Altschneeproblem als Ursache

Tödliche Lawine bei Hochfügen: Unfallanalyse des Lawinenwarndienstes

Gute Ausrüstung und Erfahrung sind keine Garantie: Am Marchkopf endete ein Lawinenabgang tödlich – ausgelöst durch eine Schwachschicht im Altschnee. Der Lawinenwarndienst Tirol analysiert den Unfall.

Überblicksbild der Lawine am Marchkopf: Rote Pfeile zeigen die Einfahrtsbereiche, das rote Rechteck den Ort, wo die zweite Person wartete, jedoch auch von der Schneebrettlawine mitgerissen wurde. Die rote Ellipse zeigt den Verschüttungsbereich der verstorbenen Person.
© Alpinpolizei

Tödliche Schneebrettlawine am Marchkopf: Kameradenrettung bleibt erfolglos

Bei einem Lawinenabgang unterhalb des 2.499 Meter hohen Marchkopfs in den Tuxer Alpen ist am Samstag (28. März 2026) ein Skifahrer ums Leben gekommen, ein weiterer wurde verletzt. Die beiden Wintersportler wurden im Variantenbereich nahe Hochfügen von einer großen Schneebrettlawine erfasst. 

Nach Erkenntnissen des Lawinenwarndienstes Tirol fuhren die beiden am Ende ihres Skitages vom Gipfelbereich in einen extrem steilen, nordwestexponierten Hang ein. Bereits nach wenigen Schwüngen löste sich auf rund 2.460 Metern Höhe eine großflächige Lawine (Größe 3), die beide Personen mitriss.

Eine der beiden Personen wurde im oberen Bereich der Lawinenablagerung teilverschüttet, konnte sich jedoch rasch selbst befreien und leitete umgehend die Suche ein. Die zweite Person wurde vollständig verschüttet und konnte mithilfe von LVS-Gerät und Rettungskräften lokalisiert werden. Nach rund 30 Minuten wurde sie aus etwa 1,5 Metern Tiefe geborgen. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen verstarb die Person noch am Unfallort.

<p>Lawine mit Einfahrtsbereich (roter Pfeil), Warteposition (rotes Rechteck) und der Spur der teilverschütteten Person (in blau).</p>

Lawine mit Einfahrtsbereich (roter Pfeil), Warteposition (rotes Rechteck) und der Spur der teilverschütteten Person (in blau).

© Alpinpolizei

Ursache: Heimtückische Schwachschicht im Altschnee

Die Lawine erreichte eine Breite von rund 230 Metern und eine Länge von etwa 400 Metern. Die durchschnittliche Anrissmächtigkeit lag bei etwa 40 Zentimetern. Der Abgang ereignete sich in extrem steilem Gelände und breitete sich über den gesamten Hang aus. Die Analyse der Schneedecke zeigt ein klassisches, aber schwer erkennbares Problem: eine oberflächennahe Schwachschicht aus kantigen Kristallen, die sich während einer Schönwetterphase Anfang bis Mitte März gebildet hatte.

Darüber lagerte ein gut gebundenes Schneebrett, das vor allem durch die intensiven Schneefälle und starken Winde ab dem 25. März entstanden war. Diese Kombination – schwache Altschneeschicht unter einem stabil wirkenden Brett – begünstigte eine großflächige Bruchausbreitung. Besonders kritisch war die Situation in nord- bis westexponierten Hängen zwischen etwa 2.200 und 2.800 Metern Höhe.

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Erster Schönwettertag als Risikofaktor

Der Unfall ereignete sich laut Analyse am ersten sonnigen Tag nach einer Phase mit Neuschnee und Sturm – eine Konstellation, die erfahrungsgemäß besonders lawinenanfällig ist. Allein am 28. März wurden in Tirol insgesamt 23 Lawinenabgänge gemeldet. In den meisten Fällen blieb es bei sogenannten "Negativlawinen" ohne Personenschaden. Der Unfall am Marchkopf war jedoch der einzige mit tödlichem Ausgang.

Der Vorfall unterstreicht die Gefahr von Altschneeproblemen: Diese sind oft schwer zu erkennen, da die Schneedecke an der Oberfläche stabil wirkt. Gleichzeitig können bereits geringe Zusatzbelastungen – etwa durch einzelne Wintersportler – ausreichen, um großflächige Lawinen auszulösen. Auch vollständige Notfallausrüstung und Erfahrung bieten in solchen Situationen keinen Schutz. Entscheidend bleiben eine konservative Routenwahl und das konsequente Meiden besonders gefährdeter Expositionen und Höhenlagen.

<p>Die Verschüttungsstelle, der Pfeil zeigt die Einfahrtsspur.</p>

Die Verschüttungsstelle, der Pfeil zeigt die Einfahrtsspur.

© LWD Tirol

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