Weißblauer Himmel über dem Geigelstein, Frühlingssonne, sattgrüne Almwiesen, im Blick die schroffen Konturen des Kaisergebirges. Mittendrin: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Ehefrau Elke Büdenbender, beide mit Wanderschuhen und Rucksack. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen des Deutschen Alpenvereins und der Bergwacht Bayern wanderte das Staatsoberhaupt am Freitag zur Priener Hütte im Chiemgau, nicht nur zum Reden, sondern auch zum – wenngleich eher symbolischem – Mitarbeiten.

Unterwegs zur Priener Hütte: Bundespräsident Steinmeier, recht neben ihm Ehefrau Elke Büdenbender.
Der Besuch fand einen Tag vor dem erstmals bundesweit ausgerufenen "Ehrentag" statt, den Steinmeier rund um den Geburtstag des Grundgesetzes ins Leben gerufen hat. Ziel der Aktion: ehrenamtliches Engagement sichtbarer machen und Menschen motivieren, selbst aktiv zu werden.
Dass der Bundespräsident dafür ausgerechnet den Deutschen Alpenverein und die Bergwacht auswählte, passt gut. Denn vieles, was Bergsportler in den Alpen ganz selbstverständlich nutzen, basiert auf freiwilliger Arbeit.
Ehrenamtliche sorgen für alpine Infrastruktur
Ob Wegmarkierungen, Brücken, Entwässerungen oder beschädigte Steige: Hinter funktionierender alpiner Infrastruktur steckt oft erstaunlich viel und meiste mühevolle Handarbeit. Vieles davon passiert fernab großer Öffentlichkeit. Bundesweit betreut der DAV rund 30.000 Kilometer Wege.

Ehrenamtlich im Wegebau am Geigelstein tätig: Jürgen Lohrmann, hier mit seinen Enkelinnen.
Im Gebiet rund um Geigelstein und Kampenwand engagiert sich dafür unter anderem die DAV-Sektion Prien. Jürgen Lohrmann Vorstand und Schriftführer der Sektion, ist auf der Wanderung mit dem Bundespräsidenten dabei und erzählt: "Wir haben drei große Aktionen im Jahr im Wegebau in der von uns betreuten Region rund um den Geigelstein und im Kampenwandgebiet." Rund 15 Ehrenamtliche sind regelmäßig dabei, insgesamt kommen inklusive Organisation und Büroarbeit etwa 800 Stunden freiwillige Arbeit pro Jahr zusammen. "Besonders freut uns, dass sich auch viele junge Menschen an unseren Aktionen beteiligen. Wir hoffen, dass das so bleibt!"
Was die Ehrenamtlichen leisten, zeigen mehrere "Baustellen" entlang des Wanderwegs von Sachrang zur Priener Hütte, an denen auch Steinmeier und seine Frau selbst kurz zu Schaufel und Werkzeug greifen, mit anpacken und sich dabei die Herausforderungen der Wegearbeit erklären lassen.
Steinmeier: "Mir war das nicht immer bewusst"
Angekommen an der Priener Hütte erklärte Steinmeier, dass es kein Zufall sei, dass er heute mit Ehrenamtlern vom Deutschen Alpenverein und der Bergwacht zusammengetroffen ist: "Ich gehe selbst gerne in die Berge. Und ich gebe zu: Mir ist auch nicht bei jeder Bergwanderung bewusst gewesen, dass die Wege von Freiwilligen gepflegt werden. Und deshalb freue ich mich, dass ich heute mal ein bisschen meine private Leidenschaft, das Bergwandern, mit der Stärkung des Ehrenamtes in Verbindung bringen kann."
Steinmeier dankte den Freiwilligen und Ehrenamtlern der Bergwacht und vom Deutschen Alpenverein ausdrücklich: "Sie übernehmen unheimlich viel Arbeit neben ihrer beruflichen Tätigkeit. Das können wir gar nicht genügend wertschätzen. Ehrenamt, das ist so etwas wie das Rückgrat unserer Demokratie. Das wollen wir nicht nur bewahren, das wollen wir stärken."
Auch die Bergrettung funktioniert ehrenamtlich
Bei der von Steinmeier gelobten Bergwacht Bayern leisten rund 4.000 ehrenamtliche Einsatzkräfte in 107 Bereitschaften jährlich bis zu 9.000 Einsätze im alpinen Gelände und in den Mittelgebirgen Bayerns.
Derzeit steht die Bergwacht durch die TV-Dokuserie "In höchster Not" zusätzlich im öffentlichen Fokus. Für Dr. Dr. André Müllerschön, stellvertretender Landesleiter der Bergwacht Bayern, ist die Aufmerksamkeit zwar willkommen – im Mittelpunkt stehe aber etwas anderes.
"Unsere Motivation ist nicht, als bewunderte Helden in der Öffentlichkeit zu stehen", sagt Müllerschön. "Die Motivation unserer Ehrenamtlichen ist, einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten und Menschen in Bergnot zu helfen."
Auch auf Priener Hütte viel ehrenamtliches Engagement
Auch auf der Priener Hütte, einer der beliebtesten Hütten der Chiemgauer Alpen zeigte sich erst vor einigen Tagen, wie viel ehrenamtliche Arbeit hinter einem funktionierenden Hüttenbetrieb steckt: Ein Team der DAV-Sektion Prien transportierte insgesamt 104 neue Matratzen zur Hütte. Per Lkw ging es zunächst so weit wie möglich hinauf, anschließend wurden die Matratzen über Leitern und sogar durchs Fenster in die Schlafräume gebracht.
DAV-Präsident Roland Stierle betonte deshalb die Bedeutung des freiwilligen Engagements: "Ohne Ehrenamt gäbe es den DAV in seiner heutigen Form nicht. Tausende Menschen investieren ihre Zeit und ihr Wissen – für Wege, Hütten, Ausbildung, Naturschutz und Sicherheit am Berg."
Am Ende blieb nach diesem Tag im Chiemgau vor allem ein Eindruck hängen: Wer in den Bergen unterwegs ist, profitiert oft von ehrenamtlicher Arbeit, die kaum jemand sieht und ganz viel Respekt und Dankbarkeit verdient hat.






