solche Vorfälle als Provokation, als ein Ignorieren jeglicher Benimmregeln am Berg. Egal zu welchem Zweck: Luxusautos gehören auf keine Hütte", bezieht Simeoni klar Stellung. Der Alpenverein fürchtet offenbar einen Dammbruch. Wieso sollte man nicht bald mit dem Auto zu noch höhergelegenen Hütte fahren? Aus diesem Grund hat der Verband den Vorfall publik gemacht und Konsequenzen gefordert, das Ergebnis bleibt abzuwarten.
Weitere Proteste gegen Overtourism@(zwischenHeadlineTag)>
Betrachtet man die Ereignisse der letzten Monate reihen sich der Vorfall und der nun nachfolgende Protest nahtlos in die Kette der Ereignisse ein: Im Trentino wurden aus Frust an der Überfüllung Bohrhaken entfernt, an beliebten Wanderrouten prangt immer häufiger die Aufschrift "Tourists go Home" und auch der CAI kritisierte mehrfach grobes Fehlverhalten auf Berghütten.


7 Kommentare
Kommentar schreibenIch sehe sehr wohl einen Unterschied beim Fahrzeug. Die meisten kennen doch wie ein Lambo, Porsche GT3, BMW M, oder Mercedes AMG sich in den Bergen verhält. Laut dröhnend und knallend, rast er die Passstraßen hoch und nimmt auf niemanden Rücksicht. Erst Recht nicht auf Geschwindigkeitsbeschränkungen. Radfahrer müssen sich zur Seite flüchten und die Ohren zuhalten. In den Ortsdurchfahrten wird demonstrativ Gas gegeben, ganz nach dem Motto, Look at me, seht her, ich kann Gas geben. Bei einem Toyota Hybrid, oder VW TDI erlebt man sowas eher nicht. Kein Wunder, dass man also diese Leute ungern sieht. Nur die Leute die damit eben Geld verdienen, sehen über all dies hinweg, als ob man nicht schon genug mit den Touristen verdient.
Klaus, also Sie werfen da zu vieles in einen Topf. Ihrem letzten Absatz könnte man beinahe zustimmen, aber da bin ich eher auf der Seite des Kommentars von Reinhard Huemmer im vorhergehenden Artikel hinsichtlich der entfernten Bohrhaken. Klar total überflüssige und blinde Aktion.
Ansonsten widerspreche ich Ihrem Satz: "Zynisch gesagt, lenkt auch der Geldbeutel die Toursitenströme. Da bleibt die Masse dann eben außer vor". Der Geldbeutel, wirklich? Schon bei einem Ziel, daß 500 Hm Anstrengung erfordert, ist die Masse, egal ob mit dickem oder dünnem Geldbeutel nicht mehr vorhanden. Das Problem ist ein anderes... Vielleicht kommen Sie nach nochmaligem Lesen des Artikels selbst drauf. Dasselbe betrifft die Aufforderung "zu Hause bleiben". Nein, eher noch 500 Hm dazu, und aus ist´s mit der Masse.
Nun, aber es stimmt, es gibt wirklich sehr viel, worüber man sich aufregen kann, die von mir und vermutlich von allen Lesern hier geliebte Bergwelt kann (k)ein Lied davon singen, insofern man es bei laut brüllenden "Lambo-Motoren" hören kann. Bruno
Regt Euch über die "Erschließung" von Antersasc auf.
Regt Euch über die rechtswidrige Erweiterung des Skigebiets in Sexten auf.
Regt Euch meinetwegen über das Land Südtirol auf, das die Schmonzette "Un passo dal cielo" - so etwas wie die ital. Schwarzwaldklinik - gefördert hat und so den Overtourism im oberen Pustertal unmittelbar mitzuverantworten hat. Vor 20 Jahren gab es noch Tage, da war man am Pragser Wildsee trotz der schon damaligen Bekanntheit alleine.
Regt Euch vielleicht auch über Messner und seine völlig verzichtbaren Museen auf, die zusätzlich Leute nach Südtirol locken.
Regt Euch jedenfalls über Bestrebungen auf, weitere Almen mit Fahrwegen zu erschließen (bspw. Lahneralm). Da ist sogar noch was zu machen.
