"Wir haben kein Wasser mehr“
Die Brunnenkopfhütte auf 1602 Metern in den Ammergauer Alpen ist ein beliebtes Ziel für Wanderer. Von Schloss Linderhof erreicht man die Hütte in etwa eineinhalb bis zwei Stunden, auch Touren auf den Brunnenkopf und die Große Klammspitze starten hier. Wanderer nächtigen bei der Überschreitung der Ammergauer Alpen gerne hier in der urigen Hütte.
Doch ausgerechnet mitten in der Sommersaison wird auf der Hütte das Wasser knapp. Pächter Christian Deser, der die Brunnenkopfhütte seit 2020 bewirtschaftet, hat nach eigenen Angaben erstmals erlebt, dass die Wasserversorgung aufgrund der Trockenheit zusammengebrochen ist. Die Hütte versorgt sich normalerweise über eine eigene Quelle samt Aufbereitungsanlage und Speichertank. Doch die anhaltende Hitze und die geringen Niederschläge haben die Reserven aufgebraucht.
600 Liter Wasser kommen mit dem Geländewagen
Den Hüttenbetrieb will Deser dennoch aufrechterhalten. Statt Wasser mit dem Hubschrauber einfliegen zu lassen, sollen 600-Liter-Behälter mit einem Geländewagen zur Hütte transportiert werden. Gleichzeitig reduziert der Hüttenwirt den Wasserverbrauch.
Die Speisekarte wurde verkleinert: Suppen gibt es weniger, dafür mehr kalte Brotzeiten. Teilweise wird das Essen auf Papptellern serviert, damit möglichst wenig Wasser zum Spülen benötigt wird. Besucher werden auf der Hütte über die außergewöhnliche Situation informiert.
Brunnenkopfhütte erst im Juni mit Umweltgütesiegel ausgezeichnet
Besonders bemerkenswert: Erst am 13. Juni 2026 erhielt die Brunnenkopfhütte das Umweltgütesiegel des Deutschen Alpenvereins. Die Hütte erzeugt ihren Strom mit Photovoltaik, verfügt über eine vollbiologische Kläranlage und bereitet normalerweise das Wasser einer nahe gelegenen Quelle auf.
Der aktuelle Wassermangel zeigt damit auch, wie abhängig selbst vergleichsweise autark betriebene Berghütten von Niederschlag und natürlichen Wasservorkommen bleiben.
Wassermangel betrifft derzeit viele Alpenvereinshütten
Die Brunnenkopfhütte ist in diesem Sommer kein Einzelfall. Nach Angaben des Deutschen Alpenvereins mussten mehrere Hütten ihren Betrieb wegen Wassermangels bereits einschränken.
Die Tölzer Hütte im Karwendel schloss Ende Juli sogar für einen Tag. Auf der Blaueishütte im Nationalpark Berchtesgaden wurde Anfang August Trinkwasser per Hubschrauber eingeflogen und die Waschräume wurden geschlossen. Am Watzmannhaus waren die Waschräume zeitweise nur noch morgens und abends geöffnet. Auch am Brandenburger Haus in den Ötztaler Alpen wurde das Wasser knapp.
Der DAV sieht darin ein Problem, das viele Hütten zunehmend beschäftigt. Geringe Niederschläge und längere Hitzeperioden erschweren die Wasserversorgung, gleichzeitig gehen Schneefelder und Gletscher als natürliche Wasserspeicher zurück. Viele Schutzhütten sind nicht an öffentliche Wassernetze angeschlossen und auf Quellen, Niederschlag oder Schmelzwasser angewiesen.
Regen könnte zumindest kurzfristig Entlastung bringen
Zum Zeitpunkt der ersten Meldung am 14. August rechnete Hüttenwirt Deser noch mit einer längeren Trockenperiode. Inzwischen hat sich die Wetterlage verändert: Für Ettal und die Ammergauer Alpen sind in den kommenden Tagen wieder Schauer und Gewitter angekündigt. Ob die Niederschläge ausreichen, damit sich Quelle und Wasserspeicher der Brunnenkopfhütte nachhaltig erholen, bleibt allerdings abzuwarten.
Wer derzeit eine Tour zur Brunnenkopfhütte plant, sollte sich deshalb vor dem Aufstieg über die aktuelle Situation und das gastronomische Angebot informieren.


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