Temperaturen erhöhen Steinschlaggefahr

Felssturz am Montblanc: Zwei Bergsteiger sterben im "Todes-Couloir"

Erneut hat der als "Todes-Couloir" bekannte Routenabschnitt am Montblanc Todesopfer gefordert. Zwei Alpinisten starben bei einem Felssturz, eine weitere Person wurde verletzt.

Blick von oben auf das berüchtigte Couloir.
© Wikimedia.org/Anthospace

Montblanc: Berüchtigtes Couloir fordert erneut Todesopfer

Am Montblanc sind ein tschechischer Bergführer und einer seiner Gäste bei einem Steinschlag im berüchtigten Grand Couloir ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich in der Nacht auf Mittwoch (15. Juli 2026) auf der Normalroute zum höchsten Gipfel der Alpen. Nach übereinstimmenden Medienberichten war die dreiköpfige Seilschaft mit dem 57-jährigen UIAGM-Bergführer P. Zofka von der Tête-Rousse-Hütte aufgebrochen.

Wie auf dieser Route üblich, erreichten sie das Couloir in den frühen Morgenstunden, wenn die Temperaturen noch niedrig sind und das Steinschlagrisiko als vergleichsweise gering gilt. Dennoch lösten sich Felsbrocken und trafen die Seilschaft. Der Bergführer sowie ein 49-jähriger Gast kamen dabei ums Leben. Ein weiterer Teilnehmer wurde verletzt und per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

<p>Der Routenabschnitt im Detail.</p>

Der Routenabschnitt im Detail.

© Wikimedia.org/Abjad

Nach Angaben der Bergrettungsorganisation La Chamoniarde gingen auch nach dem Unfall über längere Zeit Steinschläge nieder. Die Einsatzkräfte mussten daher unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Das rund 150 Meter breite Couloir gilt als einer der gefährlichsten Abschnitte der klassischen Montblanc-Route. Die Querung zwischen der Tête-Rousse- und der Goûter-Hütte ist unvermeidbar und wird wegen der häufigen Steinschläge auch als "Bowling Alley" oder "Todes-Couloir" bezeichnet.

Ein Drahtseil unterstützt die Querung, dennoch versuchen Bergsteiger den Bereich möglichst schnell und in den kühlen Nacht- oder Morgenstunden zu passieren. Studien des französischen Forschungsinstituts ISTerre zeigen, dass sich zwischen 1990 und 2017 allein in dieser Rinne 347 Rettungseinsätze ereigneten. Dabei kamen 102 Menschen ums Leben, weitere 230 wurden verletzt. Statistisch fordert der Abschnitt damit durchschnittlich rund vier Todesopfer pro Jahr.

Die derzeitigen Hitzewellen in den Alpen verschärfen die Situation zusätzlich. Schmelzwasser und auftauender Permafrost destabilisieren den Fels und erhöhen die Steinschlaggefahr deutlich. Während die Goûter-Hütte weiterhin geöffnet ist, raten Experten zu einer besonders sorgfältigen Tourenplanung. Auf der italienischen Seite des Montblanc haben Bergführer ihre geführten Besteigungen nach Medienberichten vorübergehend eingestellt. Selbiges gilt für den Normalweg aufs Matterhorn.

<p>Das Couloir vom oberen Teil der Route aus gesehen.</p>

Das Couloir vom oberen Teil der Route aus gesehen.

© Wikimedia.org/Anthospace

Das Grand Couloir – der gefährlichste Abschnitt am Montblanc

Das Grand oder Todes-Couloir liegt auf der französischen Normalroute zum Montblanc zwischen der Tête-Rousse-Hütte (3167 m) und der Goûter-Hütte (3835 m). Obwohl die Querung technisch vergleichsweise einfach ist, zählt sie zu den gefährlichsten Passagen der gesamten Alpen. Ursache sind die regelmäßig niedergehenden Steinschläge, die vor allem durch Frost-Tau-Wechsel, auftauenden Permafrost und sommerliche Hitze ausgelöst werden. Bergsteiger queren das Couloir deshalb möglichst vor Sonnenaufgang, wenn die Temperaturen am niedrigsten sind. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahme ereignen sich dort Jahr für Jahr zahlreiche Unfälle – das Couloir gilt seit Jahrzehnten als eine der größten objektiven Gefahren am höchsten Berg der Alpen.

Text von Lubika Brechtel