Regt Euch über die Lichtverschmutzung auch noch in den hintersten Ortschaften auf, weil Touris sonst angeblich nicht vom Gasthof zur Pension finden.
Aber wenn eine bestehende Infrastruktur genutzt wird in der Nähe der "unberührten Sellaronda-Wildnis", dann regt Ihr Euch an der falschen Stelle auf. Luxusangebote findet Ihr im Gadertal und Grödnertal an zahlreichen Orten, auch Almen und Hütten. Ob die Leute Buttermilch oder Champagner trinken macht ebenso wenig einen Unterschied wie die Automarke.
Zynisch gesagt, lenkt auch der Geldbeutel die Toursitenströme. Da bleibt die Masse dann eben außer vor...
Aber wenn Ihr selbst Massentourismus aktiv bekämpfen wollt, geht das ganz einfach: Bleibt einfach zuhause!
Aber hört auf, mutmaßlich kriminelle Aktivisten oder Extremisten, die das "Recht" oder was sie dafür halten, in die eigene Hand nehmen und sich an Kletterrouten, Klettersteigen oder Gipfelkreuzen vergehen, als Teil eines vermeintlich berechtigten vermeintlichen "Volkszorns" der Einheimischen gegen den Massentourismus verklären zu wollen. Das ist mindestens eine Sachbeschädigung und kann Kletterer an Leib und Leben gefährden. Kletterer sind bestimmt nicht die Treiber des Massentourismus.
Vielleicht gehört der Lambo ganz einfach dem Hüttenwirt und seinen Familienmitgliedern? Oder er gehört jemandem, der angeben möchte mit einem Leihauto?Natürlich ist es für fleißige Bergfexn ein Schlag ins Kontor. Verschwitzt und erschöpft aber stolz und zufrieden wähnt èr sich inmitten Gleichgesinnter, mit denen sich ein zünftiges Zusammensein erhofft, Dazu passen ganz einfach keine Lambls und keine Schampus-Orgien.
Niemand geht in zünftiger Bergkluft verschwitzt und erschöpft auf einen vornehmen Schwarzweißball. Das passt gan¨z einfach nicht! Ich bin überzeugt, dass sich unter den Bergsteigern der eine oder andere Zeitgenosse befindet, der sich weit mehr, als nur eine Lambo leisten könnte wenn er wollte, oder der sogareinen besitzt. Deshalb ist es unsinnig, den Kritikern Neid und Missgunst zu unterstellen. Es sind ganz einfach zwei völlig verschiedene Welten, die sich da unversöhnlich gegenüber stehen!
Es gibt eigentlich fast nichts, was der Mensch nicht missbrauchen kann.
Da wundere ich mich schon lange nicht mehr darüber. Man kann schon jemanden mit schnittigem Lambo vor einer Berghütte stehen sehn, das sagt überhaupt nichts über die Person aus. Man kann sich ihn ausleihen
Walter, Sie haben ja mit Ihrem Diskurs Recht, es spielt keine Rolle, ob ein "Lambo", ein VW oder ein Prolo-Wartburg ist; egal mit welchen Stinkerl - es sollte überhaupt keiner dort sein. Gerade das machen aber diese von Ihnen sog. "ideologisierten Wohlstandsmoralisten", die meinen, für super Selfies mit super Schlitten in eine grandiose Bergwelt zu schlittern und mit ihrem Wohlstand protzen zu können. Diese Erhebung über andere, die noch auf E-Bike, Seilbahn. Lambo & Co. verzichten, ist von deren Seite dekadent. Bruno
Autos vor einer mit dem Fahrzeug erreichbaren Privathütte. Eigentlich keine Nachricht wert. Aber die Marke macht den Unterschied. Die selbstgerechte Empörung von ideologisierten Wohlstandsmoralisten, die sich selbst keinen Lambo leisten können und anderen das Verdienen neiden, ist wohlfeil und - wenn auch auf andere Art und Weise - mindestens genauso dekadent. Hypermoralische Erhebung über andere ist das neue Statussymbol, Lambo nichts dagegen...