17 Gipfel, 67 Kilometer, 7200 Höhenmeter

Hervé Barmasse gelingt erste Solo-Winter-Integrale des Grand-Sasso-Massivs

Der aus Italien stammende Alpinist Hervé Barmasse ist vor allem für seine Achttausender-Erfolge bekannt. Nun gelang ihm mit der ersten Solo-Wintertraverse des Grand-Sasso-Massivs eine Spitzenleistung in den heimischen Bergen.

Hervé Barmasse gelingt erste Solo-Traverse des Grand-Sasso-Massivs
© Hervé Barmasse/Instagram

Hervé Barmasse gelingt erste Solo-Traverse des Grand-Sasso-Massivs

Der 47-Jährige überschritt das gesamte Grand-Sasso-Massiv im Apennin. Dabei bewältigte der Athlet schlappe 67 Kilometer, 7200 Höhenmeter und traversierte 17 Gipfel. Der höchste Gipfel des in Mittelitalien gelegenen Gebirgszugs ist der Corno Grande (2912 m), dieser ist der zweithöchste Berg Italiens außerhalb der Alpen.

Eigentlich hatte Barmasse das Projekt bereits für den zurückliegenden Winter geplant. Mangelnder Schnee hatte jedoch durchweg frühlingshafte Bedingungen zur Folge, die für den Puristen Barmasse die Bezeichnung "Winterbegehung" nicht zugelassen hätten. Deshalb verschob er das Projekt mit der Hoffnung auf mehr Schnee auf 2025. "Der Kalender spielt keine Rolle mehr", schreibt er auf Instagram. "Unsere Ethik und unsere Ideale tun es."

"Ich hatte einfach einen Traum"

Anfang März waren die Bedingungen endlich passend: Bei perfekter Wetterlage durchquerte Barmasse das Massiv am 6. und 7. März. Startpunkt war am Passo delle Capannelle, wo der Bergsteiger in den frühen Morgenstunden aufbrach. Wichtig waren ihm dabei vor allem zwei Dinge: ein sauberer Stil und das Klettern onsight. "Bis zum Vorabend hatte ich mich nicht über die Bedingungen auf der Route informiert und wusste fast nichts darüber", schreibt er in den sozialen Medien. "Ich hatte einfach eine Idee und einen Traum."

<p>Hervé Barmasse in einer der Steilrinnen.</p>

Hervé Barmasse in einer der Steilrinnen.

© Hervé Barmasse/Instagram

Barmasse musste bei der anspruchsvollen Traverse über Felsnadeln, ausgesetzte Grate und durch mehrere steile Schneerinnen klettern. Zudem lag mehr Schnee als von ihm erwartet, was ihn zwar verlangsamte, aber auch "das Abenteuer größer machte". Für Nervenkitzel gesorgt hatte auch die nächtliche Skiabfahrt vom höchsten Punkt des Corno Grande, so Barmasse im Gespräch mit PlanetMountain.

Die erste Nacht verbrachte Barmasse mit eigenen Vorräten im Winterraum des Rifugio Campo Imperatore, von wo aus er am zweiten Tag weiter nach Osten aufbrach und die verbliebenen Gipfel überschritt. "Der Winter und die Einsamkeit sind Teil meiner DNA", schrieb er nach seinem Erfolg.

Über Hervé Barmasse

Hervé Barmasse ist Matterhorn-Bergführer und einer der bekanntesten Alpinisten Italiens. Seine Erfolge bei Winter- und Solo-Klettereien in den Alpen und im Himalaja brachten ihm den Respekt der Szene ein. Barmasse hat zahlreiche neue Routen in Pakistan und im Himalaja eröffnet. Gemeinsam mit David Göttler unternahm er 2021 und 2022 alpine Winterversuche an der Rupalwand des Nanga Parbat und 2023 am Dhaulagiri.

In Patagonien eröffnete er 2008 gemeinsam mit Christian Brenna "Ruta de lo Hermano" am Cerro Piergiorgio. 2011 erschloss er neue Routen an Montblanc, Monte Rossa und am Matterhorn, letztere im Alleingang.

1 Kommentar

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Nano

Gratulation! Eine super Leistung!