Zahlreiche Rettungseinsätze an der Zugspitze

"Es fehlen jede Erfahrung und Gespür für die Berge": Bergretter kritisieren TikTok-Trend

Offenbar inspiriert von Videos auf TikTok und Instagram wagen sich immer mehr junge Menschen unvorbereitet ins alpine Gelände rund um die Zugspitze. Die Bergrettung Ehrwald spricht von einem besorgniserregenden Trend – und kritisiert die unvorbereiteten Berggeher deutlich.

"Die Berge sind kein Spielplatz": Bergretter kritisieren TikTok-Trend
© Bergrettung Ehrwald

"Es fehlen jede Erfahrung und Gespür für die Berge": Bergretter kritisieren TikTok-Trend

Die Bergrettung im Tiroler Ehrwald beobachtet rund um die Zugspitze einen besorgniserregenden Trend: Immer häufiger geraten junge und unerfahrene Bergtouristen in alpine Notlagen, nachdem sie sich durch Videos auf TikTok oder Instagram zu riskanten Touren inspirieren ließen. Nach Angaben der Einsatzkräfte mussten allein in dieser Saison 2026 bereits rund 30 Personen gerettet werden.

Viele der Betroffenen seien jünger als 20 Jahre, verfügten über kaum Bergerfahrung und unterschätzten die Bedingungen im hochalpinen Gelände massiv. Zuletzt mussten Einsatzkräfte mehrere junge Wanderer bergen, die trotz einer bestehenden Wegsperre weitergegangen waren und schließlich in einem Schneefeld feststeckten. Häufig würden Touren ohne ausreichende Planung begonnen, kritisieren die Retter. "Es fehlt ihnen jede Erfahrung und jedes Gespür für die Berge", so Robin Lutnig, Leiter der Bergrettung Ehrwald gegenüber der Kronenzeitung.

Besonders problematisch sei, dass viele zwar moderne Ausrüstung dabeihätten, jedoch kaum wüssten, wie diese richtig eingesetzt werde. Zudem fehle oft das Verständnis für Wetter, Schneeverhältnisse, Zeitplanung und Umkehrentscheidungen im Gebirge. Die Bergrettung verweist darauf, dass soziale Medien häufig ein verzerrtes Bild alpiner Touren vermittelten.

"Dann weinen sie Rotz und Wasser und schlagen Alarm"

"Diese jungen Leute gehen häufig stundenlang im Schnee, ohne zu bedenken, dass sie auch noch zurück oder die letzte Talfahrt der Zugspitzbahn erwischen müssen", sagte Regina Poberschnigg, stellvertretende Leiterin der Bergrettung Ehrwald. "Umdrehen gibt es für sie nicht. [...] Schließlich fehlt ihnen die Kraft für den Rückweg, sie geraten in die Dunkelheit und in Panik. Dann weinen sie Rotz und Wasser und schlagen Alarm."

Spektakuläre Videos erweckten den Eindruck, anspruchsvolle Wege seien problemlos machbar. Tatsächlich würden jedoch viele Aufnahmen unter idealen Bedingungen oder mit erheblicher alpiner Erfahrung entstehen. Hinzu komme, dass manche Social-Media-Beiträge laut regionalen Tourismusvertretern irreführend seien. Teilweise entstehe der Eindruck, Gipfel seien zu Fuß erreicht worden, obwohl die Personen große Teile der Strecke mit der Seilbahn zurückgelegt hätten.

Die Einsatzkräfte appellieren deshalb an Bergsportlerinnen und Bergsportler, Touren sorgfältig zu planen. Entscheidend seien aktuelle Bedingungen, alpine Erfahrung, realistische Selbsteinschätzung und die Bereitschaft, im Zweifel rechtzeitig umzukehren. "Um solche Einsätze zu vermeiden, appellieren wir stark an den Hausverstand und an das umfangreiche Informieren über solche Touren", schreibt die Bergrettung Ehrwald bei Facebook. "Infos z. B. bei lokalen Alpinschulen einholen, nicht aus TikTok oder Instagram".

