Handy und Powerbank leer: Großeinsatz für vermisste Wanderin
Eine Wanderin aus den USA hat am Donnerstag (16. Juli 2026) auf einer Tour durch die Granatspitzgruppe die Orientierung verloren und einen nächtlichen Sucheinsatz ausgelöst. Die Frau war vom Mooserboden in Kaprun über das Kapruner Törl zur Rudolfshütte im Gemeindegebiet von Uttendorf unterwegs.
Gegen Mitternacht entdeckten Bergretter der Ortsstelle Enzingerboden und Mitglieder der Bergrettungs-Hundestaffel die Vermisste im Bereich des Schafbichls auf rund 2300 Metern Höhe. Die Frau war erschöpft, aber unverletzt. Gemeinsam stiegen die Einsatzkräfte mit ihr zum Tauernmoossee ab. Von dort wurde sie mit einem Einsatzfahrzeug ins Tal gebracht.
Handy und Powerbank waren leer
Nach Angaben der Bergrettung war die Wanderin grundsätzlich gut auf die Tour vorbereitet. "Sie war gut ausgerüstet, sie hatte ein Licht mit und auch Regenbekleidung", berichtet Franz Waltl, Ortsstellenleiter der Bergrettung Enzingerboden. Die Frau hatte sich unterwegs von einer Bekannten getrennt. Anschließend ging zunächst der Akku ihres Mobiltelefons aus, später war auch die mitgeführte Powerbank leer. Ohne digitale Navigation verlor die Wanderin die Orientierung und ging offenbar längere Zeit im Kreis.
Ihre Begleiterin hatte die Rudolfshütte auf 2315 Metern bereits erreicht. Als die Amerikanerin am Abend dort nicht eintraf, verständigte sie die Einsatzkräfte. Um 21:50 Uhr wurde zunächst die Bergrettung Kaprun alarmiert. Nach einer Abklärung der Situation übernahm die Ortsstelle Enzingerboden die weitere Suche. Während des Einsatzes setzte Regen ein. Um 0:39 Uhr konnte die Suche beendet werden. Beteiligt waren vier Bergretter der Ortsstelle Kaprun, neun Mitglieder der Bergrettung Enzingerboden sowie drei Hundeführer-Teams.

Erst gegen Mitternacht fanden Bergretter und Hundeführer die erschöpfte, aber unverletzte Frau.
Der Austriaweg vom Mooserboden zur Rudolfshütte
Der von der Wanderin gewählte Weg vom Mooserboden zur Rudolfshütte ist kein gewöhnlicher Hüttenzustieg, sondern eine lange und anspruchsvolle Hochgebirgstour. Der als Austriaweg markierte Übergang führt vom Stausee Mooserboden zunächst am See entlang und anschließend in zahlreichen Kehren hinauf zum Kapruner Törl auf rund 2635 Metern. Auf der Ostseite steigt die Route in Richtung Tauernmoossee ab und führt schließlich über die Steinerne Stiege zur Rudolfshütte am Weißsee.
Für die etwa 12,5 Kilometer lange Tour werden rund sieben Stunden veranschlagt; dabei sind ungefähr 1000 Höhenmeter im Aufstieg und 750 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Der Weg gilt als schwer und verlangt Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, alpine Erfahrung sowie eine verlässliche Orientierung – besonders bei Nebel, Dunkelheit oder einem Wetterumschwung.
Rudolfshütte: Alpines Berghotel inmitten der Granatspitzgruppe
Die auf 2315 Metern gelegene Rudolfshütte ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen und Bergtouren in der Granatspitzgruppe. Zu den leichteren Unternehmungen zählen der Panoramaweg zum Schafbühel und die Gletscherlehrwege zum Sonnblickkees und zum Ödenwinkelkees. Anspruchsvoller sind die Tour auf den Medelzkopf sowie hochalpine Unternehmungen auf den Stubacher Sonnblick und die Granatspitze, bei denen je nach Verhältnissen Gletscher- und Kletterpassagen zu bewältigen sind.
Auch mehrere Weitwanderwege nutzen die Rudolfshütte als Etappenstützpunkt: Die Glocknerrunde führt vom Mooserboden über das Kapruner Törl zur Hütte und anschließend über den Kalser Tauern und den Silesia-Höhenweg weiter zur Sudetendeutschen Hütte. Zudem verläuft eine hochalpine Variante des österreichischen Zentralalpenwegs 02 über die Rudolfshütte.


0 Kommentare
Kommentar schreiben