Kreislaufprobleme in der Wand: Bergrettung rettet Kletterer im Zahmen Kaiser
Eine anspruchsvolle Mehrseillängentour im Zahmen Kaiser hat für zwei erfahrene deutsche Alpinkletterer am Samstag (27. Juni 2026) mit einem Rettungseinsatz geendet. Extreme Hitze und die lange Aufenthaltsdauer in der sonnenexponierten Felswand führten dazu, dass ein 29-Jähriger die Tour nicht mehr aus eigener Kraft fortsetzen konnte.
Zuvor war der Kletterer gemeinsam mit seiner 33-jährigen Seilpartnerin gegen 10:40 Uhr in die "Bergrettungstour Kufstein" eingestiegen – eine rund 13 Seillängen lange Route mit einer Schwierigkeit von UIAA 6+/7-. Laut Führerliteratur beträgt die Kletterzeit rund fünfeinhalb Stunden. Ab der achten Seillänge lag die Route jedoch vollständig in der Sonne.
Nach Angaben der Polizei machten die außergewöhnlich hohen Temperaturen vor allem dem 29-Jährigen zunehmend zu schaffen. Nach mehreren kleineren Stürzen in der zehnten Seillänge war der Mann körperlich völlig erschöpft und litt unter erheblichen Kreislaufproblemen. Er sah sich schließlich nicht mehr in der Lage, seine Partnerin weiter zu sichern.
Nachdem die Seilschaft bereits mehr als achteinhalb Stunden in der Wand verbracht hatte, setzte die Frau gegen 18:14 Uhr den Notruf ab. Die Bergrettung Kufstein stieg daraufhin zum Ausstieg der Route auf. Von dort seilte sich ein Bergretter rund 50 bis 60 Meter zu den beiden ab. Anschließend wurde die Seilschaft über mehrere Abseilstellen rund 250 Höhenmeter bis zum Wandfuß abgelassen. Beide Kletterer blieben unverletzt.
Die Bergrettung weist darauf hin, dass hohe Temperaturen selbst erfahrene Kletterer an ihre Grenzen bringen können. Gerade in langen Mehrseillängenrouten verlängern Hitze, Flüssigkeitsmangel und direkte Sonneneinstrahlung die Kletterzeit erheblich und erhöhen das Risiko von Erschöpfung und Kreislaufproblemen.
Die "Bergrettungstour Kufstein": Anspruchsvolle Klettertour im Zahmen Kaiser
Die "Bergrettungstour Kufstein" zählt zu den anspruchsvollen Mehrseillängenrouten im Zahmen Kaiser. Die Route umfasst 13 Seillängen und bewegt sich im Schwierigkeitsbereich UIAA 6+/7-. Neben sicherem Klettern sind eine zügige Seiltechnik, alpine Erfahrung und eine realistische Selbsteinschätzung erforderlich. Besonders an heißen Sommertagen erwärmt sich die Felswand trotz Nordwestausrichtung rasch, weshalb ein früher Aufbruch und ausreichend Zeitreserven entscheidend sind.
Hitze am Berg wird häufig unterschätzt
Nicht nur im Tal, sondern auch in den Bergen kann Hitze schnell zum ernsthaften Risiko werden. In sonnenexponierten Felswänden steigen die Temperaturen deutlich an, während der Körper durch Klettern oder steile Anstiege große Mengen Flüssigkeit verliert. Bereits eine leichte Dehydrierung kann Konzentration, Kraft und Koordination spürbar beeinträchtigen. Erste Warnzeichen sind starker Durst, Schwindel, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme. Bergsportler sollten deshalb früh starten, ausreichend trinken, regelmäßig Pausen im Schatten einlegen und die Tour bei anhaltender Erschöpfung lieber rechtzeitig abbrechen, bevor die Situation kritisch wird.


1 Kommentar
Kommentar schreibenIch fange so was um 3 in der früh, damit die Hitze vermeidet wird