Text von Lubika Brechtel

12 Kommentare

Kommentar schreiben
Hannes

@dwa.
Wo habe ich bitteschön von einem akzeptablen Gesamtzustand gesprochen? Ich lehne hysterische Verallgemeinerungen ab.
Das impliziert keineswegs, dass ich hirnbefreite Aktion, egal ob von Jung oder Alt, als akzeptabel ansehe.
Und gilt heute wie früher und umfasst mich persönlich.
Aber, gerne nochmals, schwarzmalende Weltuntergangstheatralik ist nicht erforderlich

dwa

Fehler macht jeder einmal. Eine Bergrettung ist grundsätzlich keine Schande. ABER was sich da aktuell abspielt, im Kontext mit Social Media ist nicht mehr normal. Wenn man sich da einmal intensiver mit beschäftigt hat kommt man schnell zu den großen gesellschaftlichen Fragen: Warum ist es momentan so In sich als "die härteste Sau" der Welt darzustellen? Das betrifft nicht nur Bergsteigen, sondern auch z.B. den Hype um MMA. Tattoos überall weil nur so kannst du vermitteln dass du so hart bist dass du mal mit einem Bein im Knast standest. Cool ist auch, wenn das Blut richtig spritzt. Da geht es ganz viel um Selbstdarstellung, denn ganz viele von den sich Selbstüberschätzenden haben auch eine GoPro dabei. Natürlich, um danach direkt auf TikTok zu posten was für einen krassen Scheiß man "überlebt" hat. Das geht dann so weit, dass genau mit diesem "gerade so überlebt" bewusst geworben und Klicks generiert werden. Wenn das so weiter geht, dann folgen Sperrungen und/oder Kontingente. Das schafft die Bergwacht dann irgendwann halt nicht mehr, zumindest nicht ehrenamtlich. Es sei denn man zieht das Rettungs-Thema noch größer bzw. teils kommerzieller auf z.B. so wie Air Zermatt das macht.

Wichtig ist auch, hier vermehrt für Verständnis für die Gefahren der Berge zu werben und auch für die Schwierigkeiten die für Bergwachten mit solchen Rettungen einhergehen. Da finde ich "In Höchster Not" aktuell auf ARD sehr gelungen: Es zeigt eindrücklich dass z.B. Gewitter in Kombination mit einer nicht vorhandenen Zeitplanung und Selbsteinschätzung sehr schnell schlecht ausgehen können. Und es erreicht die Massen. Gut gemacht.

Viele Menschen die in die Situation kommen werden wohl das letzte mal in den Bergen gewesen sein. Viel besser wäre gewesen, sich erstmal heranzutasten was man kann und nicht direkt mal auf die Zugspitze zu steigen, am besten noch zu spät, ohne genug Wasser, während man bei Wetteronline eine "Sonne mit Wolken" Symbol für ausreichend erachtet hat um anzunehmen dass das Wetter passt.

Die Informationen sind alle da um sich gewissenhaft auf eine Tour vorzubereiten. Wenn dann doch einmal etwas passiert, du brichst dir was, du wirst krank, du merkst du hast dich verschätzt: das passiert! Aber das Minimum sollte sein, dass du die für alle zur Verfügung stehenden Informationen nutzt, um gewissenhaft deine Tour zu planen. Alle erfahreneren Alpinisten sowie Medien sollten dabei mithelfen, dieses Bewusstsein zu fördern!

Insofern finde ich nicht dass das aktuell eine akzeptable Gesamtsituation ist, so wie @Hannes schreibt. Es ist eine Situation die man deutlich verbessern kann ohne unsere Ehrenamtler zu verheizen, und davon ab auch den Respekt vor der Natur/den Bergen zu wahren bzw. zu steigern!

Hermann

Ich bin begeisterter Bergsteiger, und sehe das auch so wie Hannes. aber es gibt auch gute begeisterte
Bergsteiger/ Tourengeher die ihr Touren auf Social Media posten, sei es aus reiner Freude und Begeisterung, oder eben auch um Likes zu bekommen. Ich habe mir das total abgewöhnt um eben für Junge und unerfahrene keine Anreize zu schaffen.

