Skibergsteigen wird auch 2030 olympisch
Skibergsteigen bleibt Teil der Olympischen Winterspiele: Das 146. Treffen des Internationalen Olympischen Komitees hat die Sportart offiziell als zusätzliche Disziplin für Olympia 2030 bestätigt. Damit folgt das IOC dem Vorschlag des Organisationskomitees aus den französischen Alpen und einer Empfehlung des IOC Executive Boards.
Für die Skibergsteigerinnen und Skibergsteiger ist die Entscheidung ein starkes Signal. Nach der olympischen Premiere bei Milano Cortina 2026 bekommt der Sport vier Jahre später erneut eine Bühne – diesmal in einer Region, in der Skibergsteigen nicht nur Wettkampfsport, sondern tief kulturell verwurzelt ist.
Fünf Wettbewerbe und mehr alpiner Charakter
Geplant ist für Alpes 2030 ein Programm mit fünf Wettbewerben und insgesamt 72 Athletinnen und Athleten. Neben den Sprint-Staffelformaten, die bereits bei Milano Cortina 2026 auf dem Programm standen, sollen in den französischen Alpen auch Einzelrennen der Frauen und Männer ausgetragen werden.
Gerade diese Individual-Rennen gelten als Aushängewettbewerbe im Skibergsteigen: Sie bilden den Kern der Sportart deutlich besser ab als die kurzen, stadionnahen Formate. Aufstieg, Abfahrt, Spitzkehren, Fellwechsel, Tragepassagen. All das macht Skibergsteigen aus und dürfte bei Alpes 2030 stärker sichtbar werden.
IOC verweist auf Wachstum des Sports
Das IOC begründet die Entscheidung unter anderem mit der starken Verankerung des Skibergsteigens in den Alpen, der wachsenden internationalen Beteiligung und der Attraktivität für ein junges Publikum. Seit der Aufnahme ins olympische Programm im Jahr 2021 sei die Zahl der teilnehmenden Nationalen Olympischen Komitees um mehr als 45 Prozent gestiegen, die Zahl der registrierten Club-Athletinnen und -Athleten beim Weltverband ISMF habe sich mehr als verdoppelt.
Auch das Organisationskomitee von Alpes 2030 betont den besonderen Bezug zur Gastgeberregion. Skibergsteigen sei in den Alpen nicht zu Gast, sondern zu Hause, Teil der Landschaft, der Geschichte und der Kultur des Skisports.
Details werden noch festgelegt
Ganz endgültig ist das Wettbewerbsprogramm allerdings noch nicht in allen Punkten. Die finale Entscheidung über Disziplinen, Events und Athletenquoten soll das IOC Executive Board in den kommenden Wochen treffen. Grundlage dafür ist unter anderem die Auswertung der Erfahrungen aus Milano Cortina 2026.
Für den Skibergsport ist die Richtung dennoch klar: Nach der Premiere in Italien bekommt Skimo 2030 die Chance, sich auf olympischer Bühne noch alpiner, vielseitiger und näher am eigentlichen Charakter der Sportart zu zeigen.
DAV: Gute Nachrichten in einer schweren Zeit
Für den Deutschen Alpenverein (DAV) ist die IOC-Entscheidung sportpolitisch enorm bedeutsam: Als national zuständiger Fachverband für Skibergsteigen in Deutschland bleibt der DAV mit seiner jungen olympischen Disziplin im internationalen Fokus.
"Das sind wirklich großartige Neuigkeiten und eine ausgezeichnete Entscheidung! Die erneute Aufnahme und die Erweiterung der Disziplinen werden dem Skibergsteigen und seinen Athlet:innen eine herausragende Plattform bieten, die Sichtbarkeit erhöhen und neue Wachstumschancen schaffen. Es ist ein weiterer wichtiger Schritt, um den Sport auf die nächste Stufe zu heben. Frankreich 2030, wir kommen!“ so Stefan Knirsch, Geschäftsführer der DAV Leistungssport gGmbH.
