20 Regionen, 4250 Kilometer und mehr als 81.000 Höhenmeter

Extremtour: Hervé Barmasse besteigt in 30 Tagen die höchsten Berge aller italienischen Regionen

In nur einem Monat hat Hervé Barmasse die höchsten Gipfel aller 20 italienischen Regionen erreicht – ausschließlich aus eigener Kraft: mit dem Rad, zu Fuß und per Segelboot.

"Endurance Italia": Hervé Barmasse vollendet Extremtour durch Italien
© Luca Rolli

Von Sardinien bis Triest: 4250 Kilometer und 81.000 Höhenmeter

Der italienische Alpinist Hervé Barmasse hat sein Projekt "Endurance Italia" erfolgreich beendet. In nur einem Monat bestieg der 47-Jährige die höchsten Gipfel aller 20 Regionen Italiens. Er legte die Verbindungen dazwischen ausschließlich aus eigener Kraft zurück: mit dem Fahrrad, zu Fuß und die Übergänge zu den Inseln per Segelboot.

Am Ende standen rund 4250 Kilometer per Rad und zu Fuß in der Bilanz. Rechnet man die nautischen Meilen für die Überfahrten nach Sardinien und Sizilien hinzu, kommt Barmasse auf fast 5000 Kilometer. Dazu sammelte er mehr als 81.000 Höhenmeter – rechnerisch mehr als neunmal der Mount Everest vom Meeresspiegel aus.

Gestartet war Barmasse am 4. Juni in Cala Gonone auf Sardinien mit der Besteigung der Punta La Marmora. Danach führte ihn seine Route über Sizilien und den Ätna, durch den Apennin mit Gipfeln wie Gran Sasso d’Italia und Monte Vettore bis in die großen Berge der Alpen: Monte Rosa, Mont Blanc, Pizzo Bernina, Ortler, Marmolada – und schließlich zum Monte Coglians, den er am 3. Juli als letzten Gipfel erreichte, bevor er sein Projekt in Triest beendete.

Hitze, Gewitter und Berge ohne Menschen

Besonders schwierig wurde das Projekt durch die extreme Hitze im Juni. In Teilen Italiens kletterten die Temperaturen auf bis zu 42 Grad, gefühlt teils auf 45 Grad. "Auf dem Papier wusste ich vor dem Start, dass die Route brutal werden würde", sagte Barmasse nach der Tour. "Aber die Hitze hat alles noch viel härter gemacht als erwartet."

<p>Hervé Barmasse durchquert bei seinem  Projekt "Endurance Italia" ganz Italien "by fair means"</p>

Hervé Barmasse durchquert bei seinem  Projekt "Endurance Italia" ganz Italien "by fair means"

© Valentina Celeste

Auch in den Bergen waren die Bedingungen heikel. Die Durchfeuchtung der Schneedecke reichte teils bis über 4500 Meter hinauf. Dazu kamen instabile Gewitterlagen in den Alpen. Um rechtzeitig vor den Unwettern auf den Gipfeln zu sein, musste Barmasse oft zu ungewöhnlichen Zeiten unterwegs sein und das Tempo hochhalten.

Eine seltene Nebenwirkung dieser schwierigen Verhältnisse: Viele sonst stark begangene Gipfel erlebte Barmasse nahezu allein. Selbst Klassiker wie Mont Blanc, Punta Nordend, Pizzo Bernina oder Ortler waren während seiner Besteigungen ungewöhnlich ruhig.

"Endurance Italia": Weit mehr als ein sportliches Projekt

"Endurance Italia" war für Barmasse aber nicht nur eine Ausdauerleistung. Unterwegs begleiteten ihn immer wieder Bergsteiger, Läufer, Outdoor-Sportler und Menschen aus den Regionen. Manche gingen ein Stück mit, andere warteten an Straßenrändern, auf Pässen oder an Gipfeln.

"Menschen mit Bannern, Fahnen, selbstgemachten Süßigkeiten – manchmal sogar mit einem kalten Bier – haben die Erschöpfung in Freude verwandelt", sagte Barmasse. Genau diese Begegnungen hätten ihm geholfen, einen Monat lang ohne echten Ruhetag durchzuziehen.

<p>Hervé Barmasse durchquert bei seinem  Projekt "Endurance Italia" ganz Italien: Laufend, per Rad oder per Segelboot.</p>

Hervé Barmasse durchquert bei seinem Projekt "Endurance Italia" ganz Italien: Laufend, per Rad oder per Segelboot.

© Valentina Celeste

Barmasse wollte mit dem Projekt nach eigenen Angaben auch zeigen, wie vielfältig Italiens Bergwelt ist: von den rauen Gipfeln Sardiniens und Siziliens über die Wälder Mittelitaliens bis zu den Gletschern der Alpen. Abenteuer, so seine Botschaft, beginne nicht erst in den entlegensten Winkeln der Welt – sondern oft wenige Kilometer vor der eigenen Haustür.

Hervé Barmasse zählt zu den bekanntesten Alpinisten Italiens. Der Bergführer aus dem Aostatal hat unter anderem neue Routen am Matterhorn eröffnet, war in Patagonien, Pakistan, Nepal und im Himalaya unterwegs und ist auch als Autor und Filmemacher bekannt.

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