Bergsteiger steigen, trotz Warnung, weiter aufs Matterhorn
Mehrere Bergsteiger waren am vergangenen Wochenende trotz der aktuell schwierigen Verhältnisse am Matterhorn (4478 m) unterwegs. Aufnahmen, die in der Nacht und am frühen Morgen entstanden, zeigen mehrere Seilschaften auf dem Weg in Richtung Gipfel.
Die Bilder wurden von einer Privatperson veröffentlicht und sorgten in sozialen Medien für Diskussionen. Nach Angaben der Fotografin waren mehrere Gruppen unterwegs. Ob es sich dabei ausschließlich um eigenständige Seilschaften oder auch um geführte Touren handelte, lässt sich anhand der Aufnahmen nicht feststellen. Ob die auf den Bildern zu sehenden Bergsteiger tatsächlich den Gipfel erreichten, ist ebenfalls nicht bekannt.
Felssturz verschärft die Situation
Die ohnehin schwierige Lage am Matterhorn wurde Anfang August durch einen Felssturz an der Südseite des Berges zusätzlich verschärft. Der Abbruch ereignete sich am 5. August auf etwa 3900 Metern Höhe. Dabei gingen größere Mengen Gestein ab und eine Staubwolke entstand. Nach den vorliegenden Informationen wurde niemand verletzt.https://www.alpin.de/home/news/64216/artikel_felssturz_am_matterhorn__bergfuehrer_raten_derzeit_von_aufstiegen_ab.html
Die italienische Normalroute über den Liongrat wurde durch den Felssturz nicht beschädigt. Die Società Guide del Cervino setzte dennoch die geführten Besteigungen vorübergehend aus und rät derzeit von einer Besteigung ab. Auch die Carrel-Hütte bleibt als unbewirtschaftetes Biwak zugänglich, ist derzeit aber nicht betreut.
Hitze erhöht die Steinschlaggefahr
Neben dem jüngsten Felssturz spielt die außergewöhnliche Wärme eine wichtige Rolle. Das Matterhorn ist in diesem Sommer stark ausgeapert. Schnee- und Eisflächen, die normalerweise Teile der Aufstiegsroute bedecken, sind weitgehend verschwunden. Dadurch verändern sich die Bedingungen am Berg. Vor allem der teilweise brüchige Fels und die steigende Steinschlaggefahr machen die aktuellen Verhältnisse anspruchsvoll.
Auch auf Schweizer Seite ist die Lage dynamisch
Auch die Zermatter Bergführer hatten bereits im Juli wegen der hohen Steinschlaggefahr von Matterhorn-Besteigungen abgeraten und ihre geführten Aufstiege vorübergehend eingestellt. Diese Warnung besteht nach aktuellem Stand weiterhin.
Eine behördliche Sperrung des Matterhorns oder des Hörnligrats liegt dagegen nicht vor. Warnung und Sperrung sind deshalb klar voneinander zu unterscheiden. Dass weiterhin private Seilschaften unterwegs sind, bedeutet nicht, dass die Bedingungen als sicher gelten.



2 Kommentare
Kommentar schreibenBergsport ist immer auch eine Risikosportart, das war immer so und wird sich in den nächsten Jahren vermutlich verschärfen. Grundsätzlich sind Warnungen immer auch wertvolle Hinweise auf ein nicht unerhebliches Restrisiko. Wer diese Warnungen in den Wind schlägt, sollte sich über die Konsequenzen bewusst sein und bei eintretender Notsituation auch akzeptieren, dass eventuell keiner zur Hilfe eilt. Es ist absolut nicht zu verlangen, dass andere ihre Gesundheit oder gar das Leben riskieren müssen nur damit man seinen eigenen Abenteuerhunger stillen kann. Wer das anerkennt, kann ja hochsteigen wo er will.
Das muss jeder selber wissen, welche Gefahr ist ihm zu viel.
Bitte keine Moralisierung, das hat im Bergsport keinen Platz!