Herbert Kickl: Politiker und Bergsportler
Herbert Kickl? Der Herbert Kickl? Ja. Der Bundesparteiobmann der rechtsgerichteten FPÖ ist nicht "nur" Triathlet und mehrfacher Finisher der Iroman-Man-Distanz, sondern auch passionierter Bergsteiger und Kletterer, der auf Social-Media immer wieder von Sport-, Berg- und Outdoor-Aktivitäten berichtet.
Die Erstbegehung von "Der geheime Schwob" gelang Kickl, Thomas Behm und Robert Gruber im Jahr 2020. Nun wurden die Bolts aus der Route im VI. Schwierigkeitsgrad herausgeflext.
Bolts aus Kickl-Route entfernt: Bekennerschreiben
Auf der linken Online-Plattform Indymedia wurden am 13.03.2025 Bilder der Flex-Aktion vermummter Personen sowie eine Art Bekennerschreiben gepostet. Darin heißt es unter der Überschrift "Faschisten aus dem Gebirge jagen":
"Schon immer waren Berge ein politischer Raum. Ob als Rennen, welche Nation zuerst die Eiger-Nordwand besteigt, die nationalistische Ausschlachtung der 8000er-Besteigungen mit dem Nanga Parbat als Schicksalsberg der Deutschen oder der Umbenennung von Bergen wie dem Pik Stalin/Kommunismus/Ismail Samani. So wird auch heute noch von rechter Seite aus versucht, die Berge zu vereinnahmen, um den Nationalstaat Österreich zu romantisieren und eine vermeintliche Volksidentität zu schaffen. Dies geschieht auf großer Bühne, wenn sich Kickl als Extremsportler und Kletterer darstellt oder Thomas Behm seine Kletterrouten rassistisch benennt.
Auch der Hochschwab ist reich an Geschichte, so war er schon zu NS-Zeiten ein Ort des Widerstandes und Rückzugsort für Partisan*innen. Umso mehr schockiert es, dass Kickl diesen Ort mit einer Erstbegehung für seine Selbstinszenierung missbraucht. Und weil wir uns entschlossen gegen seine rechte Ideologie stellen, haben wir uns dafür entschieden, seine Route "Geheimer Schwob" an den Rauchtalplatten im Hochschwab zu entfernen.“
Umstrittene Routennamen von Thomas Behm
Der an Kickls Kletterpartner Thomas Behm gerichtete Vorwurf wird nicht zum ersten Mal geäußert: Einem Bericht des Standard von 2021 zufolge, hat der Autor von Kletterführern in der Vergangenheit mehrere Routen in zweifelhafter Art benannt. "Negerkuss", "Greta Dummberg", oder "Zigeunerschnitzel" lassen wenig Zweifel daran, aus welcher Richtung hier der Wind weht.
Weitere Routennamen wie "Besatzerfraß", "Wirtschaftsflüchtling", "Swastikaar", "Heil der Eiche" oder "Ewiges Reich", die laut Standard und anderen Berichten ebenfalls Behm zugeordnet werden können, zeichnen ein noch deutlicheres Bild der Gedankenwelt, in der sich der Kletterer offenbar beheimatet sieht. Behm selbst bezeichnete sich im Zusammenhang mit der Berichterstattung als "Opfer einer "Hetzkampagne".
Aktion gefährdet Kletterer
Dass Kickl die Erstbegehung am Hochschwab für eine "Selbstinszenierung missbraucht" hätte, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass die Aktion die Sicherheit von unbeteiligten Menschen gefährden könnte. Wer in die Route einsteigt und darin feststellen muss, dass entscheidende Sicherungspunkte fehlen, könnte in Gefahr geraten. Als legitimer politischer Protest kann eine solche Tat nicht gesehen werden.
Die Polizei ermittelt, die FPÖ hat 1000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen.
28 Kommentare
Kommentar schreibenIch finde das Entfernen der Haken schlecht. Ich bin für das Austauschen von Argumenten.
Eben aus den südlichen Bergen zurück, muß man das lesen. Mir fällt dazu nur der übliche Kampf "Not gegen Elend" ein. Das letzte, woran ich beim Klettern und Bergwandern denke, ist irgendein künstlicher Name, der mir wirklich egal ist. Liebe Bergfreunde, haltet euch doch einfach alle an das Motto des netten Friedrich N.: "Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat". Bruno
Wo sind wir hingekommen. In der heutigen Zeit, sind doch alle Mittel recht, um irgendwelche Interessen zu erreichen. Da Entfernen wir doch einfach mal die Sicherungen aus den Klettersteigen, und riskieren das Leben und Gesundheit Unbeteiligter. Toll!!!
