Unwetter im Kaunertal: Rund 200 Menschen nach Murenabgängen eingeschlossen
Ein schweres Unwetter hat am Sonntagnachmittag (28. Juni 2026) das Tiroler Kaunertal getroffen. Nach einem heftigen Gewitter mit massivem Hagelschlag gingen im Bereich des Röstizkogels und der Watzespitze mehrere Muren ab. Rund 200 Menschen konnten das hintere Kaunertal daraufhin zunächst nicht mehr verlassen.
Nach Angaben der Polizei schwollen der Röstizbach und der Watzebach innerhalb kurzer Zeit stark an. Die Wassermassen und Gerölllawinen beschädigten die Kaunertaler Gletscherstraße an mehreren Stellen erheblich. Im Bereich "Am See" und "Am Versetz" wurde die Straße auf einer Länge von rund 50 Metern verschüttet beziehungsweise teilweise weggerissen. Gleichzeitig fiel die Stromversorgung im betroffenen Gebiet aus.
Die rund 200 eingeschlossenen Personen wurden in den Gastronomiebetrieben im hinteren Kaunertal untergebracht und versorgt. Erste Betroffene konnten noch am Sonntagabend mit dem Polizeihubschrauber Libelle ausgeflogen werden. Die übrigen Evakuierungen waren für den Montagmorgen vorgesehen. Nach derzeitigem Stand gibt es keine Hinweise auf vermisste oder verletzte Personen.
Im Einsatz standen Feuerwehren, Bergrettung, die Alpinpolizei, Mitarbeiter der Kaunertaler Gletscherbahnen, Vertreter der Gemeinde Kaunertal sowie die Besatzung des Polizeihubschraubers.
Die Kaunertaler Gletscherstraße: Eine der bekanntesten Hochalpenstraßen Tirols
Die Kaunertaler Gletscherstraße zählt zu den spektakulärsten Hochalpenstraßen Österreichs. Auf rund 26 Kilometern führt sie von Feichten im Kaunertal bis auf etwa 2750 Meter zum Gletschergebiet am Weißseeferner und überwindet dabei 29 Kehren. Die Straße erschließt zahlreiche Wander- und Hochtourenziele sowie das Gletscherskigebiet. Aufgrund der steilen Hänge und zahlreicher Wildbäche gilt sie bei Starkregen und Gewittern jedoch als besonders anfällig für Steinschläge, Muren und Hochwasser.
Warum Gewitter im Hochgebirge so gefährlich sind
Sommergewitter können sich in den Alpen innerhalb weniger Minuten entwickeln. Treffen Starkregen und Hagel auf steile Berghänge, können Bäche schlagartig anschwellen und Geröll, Schlamm sowie Baumstämme als Muren talwärts reißen. Straßen, Wanderwege und Brücken werden dabei oft innerhalb kürzester Zeit zerstört oder unpassierbar. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte die Wetterentwicklung deshalb kontinuierlich beobachten, Touren möglichst früh beginnen und bei angekündigten Gewittern exponierte Bereiche rechtzeitig verlassen. Schon wenige Minuten Starkregen können aus einem harmlosen Gebirgsbach einen gefährlichen Wildbach machen.


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