"Der Weg ist ein Dauerpatient"

Hochkönig: Alpenverein gibt nach tödlichen Unfällen bekannten Steig auf

Der Weg durch das Birgkar ist einer der schwierigsten Normalwege auf den Hochkönig. Viele Klettersteiggeher, die den Königsjodler begehen, nutzen den Steig als vermeintlich schnelle Abstiegsmöglichkeit zurück ins Tal. Aufgrund der Ausgesetztheit, zunehmender Steinschlaggefahr und mehrerer tödlicher Unfälle in den letzten Jahren hat die betreuende Alpenvereinssektion nun die Pflege aufgekündigt.

Das Birgkar unterhalb des Hochkönigs
© IMAGO / Depositphotos

Birgkar: Schwierige Wanderroute am Hochkönig

Der Birgkarsteig führt von der Erichhütte am Dientner Sattel durch das Birgkar hinauf zum Matrashaus am Gipfel des Hochkönigs. Zu seiner Linken führt der Königsjodler-Klettersteig über die Spitzen des Kummetsteins, zur rechten ziehen zahlreiche Kletterrouten in Richtung Gipfel. 

Das Birgkar war schon immer kein einfacher Auf- oder Abstieg. Die Felsplatten im steilen Hang sind von Schotter bedeckt, dementsprechend hoch war stets die Sturzgefahr. Auch steile (Alt-)Schneefelder machen das Birgkar zur gefährlichen Wahl. Durch die sich immer weiter zurückziehenden Firnfelder wird der Abstieg seit Jahren zunehmend schwieriger, es kommt immer wieder zu teils dramatischen Rettungsaktionen in dem abschüssigen Kar.

Wartung des Steigs nicht mehr zumutbar

"Im Durchschnitt kommt es im Jahr zu zehn Einsätzen im Birgkar, etwa die Hälfte reine Hubschrauberbergungen, bei denen die Bergrettung im Tal bleibt," so der Ortsstellenleiter der Bergrettung Mühlbach Wolfgang Hagenmiller. Mehrere Todesfälle sind in den letzten Jahren zu beklagen.

"Wegen der großen Steinschlaggefahr und zahlreichen Abstürzen von Bergsteigern im Birgkar ist die Wartung des Steigs für die Sektion und ihre Wegewarte nicht mehr zumutbar," zitieren die Salzburger Nachrichten Albin Arlhofer von der Sektion LendDienten des Österreichischen Alpenvereins. Der Weg sei "ein Dauerpatient, der Erhalt des Steig seit mit ehrenamtlichem Aufwand nicht mehr zu machen."

<p>Blick vom Königsjodler-Klettersteig ins Birgkar</p>

Blick vom Königsjodler-Klettersteig ins Birgkar

© IMAGO / Depositphotos

Umwidmung in alpine Route

Der Alpenverein will hier zukünftig die Wegpflege und auch die Verantwortung nicht mehr übernehmen. Der Steig wird auf den obersten 300 Höhenmetern nicht mehr gepflegt. Der obere Teil des Steigs wird nicht gesperrt, sondern erfolgt als "alpin Route" zukünftig in "völliger Eigenverantwortung", so Marco Gabl, Wegereferent des ÖAV. Die Verkehrssicherungspflicht eines Wanderwegs entfällt somit für den Alpenverein als Betreuer des Steigs.

Der Notausstieg des Königsjodler-Klettersteigs soll aber auch zukünftig gepflegt werden. Der Alpenverein hofft, dass die Umwidmung in eine alpine Route ein Signal ist, das manchen davon abhält, den Weg zu benutzen.

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