Tödlicher Lawinenunfall im Kühtai: Keine Notfallausrüstung mitgeführt
Gegen 15:40 Uhr waren drei Snowboarder vom Punkt "Die Mute" in einen nordseitigen Hang links der Staumauer des Finstertal-Stausees eingefahren. Dabei löste sich ein Schneebrett, das zwei Mitglieder der Gruppe erfasste. Während einer der Snowboarder nur bis zum Kopf teilverschüttet wurde und unverletzt geborgen werden konnte, wurde der zweite vollständig von den Schneemassen erfasst. Der dritte blieb unverletzt.
Die Gruppe führte nach Angaben der Einsatzkräfte keine Lawinen-Notfallausrüstung mit sich. Die Suche nach dem Verschütteten gestaltete sich entsprechend schwierig und zeitaufwendig. Erst gegen 18:10 Uhr konnte der Mann von den Rettungskräften lokalisiert werden. Für ihn kam jedoch jede Hilfe zu spät.
An der Such- und Bergungsaktion beteiligten sich zahlreiche Einsatzkräfte, darunter mehrere Ortsstellen der Bergrettung im Bezirk Imst, die Freiwilligen Feuerwehren Silz und Kühtai, Mitarbeiter der Bergbahnen Kühtai sowie umliegender Skischulen. Unterstützt wurde der Einsatz durch drei Rettungshubschrauber, einen Polizeihubschrauber sowie Kräfte der Polizei und Alpinpolizei.
Lawinensicherheit: So wichtig ist vollständige Notfallausrüstung
Wer im freien Gelände unterwegs ist, sollte eine vollständige Lawinen-Notfallausrüstung mitführen – und vor allem beherrschen:
LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät): Sendet ein Signal, das im Ernstfall von anderen geortet werden kann. Voraussetzung: Alle in der Gruppe tragen ein eingeschaltetes Gerät.
Lawinensonde: Dient dazu, Verschüttete nach der LVS-Ortung punktgenau im Schnee zu lokalisieren.
Lawinenschaufel: Entscheidend für die schnelle Bergung – Zeit ist der wichtigste Faktor bei Verschüttungen.
Lawinenairbag (optional): Kann das Risiko einer vollständigen Verschüttung reduzieren, ersetzt aber keinesfalls die Standardausrüstung.
Wichtig: Ohne diese Ausrüstung sinken die Überlebenschancen im Ernstfall dramatisch – vor allem, wenn keine sofortige Kameradenrettung möglich ist.
Kurze Analyse: Warum der Unfall tödlich endete
Der Lawinenunfall im Kühtai zeigt mehrere kritische Faktoren, die unglücklich zusammenkamen:
1. Variantenfahren im nordseitigen Gelände: Nordhänge halten oft länger kalten, lockeren Schnee – gleichzeitig können sich hier störanfällige Schwachschichten bilden. Schneebretter sind in solchen Expositionen besonders häufig.
2. Gruppendynamik und Linienwahl: Dass zwei der drei Snowboarder gleichzeitig erfasst wurden, deutet darauf hin, dass sie sich im Gefahrenbereich befanden, als sich das Schneebrett löste. Im Idealfall wird ein Hang einzeln befahren.
3. Fehlende Notfallausrüstung: Der entscheidende Faktor: Ohne LVS, Sonde und Schaufel war eine sofortige Kameradenrettung nicht möglich. Damit ging wertvolle Zeit verloren. Ein zentraler Punkt, denn die Überlebenschance sinkt bereits nach etwa 10 Minuten rapide.
4. Zeitverzögerte Ortung: Die Bergung des vollständig Verschütteten gelang erst rund zweieinhalb Stunden nach dem Abgang. Zu diesem Zeitpunkt sind die Chancen auf ein Überleben in der Regel minimal.


