Leere Betten trotz Buchung: SAC will gegen No-Shows vorgehen
Der Schweizer Alpen-Club (SAC) will gegen die zunehmende Zahl sogenannter No-Shows in seinen Hütten vorgehen. Bei der Abgeordnetenversammlung Mitte Juni steht die Einführung einer flächendeckenden Reservierungsgebühr für die mehr als 150 SAC-Hütten zur Diskussion. Hintergrund sind zahlreiche Fälle, in denen Gäste Schlafplätze buchen, aber weder anreisen noch rechtzeitig absagen.
Für die Hüttenwirte bedeutet das oft erhebliche Probleme. Frei gehaltene Lagerplätze können kurzfristig nicht mehr vergeben werden, zudem werden Mahlzeiten und Vorräte für Gäste eingeplant, die letztlich ausbleiben. Nach Angaben des SAC werden rund 40 Prozent aller Hüttenreservierungen wieder storniert oder nicht wahrgenommen – deutlich mehr als im klassischen Hotelgewerbe.
Mehrfachbuchungen ein zentrales Problem
Ein weiteres Problem seien Mehrfachbuchungen. Manche Bergsportler reservierten mehrere Termine oder verschiedene Hütten gleichzeitig, um sich bei der Tourenplanung möglichst viele Optionen offenzuhalten. Erst kurz vor dem geplanten Termin falle die Entscheidung, welche Reservierung tatsächlich genutzt werde.
In Deutschland wird über dieses Thema bereits seit Jahren diskutiert. Der Deutsche Alpenverein (DAV) empfahl seinen Hütten bereits 2016 die Einführung einer einheitlichen Reservierungsgebühr von zehn Euro. Inzwischen erheben viele DAV-Hütten entsprechende Storno- oder Reservierungsgebühren. Mittlerweile wird vielerorts die gesamte Übernachtungsgebühr fällig.
Parallel zur geplanten Regelung wollen SAC, DAV und der Österreichische Alpenverein eine gemeinsame Informationskampagne starten. Ziel ist es, Bergsportler für die Folgen von Doppelbuchungen, kurzfristigen Absagen und No-Shows zu sensibilisieren und die Planungssicherheit für die Hüttenbetriebe zu verbessern.


2 Kommentare
Kommentar schreibenIch kann die Problematik absolut verstehen. Es geht schlussendlich nicht nur darum, dass man nicht (ohne sich abzumelden) auf der Hütte erscheint, sondern man versucht auch den diversen Mehrfach-Buchungen auf verschiedenen Hütten (gleichzeitig), welche gewisse Leute vornehmen, einen Riegel zu schieben. Diese Unsitte wird leider nicht zu Letzt durch Bergführer betrieben, die sich dann - je nach Wetter - für eine andere Toure entscheiden wollen.
Die Idee meines Vorredners (Bruno) nur noch kurzfristige Buchungen entgegen zu nehmen, kann ich nicht viel abgewinnen. Das löst das Problem nicht und schafft andere. Ich bin als Tourenleiter des SAC öfters mit Gruppen unterwegs, analog von Bergführern. Dann reserviere ich die Hütten nach Erscheinen des definitiven Programms und es wäre mühsam und unsicher, wenn man die erst ein paar Tage vorher buchen könnte. Das könnte die Durchführung eine ganze Tour gefährden.
Was mich persönlich stört ist die jetzige Hütten-Politik, wo man immer mehr "Luxus" einfliessen lassen muss. Kleine Zimmer, Duschen, 4-Gänge-Menus etc. muss echt nicht sein. Da wäre etwas "back to the roots" angesagt. Ich habe zwar auch nichts dagegen, wenn ich nicht in einem 30er Schlag übernachten muss. Aber etwas mehr Hütte und weniger Hotel wäre sicher nicht verkehrt.
Eine weitere Erhöhung der Preise (welche jetzt schon ziemlich hoch sind), mit welchen der Zentralverband des SAC momentan liebäugelt, um den angeschlagenen Hüttenfond zu saniere, ist ebenfalls nicht zielführend und willkommen.
Ja, es dürfte ein Ärgernis für die Hüttenbetriebe sein, woran diese natürlich auch teilweise nicht ganz unschuldig sind.
Wie ich jetzt sah, kann man bspw. in der Finsteraarhorn- oder Konkordiahütte bereits jetzt Reservierungen für den ganzen Sommer machen. Dadurch werden Plätze blockiert. Ich frage mich, da aufgrund von plötzlicher Erkrankung oder extrem schlechten Wetters eine solche Tour nicht angeraten erscheint, eine so extrem lange vorherige Reservierung überhaupt notwendig ist? Also technisch die Reservierungsmöglichkeit erst jeweils eine Woche vor der folgenden Woche freizuschalten. Dadurch entfallen auch Mehrfachreservierungen.
Man kann einwenden, daß das Planen, Bestellen und Einfliegen von Vorräten dadurch erschwert wird. Aber auch hierbei sollten sich die Berghütten an den ursprünglichen Sinn ihres Daseins erinnern; also nicht unbedingt eine Speisekarte wie ein Grandhotel in St. Moritz anbieten zu müssen. Natürlich ist es löblich, den Gästen gute Kost servieren zu wollen, aber solch entlegene Hütten sollten den Gästen auch klarmachen, daß nicht immer alles frisch aus dem Ofen sein kann. Ich meine, daß Bergsteiger, die eine lange Tour hinter sich haben, damit leben können und sich auch über Dosenbohnen etc. freuen.
Bruno
PS Ich selbst reserviere erst sehr kurz vorher, dadurch konnte ich den Hüttenwirten nicht solche Erschwernisse verursachen - aber auch mit einer Ausnahme - letztes Jahr erkrankte mein Tourenpartner. Allein aufs FAH? Nicht sehr ratsam. Ich mußte also am Abend vorher die Unterkunft in der oben erwähnten FAH-Hütte stornieren, die ich 2 Tage vorher reserviert hatte. Ich sagte beim Telefonat, daß ich selbstverständlich die Kosten erstatten würde, was die nette Frau aber nicht wollte. Aber generell kann man das Nichteintreffen mit etwas Ehrlichkeit kompensieren, ohne daß man Gebühren einführen muß, eine Berghütte mit Hotelbetrieben zu vergleichen geht einfach nicht.