Update vom 17. April 2025: Drei Fragen an Anja Blacha@(zwischenHeadlineTag)>
Anja Blacha ist mit 11 erreichten Achttausendern die erfolgreichste Höhenbergsteigerin Deutschlands. Ihr fehlen nach dem neuesten Erfolg an der Annapurna nur noch Lhotse (8516 m) und Dhaulagiri (8167 m) in Nepal sowie die Shishapangma (8027 m) in Tibet. Auf abenteuer-berg.de hat Stefan Nestler ein Kurzinterview mit der 34-Jährigen geführt:
Stefan Nestler: Anja, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem elften Achttausender. Die Verhältnisse an der Annapurna waren in diesem Frühjahr extrem anspruchsvoll und gefährlich. Wie ist es dir bei deinem Aufstieg ergangen?
Mein Aufstieg fing bei besten Verhältnissen an und ich konnte entsprechend leicht Lager 2 erreichen. Als ich bei ähnlich guten Bedingungen die riskante Schlüsselpassage zu Lager 3 anging, löste sich jedoch eine Lawine. Die beiden Bergsteiger ein Stück weiter unter mir schrien noch und rannten ausreichend weit weg, ich drückte mich währenddessen gegen die nahegelegene Eiswand und sicherte mich am Seil.
Ich hatte viel Glück und bin schnee- und eisgeduscht mit nichts als einem zerbrochenen Helm und durchnässten Baselayern davongekommen. Der Schreck saß jedoch tief. Und als dann noch das Wetter kurz darauf umschwang, bin ich entsprechend durchgefroren und wacklig auf den Beinen in Lager 3 angekommen.
Tags drauf bin ich als Einzige zusammen mit dem pakistanischen Bergsteiger Sirbaz Khan weiter aufgestiegen und habe ein Lager 4 eingerichtet, um den Gipfeltag zu verkürzen, der mir aufgrund der sehr kurzen Akklimatisierungszeit für einen Aufstieg ohne Flaschensauerstoff ab Lager 3 (6400 Meter) zu lang war. Am Gipfeltag selbst hatten wir bestes Wetter, und es gab zum Glück keine schwierigeren oder gefährlichen Passagen mehr, sodass ich gut den Gipfel erreichen konnte.
Mir fehlt der persönliche Vergleich, um die Verhältnisse zu Vorjahren einschätzen zu können. Dass es aber außerordentlich trockene, anspruchsvolle Verhältnisse waren, habe ich unisono vernommen. Die gefährlichen und spaltenreichen Bedingungen führten auch dazu, dass mehr Seil benötigt wurde als sonst und dass das übliche Lager 4 von Steinschlag durchzogen war, also keinen sicheren Platz für ein größeres kommerzielles Lager bot.
Stefan Nestler: Die große Lawine zwischen Lager 2 und 3 – bei der Ngima Tashi Sherpa und Rima Rinje Sherpa ums Leben kamen – hat auch einen Teil der Fixseile zerstört. Einige Bergsteigerinnen und Bergsteiger ließen sich deswegen mit dem Hubschrauber ins Basislager fliegen. Wie bist du heruntergekommen?
Nach dem Abstieg vom Gipfel habe ich in Lager 4 übernachtet. Es war ohnehin so angedacht und erwies sich dann noch als nützlich, weil Sirbaz und ich kurz vor Lager 4 noch einen Bergsteiger aufgelesen hatten, der Schwierigkeiten hatte, weiter abzusteigen. Ich hatte zu der Zeit zwar schon von dem tragischen Tod der Sherpas durch das Lawinenunglück gehört, wusste aber nichts um Probleme mit Fixseilen – und konnte am nächsten Tag auch den gesamten Weg bis ins Basislager gut gesichert zu Fuß absteigen.
Auf dem flachen Schneefeld oberhalb von Lager 2 waren natürlich die enormen Spuren der Lawine zu sehen und eine Spalte (die, in die die Sherpas mitgerissen und verschüttet wurden), die zuvor mit Leitern zu queren war, musste neu seitlich umgangen werden, weil sie sich so enorm ausgeweitet hatte. Von den vielen Heli-Einsätzen habe ich natürlich mitbekommen. Dem Hörensagen nach waren nur die wenigsten davon aufgrund medizinischer Notlagen gerechtfertigt.
