Schneebrettlawine im Gipfelbereich ausgelöst
Zwei Skitourengeher brachen laut einer Presseaussendung der Polizei Tirol am 03. April 2026 von der Franz-Senn-Hütte zu einer alpinen Skitour in den nördlichen Stubaier Alpen auf. Ziel war der Hintere Wilde Turm (3294 m) im Gemeindegebiet von Neustift im Stubaital.
Beim Aufstieg über den Verborgen-Berg-Ferner entschieden sich die beiden Alpinisten, über eine steile, südöstlich ausgerichtete Rinne zum Gipfel aufzusteigen. Im Bereich des Kamms deponierten sie ihre Ski am Rucksack und setzten den Aufstieg zu Fuß fort. Gegen 13:30 Uhr löste der vorausgehende Bergsteiger im Kammbereich eine Schneebrettlawine aus.
Die Lawine erfasste beide Tourengeher und riss sie etwa 200 Meter über eine ostseitig ausgerichtete Rinne mit. Nach dem Stillstand war einer der beiden bis zu den Schultern verschüttet, konnte sich jedoch selbst befreien.
Sein Begleiter wurde vollständig verschüttet, lediglich ein Arm ragte aus den Schneemassen. Der teilweise Verschüttete begann sofort mit der Kameradenrettung und konnte seinen Partner rasch ausgraben. Dieser war bei Bewusstsein, erlitt jedoch eine schwere Schulterverletzung. Ein weiterer Alpinist beobachtete den Lawinenabgang vom Vorderen Wilden Turm aus und setzte einen Notruf ab.
Hubschraubereinsatz im hochalpinen Gelände
Der verletzte Skitourengeher wurde vom Notarzthubschrauber "Alpin 2" in die Universitätsklinik Innsbruck geflogen. Sein Begleiter blieb unverletzt und wurde vom Polizeihubschrauber "Libelle" zur Franz Senn Hütte ausgeflogen.
Nach Angaben der Polizei handelte es sich um eine mittelgroße Schneebrettlawine mit einer Länge von rund 200 Metern und einer Breite von etwa 15 bis 20 Metern im Anrissbereich. Die Anrissmächtigkeit lag bei rund 45 bis 50 Zentimetern. Die betroffene Rinne weist eine Steilheit von etwa 40 bis 45 Grad auf.
Lawinenlage: Altschneeproblem und Triebschnee in Gipfelnähe
Am Unfalltag war die Lawinensituation vor allem durch schwachen Altschnee und störanfälligen Triebschnee geprägt. Besonders oberhalb von rund 2200 m (Warnstufe 2) konnten laut Lawinenlagebericht Lawinen im Altschnee ausgelöst werden und mittlere Größe erreichen. Zusätzlich galten kammnahe Bereiche sowie eingewehte Rinnen und Mulden als kritisch, da dort Triebschneeansammlungen durch einzelne Wintersportler auslösbar waren. Diese Gefahrenstellen waren oft schwer zu erkennen.
Skihochtour auf den Hinteren Wilden Turm: Nur etwas für erfahrene Alpinisten
Die Skihochtour auf den Hinteren Wilden Turm gilt als abwechslungsreiche Unternehmung für erfahrene Alpinisten, bei der sich anspruchsvolle Gletscherpassagen mit kurzen Kletterstellen verbinden. Ausgangspunkt ist die Franz-Senn-Hütte, von der es über den Verborgener-Berg-Ferner hinauf zur Turmscharte geht.
Dort werden die Ski am Rucksack befestigt und der weitere Anstieg erfolgt zu Fuß durch steiles, teils versichertes Gelände. Vom Übergang führt die Route über den flachen Ferner und zuletzt durch eine steile Flanke in den Sattel unter dem Gipfel, ehe eine kurze Felskletterei den Abschluss bildet. Die Tour punktet mit hochalpiner Kulisse, mehreren Varianten im Auf- und Abstieg sowie der Möglichkeit, den Hinteren Wilden Turm mit dem Vorderen Wilden Turm zu kombinieren.

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