Steinschlaggefahr am Viertausender

Trotz Warnung: Bergsteiger weiter am Matterhorn unterwegs

Am Matterhorn bleibt die Situation angespannt: Nach einem Felssturz an der Südseite und anhaltend schwierigen Bedingungen hatten Bergführer von Besteigungen abgeraten beziehungsweise geführte Touren vorübergehend ausgesetzt. Dennoch zeigen aktuelle Aufnahmen mehrere Seilschaften auf dem Weg zum Gipfel. Rettungseinsätze gab es in den vergangenen Tagen nach Angaben der Air Zermatt in der Region nicht.

Screenshot der Webcam-Aufnahmen "Trockenersteg" vom 09. August 2026 um 05:00 Uhr. Bergsteiger mit Stirnlampen unterwegs am Hörnligrat.
© Matterhorn Zermatt Bergbahnen

Bergsteiger steigen, trotz Warnung, weiter aufs Matterhorn

Mehrere Bergsteiger waren am vergangenen Wochenende trotz der aktuell schwierigen Verhältnisse am Matterhorn (4478 m) unterwegs. Aufnahmen, die in der Nacht und am frühen Morgen entstanden, zeigen mehrere Seilschaften auf dem Weg in Richtung Gipfel.

Die Bilder wurden von einer Privatperson veröffentlicht und sorgten in sozialen Medien für Diskussionen. Nach Angaben der Fotografin waren mehrere Gruppen unterwegs. Ob es sich dabei ausschließlich um eigenständige Seilschaften oder auch um geführte Touren handelte, lässt sich anhand der Aufnahmen nicht feststellen. Ob die auf den Bildern zu sehenden Bergsteiger tatsächlich den Gipfel erreichten, ist ebenfalls nicht bekannt.

<p>Aufnahme vom Hörnligrat um 05:25 am 08. August 2026</p>

Aufnahme vom Hörnligrat um 05:25 am 08. August 2026

© Elsbeth Sertons / Facebook

Felssturz verschärft die Situation

Die ohnehin schwierige Lage am Matterhorn wurde Anfang August durch einen Felssturz an der Südseite des Berges zusätzlich verschärft. Der Abbruch ereignete sich am 5. August auf etwa 3900 Metern Höhe. Dabei gingen größere Mengen Gestein ab und eine Staubwolke entstand. Nach den vorliegenden Informationen wurde niemand verletzt.https://www.alpin.de/home/news/64216/artikel_felssturz_am_matterhorn__bergfuehrer_raten_derzeit_von_aufstiegen_ab.html

Die italienische Normalroute über den Liongrat wurde durch den Felssturz nicht beschädigt. Die Società Guide del Cervino setzte dennoch die geführten Besteigungen vorübergehend aus und rät derzeit von einer Besteigung ab. Auch die Carrel-Hütte bleibt als unbewirtschaftetes Biwak zugänglich, ist derzeit aber nicht betreut.

Hitze erhöht die Steinschlaggefahr

Neben dem jüngsten Felssturz spielt die außergewöhnliche Wärme eine wichtige Rolle. Das Matterhorn ist in diesem Sommer stark ausgeapert. Schnee- und Eisflächen, die normalerweise Teile der Aufstiegsroute bedecken, sind weitgehend verschwunden. Dadurch verändern sich die Bedingungen am Berg. Vor allem der teilweise brüchige Fels und die steigende Steinschlaggefahr machen die aktuellen Verhältnisse anspruchsvoll.

Auch auf Schweizer Seite ist die Lage dynamisch

Auch die Zermatter Bergführer hatten bereits im Juli wegen der hohen Steinschlaggefahr von Matterhorn-Besteigungen abgeraten und ihre geführten Aufstiege vorübergehend eingestellt. Diese Warnung besteht nach aktuellem Stand weiterhin.

Eine behördliche Sperrung des Matterhorns oder des Hörnligrats liegt dagegen nicht vor. Warnung und Sperrung sind deshalb klar voneinander zu unterscheiden. Dass weiterhin private Seilschaften unterwegs sind, bedeutet nicht, dass die Bedingungen als sicher gelten.

Matterhorn: Die Erstbesteigung am 14. Juli 1865 in Bildern
Triumph und Tragödie
Matterhorn: Die Erstbesteigung am 14. Juli 1865 in Bildern

Am 14. Juli 1865 gelang es einer siebenköpfigen Seilschaft unter Führung des Briten Edward Whymper erstmals, den Gipfel des Matterhorns zu erreichen. Auf den Triumph folgte beim Abstieg die Tragödie.

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2 Kommentare

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OlliS.

Bergsport ist immer auch eine Risikosportart, das war immer so und wird sich in den nächsten Jahren vermutlich verschärfen. Grundsätzlich sind Warnungen immer auch wertvolle Hinweise auf ein nicht unerhebliches Restrisiko. Wer diese Warnungen in den Wind schlägt, sollte sich über die Konsequenzen bewusst sein und bei eintretender Notsituation auch akzeptieren, dass eventuell keiner zur Hilfe eilt. Es ist absolut nicht zu verlangen, dass andere ihre Gesundheit oder gar das Leben riskieren müssen nur damit man seinen eigenen Abenteuerhunger stillen kann. Wer das anerkennt, kann ja hochsteigen wo er will.

butrus

Das muss jeder selber wissen, welche Gefahr ist ihm zu viel.
Bitte keine Moralisierung, das hat im Bergsport keinen Platz!