Seilpartnerin schildert Unfallhergang

Laura Dahlmeier: Thomas Huber nimmt Abschied

Die ehemalige Biathletin verstarb bei einem Bergunfall im pakistanischen Karakorum-Gebirge. Die aktuellen Informationen im Überblick.

Laura Dahlmeier im Karakorum tödlich verunglückt.
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Update 01. August 08:00 Uhr | Thomas Huber nimmt Abschied, Leichnam bleibt am Laila Peak

Nachdem Thomas Huber im Choktoi-Basislager die Nachricht von Lauras Unfall am Layla Peak erhielt, organisierte er gemeinsam mit weiteren Bergrettern eine sofortige Hilfsaktion. Unterstützt wurde er dabei vom US-Team um Jackson Marwel und Alan Rousseau, das sich spontan bereit erklärte zu helfen. "Alle Träume, Ziele werden hinten angestellt und das Überleben Lauras wird zum höchsten und wichtigsten Gipfel“, schreibt der Kletterer auf Instagram. Doch der Helikopter konnte das Team erst am folgenden Morgen aufnehmen, und nach mehreren Überflügen stand fest, dass "Laura zu ihrem letzten Gipfel aufgestiegen war."

"So tragisch alles ist, Laura lebte ihren Traum bis zuletzt, zu jeder Sekunde und sie war und ist immer noch ein Vorbild dafür, dass das Leben ein unfassbares Geschenk ist, das mit Liebe, Leidenschaft und Feuer erfüllt werden soll, alles andere wäre tragisch. Danke Laura für alle Momente die wir zusammen erleben durfte," nimmt Huber in einem Post Abschied.

Laura Dahlmeiers Leichnam verbleibt aktuell am Unglücksort. Eine Bergung per Helikopter ist aufgrund des steilen Geländes nicht möglich. Für eine Bergung am langen Seil sind die Militärhubschrauber vor Ort nicht ausgerüstet. Ob eine spätere Bergung entgegen Dahlmeiers Testament erfolgt, obliegt den Behörden vor Ort. "Es war Laura Dahlmeiers ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille, dass in einem Fall wie diesem niemand sein Leben riskieren darf, um sie zu bergen", so Dahlmeiers Management nach dem Unfall.

Update 31. Juli 15:00 Uhr | Dahlmeiers Seilpartnerin Marina Krauss schildert Unfall

Drei Tage nach dem tragischen Tod von Ex-Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier am Laila Peak im Karakorum hat sich ihre Seilpartnerin Marina Krauss in einer improvisierten Pressekonferenz in Skardu zum Unglück geäußert. Wie das ARD-Studio Neu-Delhi auf BR24 berichtet, befanden sich die beiden Bergsteigerinnen im Abstieg, nachdem sie sich gegen eine Gipfelbesteigung entschieden hatten.

"Wir haben uns vorzeitig, bevor wir den Gipfel erreicht haben, entschieden, umzudrehen", sagte Krauss sichtlich erschüttert. Im Laufe des Tages hätten sich die Verhältnisse verschlechtert: Der Schnee sei weicher geworden, das Gelände zunehmend ausgesetzt. Der Unfall ereignete sich schließlich auf etwa 5.700 Metern Höhe – an einer schwierigen, alpinen Passage.

Krauss sei bereits an der nächsten Abseilstelle gewesen, als sie Zeugin des Unglücks wurde. "Ich habe beobachtet, wie die Laura ein riesengroßer Stein getroffen hat und wie sie dann gegen die Wand geschleudert wurde", berichtete sie. "Und von dem Moment an hat sie sich auch nicht mehr bewegt." Krauss habe mehrfach nach ihrer Partnerin gerufen, doch es sei keine Reaktion gekommen. Ein sicherer Zugang zu Dahlmeier sei nicht möglich gewesen, ohne das eigene Leben zu riskieren.

Die beiden Frauen waren im alpinen Stil unterwegs, mit eigener Ausrüstung und ohne externe Unterstützung. Laut Krauss habe das Duo die Route "technisch auf jeden Fall draufgehabt". Wetterprognosen hätten günstige Bedingungen angezeigt. "Wenn wir eine halbe Stunde früher dran gewesen wären, dann wären wir auch sicher runtergekommen", so Krauss.

An der anschließenden Bergung beteiligte sich unter anderem der deutsche Profibergsteiger Thomas Huber. Er reiste mit einem Rettungsteam ins Gebiet und wurde per Hubschrauber zum Laila Peak geflogen. Doch nach mehreren Überflügen konnte kein Lebenszeichen festgestellt werden.

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Update 30. Juli 15:42 Uhr | Details zu Dahlmeiers Unfallhergang bekannt gegeben

Den Informationen eines Posts auf dem Instagram-Kanal von Dahlmeier zu Folge geschah der Unfall am 28. Juli im Abstieg vom Gipfel des Laila Peak. Die 31-Jährige wurde beim Abseilen von Steinschlag getroffen. Ihre Seilpartnerin setzte sofort einen Notruf ab und versuchte über Stunden zu Dahlmeier vorzudringen, was aufgrund anhaltenden Steinschlags und des Geländes nicht möglich war. Weil kein Lebenszeichen mehr zu vernehmen war, entschied sich die Seilpartnerin in der Nacht für einen Abstieg aus der Gefahrenzone.