Hanno

Ich sehe das wie Hannes. Erfahrungen beruhen auf dem Schatz, dass man mögliche Fehler 30mal machen durfte und die Sache auch noch glimpflich ausgegangen ist. Rückblickend denken dann viele, man sei schon so schlau auf die Welt gekommen. Das nennt man in der Psychol. "Überstrahlungsfehler". Und der nächste Schritt ist dann der kopfschüttelnde Fingerzeig auf die -"Versager", um sich von denen abzugrenzen. Das hilft niemandem. Aufklärung tut gegen gefährliche Nandlungen Not, authentische Erfahrungen sind genauso wichtig. Bloßstellen bringt nichts. Wer sich selbsverschuldet in Gefahr bring, sollte halt was für seine Rettung tun müssen ( z.B.Sozialstunden bei der Bergrettung). Das hilft. Bin übrigends 63, immernoch FÜ Alpinklettern, erfahren durch hin und jugendlichen Mist gebaut.

Blumar

Könnte ich einen "like/gefällt mir/meine Meinung" vergeben, Hannes würde für seinen Beitrag einen bekommen.

Abgesehen davon stellt sich die Frage, welche Antworten wir als Gesellschaft auf diese Entwicklung finden. Als Gedankenanstoß: Hinführen, begleiten, im geschützten Rahmen Erfahrungen sammeln lassen.... evtl. als Thema in den Schulen - so als Allgemeinbildung? Man könnte dafür auch bei den Norwegern mal spicken...

dwa

@Rainer wobei die Frage nicht ganz unberechtigt ist. Insbesondere bei wolkenfreiem Himmel können sich über Nacht in Tälern durch Abstrahlung oft Kaltluftseen bilden sodass sich eine Inversion bildet: am Morgen ist es dann oft genau so, deutlich wärmer auf dem Berg als im Tal. Wobei diese Inversion im Laufe des Tages dann häufig verschwindet.

Felix

Fahre gerade zurück aus einer Frühjahrstour aus dem steinernen mehr, der Schnee war weich, unterspült, im allgemeinen schlecht, die Letzte Wintertour haben ich und mein Kollege auch abgebrochen und wir sind auch erst um die 20, ich verstehe nicht wie man nicht wenigstens Kleidung mithaben kann und allgemein Ausrüstung um die Nacht oben im Notfall zu überstehen. Die Zugspitze ist irgendwie auch so entehrt worden alle gehen nur noch rauf aber fahren runter, dass hat doch nix mit Bergsteigen zu tun. Wegen sowas kommt man sich dann wie ein Idiot vor wenn die Leute Junge Menschen auf'm Hochkalter sehen.

Hannes

Natürlich sind die aus den neuen Medien resultierenden Anreize verlockend, ".... es doch auch mal zu probieren, man hat die Tour ja mit eigenen Augen gesehen...".
Aber das muss nicht in eine pauschale Verunglimpfung, "... was heutzutage für Leute unterwegs sind..." abdriften.
Bergsport ist in, und tatsächlich sind viele, oft sehr leistungsstarke jüngere Menschen in den Bergen unterwegs, und da ist es Gesetz der großen Zahl, dass es zu mehr Selbstüberschätzungen kommt.
Das ist nicht das Ende der Welt, und die Kniebundhosenfraktion möge sich erinnern, dass sie auch mal jung war und Fehler gemacht hat.
Wir sind früher auch ohne weitere Informationen losgegangen und haben vermutlich des Öfteren alle Schutzengel benötigt, die greifbar waren. Vom verspätet Losgehen, vergessener Piepserkontrolle, über batterielose Stirnlampen und sommerlichen Biwaks in Shorts und T-Shirt, weil im Dunklen die Abseilpiste nicht auffindbar war, alles dabei.
Deshalb waren wir nicht besser oder schlauer als die jetzige junge Generation. Wer Jugend als Charakterfehler ansieht findet immer was zu motzen, und sei es eine vermeintlich dumme Frage!

Laute Stille

Der Rückweg wird oft nicht zu Fuß eingeplant, es gibt ja schließlich die Bergwacht die einen per Taxi wieder runter fliegt. Da klagt man dann über Blockierung oder Erschöpfung...und es gibt dann nochmal extra Content gratis für die Social Media Kanäle, hauptsache spektakulär...

Rainer

Ein Beispiel was für Leute z.T. unterwegs sind:
Letzten Frühsommer hat ein junges Paar die Vermieterin und mich in unserer Unterkunft in Pertisau am Achensee gefragt, sie würden eine Bergwanderung machen, ob es denn "auf dem Berg" wärmer oder kälter sei als im Tal? Ein Kommentar verkneife ich mir.

Seite 1 / 2 Next