Inspiriert vom traditionsreichen Alpinismus der Region

"Nostalgie Alpine" (M8): Fay Manners eröffnet Mixed-Route über Arolla

Ein internationales Team um Alpinistin Fay Manners hat oberhalb von Arolla eine neue Mixed-Route eröffnet: "Nostalgie Alpine" führt direkt durch die bislang unberührte Wand des Roc Noir. Die Route technisch anspruchsvoll und bewusst im Geist des klassischen Alpinismus angelegt.

"Nostalgie Alpine" (M8): Fay Manners eröffnet Mixed-Route über Arolla
© Fay Manners

Schrittweise Erschließung einer anspruchsvollen Wand

Fay Manners, Marco Malcangi und Max Kilcoyne gelang am Roc Noir oberhalb von Arolla die Erstbegehung der Route "Nostalgie Alpine" (M8 A0, 325 m, 9 Seillängen). Die Linie führt direkt durch die zentrale Wand eines markanten Felssporns, der bislang unerschlossen war. Während an den Rändern bereits zwei leichtere Routen existierten, hatte sich eine direkte Linie durch die Mitte der Wand über Jahre als schwierig und teilweise unsicher erwiesen.

Das Team nutzte ein stabiles Hochdruckfenster Anfang März, um das Projekt umzusetzen. Nach einer Erkundung der Wand vom Tal aus begann das Trio am 4. und 5. März mit der Erschließung der unteren Seillängen. Anders als erhofft fanden sie jedoch nur wenig Eis vor: Der Großteil der Route verläuft über Mixed-Gelände aus Fels, Schnee und dünnen Eisauflagen.

Nach einer Pause zur Materialergänzung – insbesondere zusätzlicher Bohrhaken – setzten sie den Durchstieg am 10. und 11. März fort und vollendeten die Route. Anschließend entfernten sie Fixseile, sicherten Standplätze und bereiteten die Linie für zukünftige Begehungen vor.

<p>Glückliche Gesichter am Roc Noir.</p>

Glückliche Gesichter am Roc Noir.

© Fay Manners

Anspruchsvolle Kletterei mit begrenzter Absicherung

Die Route wurde konsequent von unten ("ground-up") eingerichtet. Aufgrund mangelnder natürlicher Sicherungsmöglichkeiten im oft kompakten oder brüchigen Fels mussten laut Manners an vielen Stellen Bohrhaken gesetzt werden. Wo möglich, nutzte das Team jedoch klassische Sicherungsmittel, um den alpinen Charakter zu bewahren.

Das Team beschreibt die Kletterei als technisch anspruchsvoll und mental fordernd: Präzise Steigeisenarbeit und feine Bewegungen dominieren, da häufig dünne, vereiste Strukturen und moosbedeckte Felsabschnitte überwunden werden müssen. Zwei kurze technische Passagen konnten bei der Erstbegehung nicht frei geklettert werden.

<p>"Nostalgie Alpine" (M8 A0, 325 m, 9 Seillängen)</p>

"Nostalgie Alpine" (M8 A0, 325 m, 9 Seillängen)

© Fay Manners

Routenname ist kein Zufall

Angesichts der Routenlänge und potenziell schwieriger Abstiegsbedingungen installierte das Team zusätzliche Standplätze, die ein Abseilen über die gesamte Route ermöglichen. Eine Begehung an einem Tag ist möglich, erfordert jedoch einen sehr frühen Start und wahrscheinlich einen Abstieg im Dunkeln. Manners und ihre Begleiter wählten den Namen der Route bewusst: "Nostalgie Alpine" soll die besondere Atmosphäre rund um Arolla widerspiegeln – eine Region, die sich trotz ihrer reichen Alpingeschichte viel Ursprünglichkeit bewahrt hat.

"Mit wenig Infrastruktur und wilden Bergen direkt über dem Tal fühlt sich das Klettern hier an wie eine Reise in die Vergangenheit des Alpinismus", so Manners. Tatsächlich zieht es heute vergleichsweise wenige ambitionierte Alpinisten in die Region, da Aufstiegshilfen fehlen. Ein Umstand, der den Reiz für Entdecker jedoch erhöht. Mit "Nostalgie Alpine" setzt Manners ihre Serie anspruchsvoller Unternehmungen fort. Die Route unterstreicht einmal mehr die Möglichkeiten für neue, anspruchsvolle Linien in den Alpen.

<p>Die neue Linie ist exponiert, steil und anspruchsvoll.</p>

Die neue Linie ist exponiert, steil und anspruchsvoll.

© Fay Manners
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zum Test

Während der Arbeit an der Route wohnte das Team im historischen Grand Hôtel Kurhaus, das die Expedition durch Unterkunft und Verpflegung der Bergsteiger unterstützte. Das Kurhaus selbst ist eng mit den Anfängen des Alpinismus im Tal verbunden. Es wurde 1896 von Honorine Gaspo eröffnet und diente vielen britischen und schweizerischen Bergsteigern während der Belle Époque als Ausgangspunkt für die Erkundung der umliegenden Gipfel.

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