Ein Hubschrauber überflog am Morgen des 29. Juli die Unfallstelle und konnte Dahlmeier ausfindig machen. Sie gab jedoch kein Lebenszeichen. Eine Rettung aus der Luft war aufgrund "technischer und bergtechnischer Limitierungen des Hubschraubers" nicht möglich, auch am Boden konnte wegen der objektiven Gefahren niemand zu der Verunfallten vordringen. Aufgrund des Bildes, dass die Hubschrauberbesatzung schilderte sowie der Schwere der Verletzungen, wird davon ausgegangen, dass Dahlmeier bereits in Folge des Steinschlags verstorben ist. Dem Statement zu Folge wurde die Rettungsaktion bereits am Abend des 29. Juli eingestellt.

Dahlmeiers Seilpartnerin wurde von Bergsteigern ins Basislager begleitet. Sie ist unverletzt.

Update 30. Juli 14:36 Uhr | Schreckliche Gewissheit: Laura Dahlmeier ist tot

Das Management von Laura Dahlmeier hat gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt, dass Dahlmeier in Folge ihres Unfalls am Laila Peak verstorben ist.

Die 31-Jährige war am Montag von einem Steinschlag auf rund 5700 Metern Höhe getroffen worden, sie überlebte den Vorfall nicht.

Das ZDF zitiert aus der Mitteilung: "Die Bergung des Leichnams ist für die Rettungskräfte unter den aktuell vorherrschenden schwierigen Bedingungen mit Steinschlag und einem Wetterumschwung am Laila Peak mit einem zu hohen Risiko verbunden und nicht realisierbar." Dahlmeier habe zudem ausdrücklich niedergeschrieben, dass im Falle eines solchen Unfalls niemand sein Leben riskieren solle, um sie vom Berg zu holen. Ihr Wunsch war es, ihren Leichnam in diesem Fall am Berg zurückzulassen. "Dies ist auch im Sinne der Angehörigen, die außerdem ausdrücklich darum bitten, Lauras letzten Wunsch zu respektieren", heißt es in der Erklärung und weiter:

"Ein großer Dank der Familie gilt dem Rettungsteam, allen voran den zu Hilfe gekommenen Bergsteigern vor Ort. Sie haben alles Bestmögliche versucht, um eine Rettung zu ermöglichen und zur Verunfallten vorzudringen."

Die Familie von Dahlmeier äußert sich so: "Wir nehmen Abschied von einem großartigen Menschen. Laura hat mit ihrer herzlichen und geradlinigen Art unser Leben und das Leben vieler bereichert. Sie hat uns vorgelebt, dass es sich lohnt für die eigenen Träume und Ziele einzustehen und sich dabei immer treu zu bleiben. Wir sind von Herzen dankbar, liebe Laura, dass wir an deinem Leben teilhaben durften. Unsere gemeinsamen Erinnerungen geben uns Kraft und Mut unseren Weg weiterzugehen."

Update 30. Juli 09:27 Uhr | "Bergung per Hubschrauber nicht möglich"

Die Rettungsaktion für Laura Dahlmeier bleibt aufgrund der Bedingungen mit starkem Wind und schlechter Sicht am Laila Peak schwierig. "Es wurde festgestellt, dass eine Bergung per Hubschrauber nicht möglich ist", sagte Areeb Ahmed Mukhtar, ein lokaler Beamter der Nachrichtenagentur AFP: "Die Bedingungen in der Höhe, in der sie verletzt wurde, sind extrem schwierig." Daher sind derzeit "nur" Retter zu Fuß unterwegs. Es soll sich um insgesamt sechs Männer handeln, vier erfahrene Bergsteiger und zwei Träger, die in zwei Gruppen aufsteigen, um die 31-Jährige zu erreichen. 

Update 30. Juli 07:17 Uhr | Dahlmeier konnte nach Unglück mit Seilpartnerin kommunizieren

Noch gibt es kaum neue Informationen zum Verbleib und zum Zustand der am Montag verunglückten Laura Dahlmeier. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Suche seit einiger Zeit (Pakistan ist drei Stunden "voraus") wieder aufgenommen wurde.

Informationen der pakistanischen Nachrichten-Plattform dawn.com zu Folge konnte Dahlmeier trotz ihrer Verletzungen nach dem Steinschlag mit ihrer unverletzt gebliebenen Seilpartnerin kommunizieren. Diese befand sich weiter unterhalb am Berg, konnte jedoch nicht zu ihrer Partnerin gelangen. 

Dass die Risiken an den Bergen des Karakorums derzeit erhöht sind, erklärte Berg-Journalist Stefan Nestler in einem Bayern-1-Interview: "In diesem Sommer war es extrem heiß und trocken im Karakorum. Und das hat dazu geführt, dass an allen großen Bergen von Steinschlag berichtet worden ist. Am Nanga Parbat, am K2, an den großen 8000ern. Es war höllisch gefährlich, dort bergzusteigen."