Anm. Bergsteigen.com zu "Der geheime Schwob - Ausweichkogel": "Man kann zu Herbert Kickl, dem bei den Nationalratswahlen 2024 von 28.8% der Österreicher/Österreicherinnen ihre Stimme gegeben haben, stehen, wie man will. Uns ist nicht bekannt, dass sich die Erstbegeher mit dieser Route in irgendeiner Form öffentlich inszeniert hätten, auch ist der Routenname, anders als die Routennamen von anderen Kletterrouten von Thomas Behm, hier normal gewählt. Schade, dass nach Thomas Behm, der viele seine Routen auch wieder umbenannt hat, nun auch andere ideologische Gruppen die Berge für ihre Botschaften missbrauchen." (entgenderte Version)
Lulu, das ist Demokratie. Der Kampf um die besten Ideen. Was genau ist denn so schockierend daran?
@Lulu:
Wie definierst du den Begriff "rechtsextrem"?
Und woran machst du das im konkreten Fall von H. Kickl fest?
Es ist schockierend hier in den Kommentaren zu lesen, wie viel Sympathie Rechtsextreme auch in der Bergsteiger-Community finden.
Da kann ich @Resili nur zustimmen, Herbert Kickl ist ein hervorragender Typ der sich nicht verbiegen lässt und zu dem steht was er sagt. Ist heute leider eine Ausnahme.
Wäre es legal, was die destruktiven "Aktivisten" hier veranstalten, müssten sie sich nicht vermummen. Andere zeigen beim Klettern selbstverständlich Gesicht.
"Indymedia" als "links" zu bezeichnen, ist schon ziemlich euphemistisch. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stufte den deutschsprachigen Ableger als „das derzeit wichtigste Informations- und Propagandamedium für die linksextremistische (!) Szene im deutschsprachigen Raum“ ein. Darunter gibt es Gewaltbereite. Und nichts zu beschönigen. Die dortige Diktion gemahnt an den "Deutschen Herbst".
Vom Standpunkt von "Indymedia" dürfte so ziemlich a l l e s andere zwangsläufig "rechts" sein, was auch immer ein jeder für sich darunter verstehen mag.
Die (aus meiner Sicht überkommene) Einordnungen in "links" und "rechts" spricht für ein unpräzises und verallgemeinerndes Schubladendenken, das nicht(s) zur Lösung von Sachfragen beiträgt.
In einer gesunden Demokratie gibt es eine Mitte sowie eine demokratische Linke und demokratische Rechte. Radikale und extremistische Kräfte an beiden Rändern überschreiten die Grenzen der demokratischen Grundordnung. Es gibt freilich auch gefährliche Extremisten, die andere Beweggründe bspw. religiöser Art haben. Besonders inakzeptabel ist jedenfalls jede Art von Gewaltbereitschaft zur Durchsetzung seines politischen oder sonstigen Willens. Denn das Gewaltmonopol hat in einer Demokratie der Staat.
Überhaupt zeigt auch dieser Fall wieder das Elend des aktuellen politischen Diskurses. Es fehlt an der inhaltlichen Auseinandersetzung, es fehlt an der Sachkompetenz. An die Stelle treten ideologische Linientreue, politische Dogmen und stumpfe Kampfbegriffe, die Abwertung des politischen Gegners und die eigene moralische Selbstüberhöhung, die teilweise darin gipfelt, dass man sich über Recht und Gesetz wähnt. Wenn man nicht einmal mehr hinter seiner ideologischen Mauer hervor- und in die Welte/Realität hinausschauen mag, ist jeder Diskurs von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Wenn Kletterrouten rassistische oder auch sexistische Namen tragen, kann ja wohl kaum von unpolitischem Klettern die Rede sein. Damit sind die Routen nach politischen Gesinnungen benannt. Darauf aufmerksam zu machen und eine Debatte für Umbenennungen anzustoßen ist legitim. Genau so wie bei Straßennamen. Die meisten Erstbegehungen werden außerdem von Männern begangen - gerade hier ist es wichtig solidarisch mit Kletterinnen zu sein, wenn diese sexistisch benannt werden. Das Problem ist auch hier: Patriarchat.
Ich denke auch nicht, dass die Verantwortung für Unfälle bei den Verursachern dieser Aktion liegt, sondern bei jedem Kletterer selbst. Jeder sucht sich vor dem Einstig in die Route mindestens den ersten Haken zur Orientierung - ist dort keiner, klettert man nicht. Routen können sich auch naturgemäß immer wieder ändern, Haken herausbrechen oder Felsen verändern sich - ist hier dann der Erstbegeher zur Verantwortung zu ziehen? Ich denke nicht. Eine Lösung wäre hier einen Konsens darüber zu erwirken, dass Kletterrouten diskriminierungsfrei benannt werden. Das sollte für niemanden ein Problem sein, der Politik aus dem Klettersport heraushalten will und kein Freund von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist. Es gibt einige rechte Klettergruppen und es finden sich auch immer wieder rechte Aufkleber an Parkplätzen für Kletterer....Berge sind für Alle da, außer für Menschenfeinde!