Keine Besteigungsgenehmigungen für Ausländer
Auf abenteuer-berg.de informiert der Journalist Stefan Nestler regelmäßig differenziert und kritisch über das Geschehen an den Achttausendern. In diesem Gastbeitrag ordnet der Bergjournalist die aktuelle Situation in Tibet ein und erklärt, warum ausländische Bergsteiger auch in diesem Herbst wohl keine Permits für die Achttausender erhalten.
Die chinesisch-tibetischen Behörden werden voraussichtlich auch in dieser Herbstsaison keine Besteigungsgenehmigungen für ausländische Bergsteigerinnen und Bergsteiger erteilen. Wie ich aus verschiedenen zuverlässigen Quellen mit sehr guten Kontakten nach Tibet erfahren habe, werden die Achttausender Shishapangma, Cho Oyu sowie die Nordseite des Mount Everest vorerst gesperrt bleiben.
Ein Expeditionsanbieter aus Nepal schrieb mir allerdings, man habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben und suche weiter nach einer Lösung. Die Chancen, doch noch ein Permit für diesen Herbst zu erlangen, dürfte nach meiner Einschätzung jedoch minimal sein.
Offiziell halten sich die chinesisch-tibetischen Behörden bei den Gründen für solche Entscheidungen stets bedeckt, „um nicht das Gesicht zu verlieren“, wie mir eine Quelle schreibt. Dementsprechend kann nur darüber spekuliert werden, warum die Berge Tibets für Ausländerinnen und Ausländer gesperrt bleiben.
Verstimmung über Feuerwerk oder Korruptionsvorwürfe?
Das nepalesische Portal The Tourism Times berichtet unter Berufung auf eine Quelle in Tibet, die dortigen Behörden seien immer noch über ein nicht genehmigtes Feuerwerk des kanadischen Outdoor-Ausrüsters Arc’teryx im September 2025 in über 5000 Meter Höhe an einem Hügel nahe der Stadt Shigatse verstimmt. Dabei handelte es sich um eine Marketingaktion des Konzerns mit dem bekannten chinesischen Pyro-Künstler Cai Guo-Qiang, der auch für das Feuerwerk zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking verantwortlich gewesen war. Arc’teryx hatte sich hinterher für das Feuerwerk in Tibet entschuldigt. Nach einer offiziellen chinesischen Untersuchung waren vier Offizielle aus Shigatse entlassen worden.
Eine meiner Quellen bezweifelt, dass die andauernde Sperrung der Achttausender immer noch mit dem Zwischenfall zu tun habe. Das sei nur ein Vorwand, in Wahrheit gehe es um "viel Geld". Im vergangenen Winter seien zwei hochrangige Offizielle, die in den vergangenen Jahren maßgeblich für die Permitvergabe verantwortlich gewesen seien, unter Korruptionsverdacht vorübergehend festgenommen worden. Deshalb sei das ganze Verfahren für Permits an ausländische Expeditionen derzeit in der Schwebe, so die Quelle: "Auch für kommendes Frühjahr sehe ich schwarz."
Eine halbwegs normale Tibet-Saison für ausländische Bergsteigerinnen und Bergsteiger hatte es zuletzt im Herbst 2024 gegeben. Seitdem erhielten nur noch Chinesinnen und Chinesen Permits für die dortigen Berge. Die Shishapangma (8027 Meter) liegt als einziger der 14 Achttausender komplett in Tibet. Der Cho Oyu (8188 Meter) und der Mount Everest (8849 Meter) haben auch eine nepalesische Bergflanke. Im Fall des Cho Oyu ist diese allerdings technisch deutlich schwieriger als jene in Tibet, sodass sie für kommerzielle Expeditionen kaum in Frage kommt.


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