Erschöpft und stark unterkühlt gerettet

Gewitter an der Zugspitze: 15 Bergsteiger gerettet – Acht im Krankenhaus

Ein plötzlicher Wetterumschwung sorgte am Samstag (19. Juli 2025) für dramatische Szenen an der Zugspitze: Insgesamt 15 Bergsteigerinnen und Bergsteiger gerieten bei ihren Touren in Not, als am Nachmittag ein schweres Gewitter über das Gebiet zog. Erschöpft, teils stark unterkühlt und ohne Möglichkeit zum sicheren Abstieg, mussten sie von Rettungskräften geborgen werden.

Rettungshelikopter im Einsatz (Symbolbild)
© IMAGO / Jan Eifert

Mehrer Kleingruppen von Unwetter überrascht

Wie die integrierte Leitstelle Oberland gegenüber BR24 mitteilt, gingen die ersten Notrufe am späten Nachmittag ein. Die Betroffenen waren in mehreren kleinen Gruppen unterwegs, die unabhängig voneinander vom Unwetter überrascht wurden und in exponiertem Gelände blockiert waren.

Die Bergwacht Grainau rückte zuerst zu einem Bergsteiger mit einer Fußverletzung am Höllentalferner aus: Zusammen mit dem aufgrund der angespannten Wetterlage umgehend alarmierten Rettungshubschrauber Christoph Murnau flogen zwei Luftretter ins Einsatzgebiet. Der Patient konnte schnell gesichert und für den Abtransport vorbereitet werden. Noch während der Versorgung beobachteten die Einsatzkräfte wie ein anderer Bergsteiger abrutschte und in eine Gletscherspalte kurz unter ihrer Position stürzte. Der erste Patient sowie seine beiden Begleiter wurden von der Hubschraubercrew per Winde abgeholt, parallel bereiteten die beiden Retter bereits die Spaltenbergung vor.

Im Tal machten sich aufgrund der neuen Situation zwei weitere Kräfte bereit, welche durch den schneller als erwarteten Wetterumschwung nur noch im unteren Bereich des Gletschers abgesetzt werden konnten. Minuten später zog ein heftiges Gewitter ins Höllental und zwang alle Kräfte zur sofortigen Einsatzunterbrechung. Sie suchten umgehend Schutz unter Felsvorsprüngen sowie in der Randkluft und mussten knapp anderhalb Stunden bei Starkregen und Steinschlag verharren. 

Erst danach konnte die untere Mannschaft zur Spalte aufsteigen und die verunfallte Person sichern. In einem kleinen Wetterfenster konnten die Rettungshubschrauber Christoph Murnau sowie der ebenfalls alarmierte RK2 alle Retter, den Bergsteiger aus der Spalte mit drei Begleitern und zwei weitere Bergsteiger vom Gletscher holen. Alle Betroffenen wurden wegen Unterkühlung und leichten Blessuren ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen zur Behandlung gebracht.

Unterdessen wurden vier weitere Personen im oberen Bereich des Höllentalklettersteigs gemeldet, die ebenfalls nicht mehr zum Zugspitz-Gipfel aufsteigen konnten. Aufgrund der großen Lage wurde in der Bereitschaft vollalarm ausgelöst und so konnte in sehr kurzer Zeit eine weiter 12 köpfige Mannschaft auf die Zugspitze mit der Seilbahn auffahren und dann zu Fuß den Abstieg zu den blockierten beginnen. Auch hier konnte durch ein kurzes Wetterfenster ein Rettungshubschrauber angefordert werden, der sowohl die Bergsteiger, als auch die Retter aus dem Gelände holen konnte.

Gegen Mitternacht waren alle Bergwachtler wieder im Tal und die Einsätze beendet.

Anspruchsvolle Bergtour: Durch das Höllental auf die Zugspitze

Der Aufstieg auf die Zugspitze über das Höllental ist eine alpine und anspruchsvolle Tour mit 2200 Höhenmetern. Zwischen Höllentalangerhütte und Zugspitzgipfel gilt es, mehrere Klettersteigabschnitte und den Höllentalferner zu begehen. Neben entsprechender Kondition für den Aufstieg ist auch die passende Ausrüstung notwendig: Außer festem Schuhwerk, Klettersteigset und Helm gehören meist auch Steigeisen mit ins Gepäck. Die Route empfiehlt sich nur im Sommer und bei absolut stabiler Wettervorhersage!

Text von Thomas Harrer

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