Stefan Nestler: Die Annapurna I war dein elfter Achttausender, dein zehnter ohne Flaschensauerstoff. Wie ordnest du ihn ein?
Die Annapurna war für mich der bislang gefährlichste Berg. Die Lawinengefahr von Lager 2 zu 3 ist praktisch unkalkulierbar, wie sich leider wieder gezeigt hat. Dadurch ist vor allem eine Akklimatisierung am Berg für Bergsteiger, die ohne Flaschensauerstoff unterwegs sind, heikel – ebenso wie die Hochlagererrichtung und Materialversorgung ab Lager 3 für Bergsteiger mit Sherpa-Support (soweit diese nicht durch Heli-Shuttles entlastet wird). Dafür wartet der Gipfeltag mit vergleichsweise geringen Anforderungen auf; das Basislager ist zudem wunderschön und komfortabel gelegen und ermöglicht eine gute Regeneration.
Anja Blacha: Deutschlands erfolgreichste Höhenbergsteigerin@(zwischenHeadlineTag)>
Anja Blacha ist Deutschlands erfolgreichste Höhenbergsteigerin. Mit dem Erfolg am 8586 Meter hohen Kangchendzönga im Frühjahr/Sommer 2024, ihrem achten Achttausender, überholte Blacha Alix von Melle, die bis dahin mit sieben bestiegenen Achttausendern in der Liste der deutschen Damen vorne gelegen war. Nach dem "Kantsch" glückten der gebürtigen Bielefelderin noch im selben Jahr Besteigungen von Manaslu (8163 m) und Cho Oyu (8188 m).
Am Ende des Jahres hatte Blacha somit zehn von 14 Achttausendern "abgehakt". Neun dieser Berge bestieg Blacha ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff. Eigenen Angaben zu Folge hatte sie den nur bei ihrem ersten Achttausender, dem Mount Everest (8848 m) im Jahr 2017, verwenden müssen.
Anja Blacha vermeldet Gipfelerfolg an der Annapurna (8091 m)@(zwischenHeadlineTag)>
Nun vermeldet Blacha in einer WhatsApp-Nachricht an Spiegel Online ihren elften Gipfelerfolg an einem Achttausender. Am 07. April erreichte sie mit weiteren Bergsteigern den Gipfel der 8091 Meter hohen Annapurna. Auch hier verzichtete sie eigenen Angaben nach auf Flaschensauerstoff.
Wie bereits berichtet, hatten die Expeditionsteams in der diesjährigen Annapurna-Saison mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Nach einem außergewöhnlich trockenen Winter ist auf der die Route größtenteils blankes Eis zu finden.
Am 07. April, Blachas Gipfeltag, kam es zu einem Lawinenabgang, bei dem zwei Sherpas auf einer Höhe von 5600 Metern mitgerissen wurden, die seitdem als vermisst gelten. Auch Blachas Aufstieg verlief alles andere als reibungslos. Wie sie mitteilte, wurde auch sie im Aufstieg von einer kleinen Lawinen getroffen: "Ich konnte mich gerade noch am Seil festmachen und an eine Eiswand drücken. Darunter war eine tiefe Spalte, sodass ich nicht verschüttet wurde. Helm kaputt, aber sonst keinen Schaden genommen", schreibt Blacha in ihrer Nachricht an den Spiegel.
Mit der erfolgreichen Annapurna-Besteigung steht Blacha nun bei 11 Achttausendern. Zur Komplettierung aller 14 fehlen noch Dhaulagiri, Lhotse und Shishapangma. Macht Blacha in ähnlichem Tempo weiter, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis sie die erste Deutsche sein wird, die alle Achttausender hat besteigen können.
Infos zu den höchsten Bergen dieser Welt, findet ihr in unserer Fotogalerie der 14 Achtausender:



4 Kommentare
Kommentar schreibenSpaß war das keiner. Alle Achtung fürs Durchziehen und den Erfolg.
Und wieder Sherpas verunglückt für das Gipfelglück von Anderen. Sie mögen in Frieden ruhen
@Tezlaff: Spaß ist relativ. Wenn ich mir Bilder von mir auf den letzten Marathon-Kilometern anschaue, sieht das auch nicht lustig aus. Sondern nach Qual. Und dennoch ist es für mich fast das schönste auf der Welt.
Sieht jetzt nicht unbedingt so aus, als würde es Spass machen... eher so ne Art F-Grade Vergnügen.