Wird die UIAA Nepals Auffassung teilen?

Nepal will Anerkennung weiterer Gipfel: 20 statt 14 Achttausender?

Acht der 14 Achttausender der Erde liegen in Nepal. Nepal erhöht jetzt die Zahl und listet Nebengipfel als eigenständige Achttausender, die bist dato nicht als eigene Berge galten. Somit gäbe es zukünftig 20 statt 14 Achttausender.

20 statt 14 Achttausender? Nepal will Anerkennung weiterer sechs Gipfel.
© picture alliance / Zoonar / Radek Kucharski

Nepal sieht 14 statt bislang acht Achttausender innerhalb seines Territoriums

Nepal möchte durchsetzen, dass in dem Himalaja-Land mehr Berggipfel als bislang als eigenständige Achttausender anerkannt werden. Auf der Webseite nepalhimalpeakprofile.org, die von der "Nepal Mountaineering Association" in Zusammenarbeit mit dem "Ministry of Culture, Tourism and Civil Aviation" der nepalesischen Regierung betreut wird, werden statt bisher acht neuerdings stolze 14 Berge gelistet, welche die magische 8.000er-Grenze überschreiten.

<p>Aus acht mach 14: die nepalesischen Achttausender laut Sreenshot <a href="https://nepalhimalpeakprofile.org/peak-profile/all-peaks" rel="nofollow" target="_blank">All Peaks</a>.</p>

Aus acht mach 14: die nepalesischen Achttausender laut Sreenshot All Peaks.

© Sreenshot All Peaks

Neben den bislang bekannten acht nepalesischen Achttausender-Gipfeln Sagarmatha (Everest), Kangchendzönga, Lhotse, Makalu, Cho Oyu, Dhaulagiri, Manaslu und Annapurna finden sich nun weitere sechs. Dabei handelt es sich nicht um "neu entdeckte" Berge, sondern aus bislang als ein einem Achttausender zählenden Bergen wurden mehrere Achttausender. Allein aus dem Kangchendzönga, dem zweithöchsten Berg Nepals, wurden auf diese Weise fünf Gipfelziele. Aus dem bisher auch als ein Achttausender geltenden Lhotse wurden ebenso mehrere Berggipfel, die als eigenständige Achttausender anzuerkennen seien.

Wird die UIAA Nepals Auffassung teilen?

Ob die durch Nepal vorgenommene Neu-Definition "seiner" Achttausender international Anerkennung findet? Die Gretchenfrage in diesem Kontext ist, wann man bei einem Gipfel von einem eigenständigen Berg sprechen kann. Eine hundertprozentig klare, weltweit und allgemein anerkannte Definition hierfür gibt es nicht. Ein Berggipfel wird im Allgemeinen als eigenständiger Gipfel betrachtet, wenn er eine gewisse Prominenz/Schartenhöhe und Dominanz aufweist. Nach bisher geltender Anschauung kam man so in Nepal auf ebenjene acht Achttausender. 

Die wichtigsten Infos zu den aktuell anerkannten Achttausendern dieser Erde findet ihr in unserer Fotogalerie zu den Achttausendern:

Nepal bemüht sich bereits seit einiger Zeit um eine Anerkennung seiner Auffassung bei der UIAA, der International Climbing and Mountaineering Federation mit Sitz in Bern. Diese gilt als Institution in derlei Fragen und soll sich - trotz ihrer bislang ablehnenden Haltung - Medienberichten zu Folge im Herbst dieses Jahres auf ihrer Jahreshauptversammlung mit Nepals Anliegen beschäftigen und entscheiden.

Mehr Achttausender = Mehr Einnahmen für Nepal?

Kritiker sehen in der Neu-Definition vor allem ein Manöver, das den Achttausender-Tourismus in Nepal weiter ankurbeln soll. Man stelle sich vor, die "neuen" Achttausender würden tatsächlich offiziell anerkannt. Dann würden noch mehr Bergsteigerinnen und Bergsteiger weltweit nach Nepal reisen, die vor Ort touristische Infrastruktur wie Träger und Unterkunft benötigen und bezahlen. Zudem könnte man teuere Genehmigungen für 14 statt für acht Berge verkaufen ...

Und gibt es eigentlich einen Bergsteiger oder eine Bergsteigerin, die schon alle 20 Achttausender bestiegen hat? Oder wackelt Reinhold Messners Krone und das vor fast 40 Jahren zu Gunsten des Südtirolers entschiedene Rennen ist neu eröffnet?

Text von Holger Rupprecht

2 Kommentare

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Stefan

Schon bei den 4000er der Alpen hat die UIAA sehr fragwürdige Entscheidungen getroffen (Grand Pilier d´Angle, Punta Giordani,...). Dem Bergsteiger sollte egal sein was irgend eine Organisation als Gipfel definiert und nach eigenem Ermessen festlegen welcher Gipfel seines Besuchs wert ist. An den 8000ern gilt das natürlich genauso.

Bruno

Natürlich gibt es Definitionen zu diesem Problem Schartenhöhe/Prominenz, und natürlich ist das "künstlich festgelegt. Raum und Zeit sind eben relativ, wie der alte Albert schon wußte - leider jedoch Geld nicht... Aber klar, man kann die Definition ändern, warum nicht? Aber dann sollte da international angewandt werden, es würden auch in den Alpen Dutzende neue 4000er (etc.) Berge entstehen (Gendarm am Weisshorn-Nordgrat, 2 Bishörner, 6 Breithörner, einige mehr im Monte-Rosa-Gebiet). Darüber würden sich dann die Fränkli-Besitzer freuen, weniger die 4000er Jäger + Sammler, die oftmals unter dem alten Witz "Es gibt auch arme Menschen in der Schweiz - man nennt sie Touristen" ihre Beute teuer bezahlen. Von daher gehe ich fast aus, daß eine Föderation, die ihren Sitz in der Schweiz hat, eher zustimmen wird. Den sonstigen Bergliebhabern (nicht Jäger + Sammler) dürfte das jedoch herzlich egal sein. Hauptsache, man hat Freude am Wandern und Bergsteigen und kommt immer gesund zurück, Bruno