Hitze in den Westalpen

Matterhorn: Zermatter Bergführer raten derzeit von Besteigungen ab

Die extreme Wärme sorgt am Matterhorn für ungewöhnlich hohe Steinschlaggefahr. Lokale Bergführer empfehlen derzeit, auf den berühmten Viertausender zu verzichten.

Matterhorn: Zermatter Bergführer raten derzeit von Besteigungen ab.
© picture alliance / imageBROKER / Sonja Jordan

Aktuell aufs Matterhorn? "Es ist zu gefährlich"

Wer derzeit eine Besteigung des Matterhorns geplant hat, sollte seine Tour überdenken. Das lokale Bergführerbüro ZERMATTERS, das die Verhältnisse am "Horu" laufend beurteilt, rät derzeit ausdrücklich von einer Besteigung des 4478 Meter hohen Gipfels ab. Grund ist die außergewöhnlich hohe Steinschlaggefahr infolge der anhaltenden Hitze.

"Die Sicherheit unserer Gäste und Bergführer hat jederzeit oberste Priorität", heißt es in einer Mitteilung von ZERMATTERS zu den Verhältnissen am Matterhorn. Gästen, die bereits gebucht haben, werden andere attraktive Hochtourenziele in der Region angeboten. Rund um Zermatt stehen zahlreiche Viertausender zur Auswahl, die derzeit günstigere Verhältnisse bieten.

Wie ernst die Lage ist, macht Anjan Truffer deutlich. Der Zermatter Bergführer und Rettungschef der Air Zermatt kennt das Matterhorn wie kaum ein anderer. "Wer den Berg nicht kennt, hat dort nichts verloren – es ist zu gefährlich", sagte Truffer gegenüber blick.ch.

Die Gefahr entstehe in diesem Sommer nicht in erster Linie durch tauenden Permafrost. Vielmehr fehle inzwischen die normalerweise vorhandene Schneedecke. Dadurch verlassen viele Seilschaften die übliche Aufstiegsspur und bewegen sich über lockeres Gestein. Dabei lösen sie Steine aus, die auf nachfolgende Bergsteiger stürzen können. In den vergangenen Tagen wurde bereits ein Bergführer durch Steinschlag an der Schulter verletzt und musste mit dem Helikopter ausgeflogen werden.

<p>Ausgangspunkt der Tour über den Hörnligrat: die Hörnlihütte.</p>

Ausgangspunkt der Tour über den Hörnligrat: die Hörnlihütte.

© IMAGO / GFC Collection

Olaf Perwitzschky: "Die Warnung kommt ungewöhnlich früh"

ALPIN-Testredakteur und Bergführer Olaf Perwitzschky kennt das Berg aus eigener Anschauung von einer Matterhorn-Besteigung über den Hörnligrat vor ein paar Jahren. Ihn überrascht weniger die Warnung an sich, sondern vielmehr deren Zeitpunkt: "Dass derzeit von einer Besteigung des Matterhorns abgeraten wird, kennen wir aus besonders warmen Sommern durchaus. Meist ist das aber eher im August der Fall. Diesmal kommt die Warnung ungewöhnlich früh in der Saison."

<p>Am Matterhorn: Olaf Perwitzschky.</p>

Am Matterhorn: Olaf Perwitzschky.

© Birgit Gelder

Auch die Ursache unterscheide sich von früheren Jahren: "Normalerweise führt unterhalb des Gipfels eine gut ausgetretene Spur durch ein Schneefeld. Nach dem schneearmen Winter und den außergewöhnlich hohen Temperaturen bis in große Höhen ist dieser Schnee bereits verschwunden. Dadurch bewegen sich die Seilschaften direkt über loses Gestein und lösen Steine, die für nachfolgende Bergsteiger zur Gefahr werden können."

<p>Die Route aufs Matterhorn.</p>

Die Route aufs Matterhorn.

© alpin.de

Anspruchsvolle Hochtour: die Matterhorn-Besteigung

Mit 4478 Metern zählt das Matterhorn zu den berühmtesten Bergen der Welt – und zugleich auch zu den anspruchsvollen Viertausendern der Alpen. Selbst der Normalweg über den Hörnligrat verlangt sicheres alpines Klettern bis zum IV. Schwierigkeitsgrad (UIAA), absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und umfangreiche Erfahrung im hochalpinen Gelände.

Besonders anspruchsvoll ist die Wegfindung gerade beim Start von der Hörnlihütte aus, der aufgrund des Zeitmanagements in der Dunkelheit stattfindet. Ein Großteil der Bergsteiger ist deshalb mit einem Bergführer unterwegs. Die italienische Normalroute über den Liongrat gilt sogar als noch anspruchsvoller und wird deutlich seltener begangen.

Zahlen und Fakten rund um den berühmtesten Berg der Alpen
Mythos Matterhorn
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Text von Holger Rupprecht

1 Kommentar

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Bergfex

Dann hoffen wir mal, dass die Bergführer die Tour auch konsequent nicht mehr führen, wenn sie schon davor waren. Vor Steinschlag und anderen Bergsteigern, die diesen auslösen, ist niemand gefeit.