Auch der deutsche Skimo-Athlet und Olympia-Teilnehmer 2026, Finn Hösch, zeigt sich erfreut: "Die IOC-Nachricht ist super erfreulich und auch ein Stück weit erleichternd für den Sport, dass wir die Zusage bekommen und nicht weiter in der Schwebe bleiben – und dann gleich auch noch mit einer zusätzlichen Disziplin. Jetzt gilt es, den genauen Modus auszuarbeiten: Wie das Individual konkret aussehen wird und wie sich das mit den bisherigen 72 Athlet*innen ausgeht. Aber wir freuen uns riesig – es geht weiter."
"Ich hab mich brutal gefreut. Das gibt uns sehr viele Chancen – vor allem für die Förderung unserer Sportart und die Möglichkeit, unser Leben als Leistungssportlerinnen und -sportler weiter so zu gestalten, mit voller Konzentration auf den Sport und den olympischen Gedanken." lässt sich Skimo-Oympionikin Tatjana Paller zitieren. "Es ist super, dass jetzt auch das Individual dabei ist. Bisher lag der Fokus stark auf den kurzen Formaten. Viele kommen aber aus dem klassischen Skibergsteigen mit längeren Rennen – für die ist das ein wichtiges Signal."
Gleichzeitig kommt die Bestätigung für Olympia 2030 in einer schwierigen Phase. Nach den Vorwürfen und Turbulenzen im deutschen Skimo-Team steht der Verband vor einer doppelten Aufgabe: Er muss Strukturen für erfolgreichen olympischen Leistungssport weiterentwickeln – und zugleich Vertrauen bei Athletinnen und Athleten zurückgewinnen. Dass Skibergsteigen nun auch 2030 olympisch bleibt, erhöht den Handlungsdruck. Für den DAV ist das eine große Chance, das Skibergsteigen in Deutschland professioneller aufzustellen. Es ist aber auch eine Bewährungsprobe dafür, ob dieser Weg gemeinsam mit den Sportlerinnen und Sportlern gelingt.



1 Kommentar
Kommentar schreibenEigentlich bemühe ich mich immer, mir Kommentare zu "Events" zu verkneifen und diese frei nach Onkel Friedrichs Wort "Wo man nicht lieben kann, soll man vorübergehen" zu ignorieren, ebenso wie das derzeitige 5-wöchige Big-Event "WM des besten Werbefilms", mit 3-minütigen Unterbrechungen, in denen sich Millionäre einer kleinen Kugel hinterherrennend zeigen, vermutlich aber auch, um die neueste "Sportswear" an den Mann zu bringen. Sei es.
Was mich also zu meinem Fehltritt führte, hier einen Kommentar abzugeben, war der Satz "in einer Region, in der Skibergsteigen nicht nur Wettkampfsport, sondern tief kulturell verwurzelt ist". Der Autor dieses Nonsens meinte wohl "ethnographisch", also eine Handlungsweise zu tätigen, die in einem Gebiet zum Überleben wichtig war. Was Skibergsteigen mit Kultur zu tun hat, erschließt sich mir jedenfalls nicht. Und schon überhaupt nicht mehr in dem Zusammenhang irgendeines "Wettbewerbs". Sicherlich haben sich ein paar junge Almbauern im frühen 18. Jh. gegenseitig gemessen, wer auf den Brettern im hohen Schnee schneller war, aber davon "Kultur" abzuleiten, finde ich mehr als gewagt. Man stelle sich Rembrandt und Jan Vermeer an der Leinwand vor, einen Wettkampf im alpinen Malen auszutragen.
Zurück zu dieser "alpinen" Sache, die ja auch in "Insider-Kreisen" gern diskutiert wird. Als Herausforderung wird natürlich nicht das Einschätzen der Lawinengefahr, schnelle Hilfe beim Ausgraben Verschütterter etc. hinzukommen; eher anstelle von einem Treppchen mehrere Treppchen, die man hochsteigen muß. Aber ich kann mich auch täuschen und der DAV weiß sicherlich besser, von was seine Mitglieder am besten profitieren, ganz zu schweigen von seinen Funktionären. Also weiter so, nur bitte keine Gelaber mit "Kultur", ist peinlich. Bruno