6 Kommentare
Kommentar schreibenEhrenamtlich, also uneigennützig tätig zu sein, zeugt von gutem Charakter, insbesondere dann, wenn man es nicht an die große Glocke hängt und wirklich der Sache mit Herz dient. Aber trotzdem stimme ich Benny im ersten Satz absolut zu, wobei seine Ableitung aus Gesagtem genauer überprüft gehört, da Ehrenamt oftmals in Diktaturen auch gewissermaßen unter die Rubrik "freiwillig gezwungen" fällt, da wenn man nicht mitmachte, gewisse Repressalien zu spüren bekam. Aber das Problem des "Ehrenamts" in allen seinen Facetten hier durchzudiskutieren geht nicht.
Was Hrn. Steinmeier anbelangt, der von Ehrenamt in Worten redet, die verwirrend klingen ("Mitmachen"), so ist dies, ohne vor Neid zu erblassen, bei einem jährlichen Salär von ca. 270 Tsd. Euro sehr einfach durchführbar, wobei eigentlich gerade seine Position ein "Ehrenamt" ist, aber er dies natürlich nicht unter den finanziellen Bedingungen des von ihm gemeinten Ehrenamts ausüben würde. Wohingegen andere, die auch im Dienste anderer stehen (Personal im Krankenhaus, Altersheim etc.), diese nach Möglichkeiten umsonst oder mit Bezügen, die Lichtjahre von denen des Hrn. Steinmeiers entfernt sind, ausüben sollen. Also Hr. Steinmeier, nicht nur vom Ehrenamt reden, sondern auch vorleben! Bruno
EINSPRUCH! Das Rückgrat der Demokratie ist das Grundgesetzes und Menschen, die das Wesen einer Demokratie sowie das Grundgesetz kennen, verstehen und verteidigen. Ehrenamt gab es in Deutschland unter allen (!) Staatsformen, mehr oder weniger freiwillig, mehr oder weniger staatsnah. Gerade der Alpenverein hat da auch seine Altlast zu tragen. Ein - zumal essentieller - Zusammenhang zwischen Ehrenamt und Demokratie lässt sich historisch deshalb gerade nicht feststellen!
Nachhaltig mit der Autokolonne in die Berge, symbolträchtig Alibiwerkzeuge für die Kamera mitschleppen, schmutz- und schweißfrei Mitarbeit simulieren, die in keinem Bezug zu keiner konkreten Baumaßnahme erkennen lässt, eine virtuelle Grußadresse wäre umweltschonender und glaubhafter gewesen...
Ich verstehe an der Stelle die negativen Kommentare einfach nicht. Es ist begrüßenswert, wenn das Ehrenamt in Deutschland gewürdigt wird und ich bin in diesem speziellen Fall sehr sicher, dass sich alle Ehrenamtliche des Alpenvereins und der Bergwacht über diese Aktion gefreut haben und sie für ihre wichtige Aufgabe motiviert werden! Muss man wirklich immer alles schlecht reden?
>> Motivation ist helfen, nicht die öffentliche Wahrnehmung << Treffender hätte man Ereignis und Bericht nun wirklich nicht zusammenfassen können.
"Wer sich beim Schaufeln nicht schmutzig macht, baut meist nur an seiner Karriere."
„Ein echter Weg entsteht aus Mühe. Ein politischer Weg aus Perspektive und gutem Licht.“
„Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Der Politiker mit der Brennweite.“