Infografik
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Update 29. Juli 18:26 Uhr | Suche nach Dahlmeier für heute eingestellt

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde die Suche nach Dahlmeier aufgrund der Dunkelheit vorübergehend eingestellt. Dies habe ein Sprecher der Tourismusbehörde vor Ort bekannt gegeben. Die Suche soll morgen früh fortgesetzt werden. Damit muss die allem Anschein nach mindestens schwer verletzte 31-Jährige eine zweite Nacht in einer Höhe von 5700 Metern mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt verbringen. 

<p>Ort des Unglücks: der Laila Peak (6.069 m) im Karakorum.</p>

Ort des Unglücks: der Laila Peak (6.069 m) im Karakorum.

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Medienberichten nach soll Thomas Huber (58) vor Ort sein und sich an der Rettungsaktion beteiligen. Huber, der schon mehrere Male mit Dahlmeier am Berg unterwegs war, hatte vor einigen Wochen unabhängig von der Ex-Biathletin angekündigt, in den Karakorum reisen zu wollen und sich wenig später auch aus Pakistan gemeldet. Hubers Ziel war eigentlich, mit Jon Griffin und Tad McCrea aus den USA am Latok III (6946 m) zu klettern. 

Nach Informationen der Bild-Zeitung ist die deutschen Seilpartnerin Dahlmeiers unverletzt und mit anderen Bergsteigern auf dem Weg ins Basislager des Laila Peak.

Update 29. Juli 16:15 Uhr | Laila Peak war Dahlmeiers zweites Gipfelziel

Um kurz nach 16 Uhr wurde auf dem Instagram-Kanal von Laura Dahlmeier ein Post veröffentlicht, der den Stand der Dinge zusammenfasst. Neben den weiter unten beschriebenen Fakten wurde bekannt, dass sich Dahlmeier bereits seit Ende Juni in der Region befunden und am 08. Juli erfolgreich den Trango Tower (6287 m) bestiegen hatte. Der Laila Peak, eine steile und sehr schwer zu besteigende Pyramide, war das zweite geplante Gipfelziel. 

Von ihrer Expedition nach Pakistan hatte Dahlmeier bislang nichts über ihre Social-Media-Kanäle berichtet. Der letzte Post ist vom 28. Juni. "Training and preparing for the next big expedition goal", schreibt sie darin. Dieses Expeditionsziel war offenbar der Laila Peak im Karakorum.

Dahlmeier war mit dem pakistanischen Trekkinganbieter "Shipton" unterwegs. Auf einem Instagram-Post der Agentur vom 02. Juli ist Dahlmeier hinter einem Plakat mit der Aufschrift "Welcome To Pakistan German Great Trango & Serac Pekas Expeditions 2025" zu sehen. 

29. Juli 14:23 Uhr | Dahlmeier mindestens schwer verletzt

Die ehemalige Biathletin und leidenschaftliche Alpinistin Laura Dahlmeier ist bei einem schweren Bergunfall am Laila Peak (6.069 m) im pakistanischen Karakorum-Gebirge verunglückt. Wie ihr Management dem ZDF mitteilte, wurde die 31-Jährige am 28. Juli bei einer Tour im alpinen Stil von einem Steinschlag auf etwa 5700 Metern Höhe getroffen. Nach derzeitigen Informationen sei Dahlmeier mindestens schwer verletzt – ein Rettungshubschrauber konnte bei einem Überflug keine Lebenszeichen feststellen. Eine Bergung war bislang nicht möglich.

Die Tour sei gemeinsam mit einer Seilpartnerin durchgeführt worden, die unmittelbar nach dem Vorfall einen Notruf absetzte. Aufgrund der Abgeschiedenheit der Region konnte ein Rettungshubschrauber die Unfallstelle jedoch erst am Morgen des 29. Juli erreichen. Derzeit wird die Bergung von einem internationalen Team aus erfahrenen Höhenbergsteigern und Rettungskräften koordiniert.

Vom Biathlon-Star zur staatlich geprüften Bergführerin

Dahlmeier hatte sich nach dem Ende ihrer eindrucksvollen Karriere im Biathlon – mit sieben WM-Titeln und zwei Olympiasiegen – zunehmend dem alpinen Berg- und Klettersport gewidmet. Schon während ihrer aktiven Zeit war sie häufig in den Bergen unterwegs, oft auch auf anspruchsvollen Routen.

Seit ihrem Rückzug vom Profisport im Jahr 2019 ging sie ihren alpinistischen Weg mit bemerkenswerter Konsequenz weiter: Sie absolvierte die Ausbildung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin, engagierte sich bei der Bergwacht und führte Touren in den Alpen, den Anden und im Himalaja durch.

2023 stieg Dahlmeier mit Thomas Huber durch die Watzmann-Ostwand, 2024 stellte sie eine Frauenbestzeit an der Ama Dablam auf und im Frühjahr 2025 durchstieg Dahlmeier die Eiger-Nordwand.

Text von Holger Rupprecht