Simone Moro äußert Zweifel

Italienischer Achttausender-Bergsteiger soll geschummelt haben

Behauptet Marco Confortola fälschlicherweise, alle Achttausender bestiegen zu haben? Simone Moro äußert Zweifel an dem italienischen Alpinisten.

Hat er falsche Angaben gemacht? Marco Confortola (Aufnahme von 2008).
© picture-alliance/ dpa / ansa Davide Bolzoni

Hat Marco Confortola geschummelt?

Der Fall weckt Erinnerungen an Christian Stangl, der 2010 behauptet hatte, den K2 bestiegen zu haben und ein angebliches Gipfelfoto präsentierte. Das Bild entpuppte sich als Fälschung. Stangl gab in einer Pressekonferenz zu, nie am Gipfel des zweithöchsten Bergs der Welt gewesen zu sein.

Nun sorgt eine ähnlich heikle Angelegenheit vor allem in der italienischen Bergszene für Diskussionen. Der 1971 geborene Marco Confortola hat eigenen Angaben auf seiner Webseite zufolge mit der Besteigung des Gasherbrum I (8080 m) im Juli diesen Jahres seine Sammlung komplettiert und alle 14 Achttausender dieser Erde bestiegen. Dieses Kunststück gelang bekanntlich zuerst Reinhold Messner und ist bis heute erst einem vergleichsweise kleinem Kreis von Bergsteigerinnen und Bergsteigern gelungen. 

<p>War er auf allen Achttausender? Bergsteiger Marco Confortola (Bild von 2008.)</p>

War er auf allen Achttausender? Bergsteiger Marco Confortola (Bild von 2008.)

© picture-alliance/ dpa | epa ansa Str

Die Angaben variieren, es dürften aber unter 50 Personen weltweit sein. Aus Deutschland schaffte dies einzig Ralf Dujmovits. Confortola habe die 14 Achttausender in insgesamt 21 Jahren, zwischen 2004 und 2025, ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen, wie aus einem Post auf seinem Instagram-Kanal hervorgeht.

Doch ob Confortola tatsächlich alle Achttausender bestiegen hat, wird aktuell von mehreren Seiten stark bezweifelt. Unter den Kritikern ist niemand Geringeres als Simone Moro, selbst einer der erfolgreichsten Höhenbergsteiger der Gegenwart. Moro genießt vor allem wegen mehrerer Erstbesteigungen von Achttausendern im Winter höchstes internationales Ansehen. Unter anderem gelang ihm dies an Shishapangma, Makalu, Gasherbrum II und Nanga Parbat.

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Simone Moro: "Viele der Gipfelfotos sind gefälscht"

Ausgerechnet dieser renommierte Alpinist erhebt nun schwere Vorwürfe gegen Confortola. Lo Scarpone, dem "Portale del Club Alpino Italiano", sagte Moro: "Viele der Gipfelfotos stammen nicht von ihm und sind gefälscht". Glaubt man Moro, stammt beispielsweise das Foto, das Confortola als Lhotse-Gipfelfoto präsentiert, in Wirklichkeit von Jorge Egochega, der ebenso alle vierzehn Achttausender bestiegen hat. Confortola soll das Gipfelbild des Spaniers vom Lhotse so manipuliert haben, dass es ihn selbst zeige. 

<p>Gefälscht? Dieses Gipfelbild vom Lhotse präsentiert Marco Confortola <a href="https://www.marcoconfortola.it/le-vette-che-ho-scalato/" rel="nofollow" target="_blank">auf seiner Webseite</a>.</p>

Gefälscht? Dieses Gipfelbild vom Lhotse präsentiert Marco Confortola auf seiner Webseite.

© www.marcoconfortola.it

Doch damit nicht genug: Am Kangchendzönga (8586 m) soll Confortola 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels umgedreht sein, am Makalu (8485 m) 90 Höhenmeter. Auch an der Annapurna (8091 m) habe er den höchsten Punkt nicht erreicht. All dies sollen Aussagen von Sherpas und anderen Alpinisten belegen, die Moro vorliegen.

Moro erklärte weiter, es sei "immer ein offenes Geheimnis" gewesen, dass Confortola nicht alle Achttausender bestiegen habe. Und er fügte hinzu: "Ich glaube, dass Confortola an einer Krankheit leidet. Er hat seine eigene Wahrheit, aus jenen Momenten, die er dort oben erlebt hat, wo niemand klar denken kann, und er schreit diese Wahrheit mit aller Überzeugung heraus. Aber das heißt nicht, dass man eine Karriere auf Lügen oder Pseudo-Kletterhalluzinationen aufbauen kann."

Confortola reagiert wütend auf Vorwürfe

Confortola reagierte empört auf die Anschuldigungen. In einem Interview sagte er: "Wer glaubt Simone Moro eigentlich, dass er ist? Wäre ich am K2 gestorben, dann wären diese Stars glücklich gewesen." 

<p>Im Gespräch mit dem italienischen Botschafter nach der Rettung am K2 2008: Marco Confortola.</p>

Im Gespräch mit dem italienischen Botschafter nach der Rettung am K2 2008: Marco Confortola.

© picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Anjum Naveed

2008 war es zu einer großen Katastrophe am K2 gekommen, bei der elf Menschen starben. Bis zuletzt musste man befürchten, dass ein zwölftes Todesopfer hinzukommen würde: Marco Confortola war in großer Höhe mehrere Tage auf sich alleine gestellt, konnte schließlich gerettet werden. Er erlitt jedoch starke Erfrierungen, in deren Folge ihm alle Zehen amputiert werden mussten. 

Eine öffentliche Debatte mit Moro lehnte Confortola ab, dafür habe er keine Zeit. Seine Gipfel-Fotos seien nicht gefälscht, wie er gegenüber "Lo Scarpone" betonte.

Text von Holger Rupprecht

2 Kommentare

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Timo

@Mario: Menschen mit ADHS zu stigmatisieren zeugt auch nicht von besonderer Sozialkompetenz. Von daher sind Sie nicht besser als das, was sie vermeintlich zu kritisieren zu versuchen.

Mario

Diese Kleinwelt des Extrem-ADHS Selfietums ist nicht meine Welt. Fängt schon beim Hochtourenpublikum an.