Sticker trotz aufwendiger Restaurierung
Wieder gab es klebrige Sticker auf dem gerade erst aufwendig restaurierten und frisch mit Blattgold überzogenen Zugspitzkreuz – trotz Verbots. Doch nur einen Tag nach einem Instagram-Aufruf der Bayerischen Zugspitzbahn haben sich die "Klebe-Sünder" telefonisch gemeldet, wie Laura Schaper, Sprecherin der Zugspitzbahn berichtet. "Die Verantwortlichen haben sich bei uns gemeldet, was uns sehr freut." Nun gehe es um eine gemeinsame Aktion zur Entfernung von Aufklebern. Dafür werde die Bahn keine Anzeige erstatten.

Andrea Würzinger entfernte erst im November Aufkleber vom Zugspitz-Gipfelkreuz.
Oida, euer Ernst?!
"Das Bekleben des Gipfelkreuzes ist kein harmloser Spaß, sondern Sachbeschädigung und eine Straftat", hieß es in dem Post der Zugspitzbahn, überschrieben mit: "Oida, euer Ernst?!" Dazu hatte die Bahn auf Instagram die Klebe-Täter aufgerufen, sich bis 31. August zu melden – und dazu das Beweisfoto veröffentlicht. Ein Bahn-Mitarbeiter hatte zwei Männer von hinten fotografiert: Einer scheint zu kleben, der andere hat ein Handy in der Hand.
Das Problem höre beim Kreuz nicht auf, erläuterte die Zugspitzbahn. Auf Warnschildern an den Aufstiegsrouten zur Zugspitze sei etwa die Telefonnummer für wichtige Infos zu Schneefeldsprengungen zugeklebt worden. "Und das nur wenige Monate, nachdem das Schild erneut mühsam freigekratzt wurde", heißt es: "Ey, hier geht's um eure eigene Sicherheit!"
Zweitkreuz für die Sticker
Wer unbedingt kleben müsse, solle das auf dem Indoor-Gipfelkreuz tun. Die kleinere Abbildung des echten Kreuzes hat die Zugspitzbahn extra an der Bergstation aufgestellt, fürs gefahrlose Gipfelfoto und für die Klebe-Freunde. "Bisher hat die Beklebung des Indoor-Gipfelkreuzes gut funktioniert, und das Original blieb verschont", sagte Schaper. Allerdings seien nun wieder Sticker am Original aufgetaucht. "Nun wollten wir einmal deutlich machen, dass es Konsequenzen hat, wenn weiterhin am Original-Gipfelkreuz geklebt wird."
900 Stück Blattgold
Erst zum Start der vergangenen Skisaison war das Gipfelkreuz von einer dreilagigen Aufkleber-Schicht befreit worden. Das 4,88 Meter große und 300 Kilogramm schwere Kreuz war dazu mit dem Helikopter ins Tal geflogen und in die Werkstatt der Kunstschmiedin Andrea Würzinger nach Eschenlohe gebracht worden.
Zwei Wochen war die Kunstschmiedin beschäftigt, die Aufkleber zu beseitigen und das Kreuz neu zu vergolden. Rund 900 Stück Blattgold von acht mal acht Zentimetern Größe waren nötig, um dem berühmten Kreuz seinen Glanz zurückzugeben. Allein die Restaurierung kostet nach Angaben der Zugspitzbahn einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag, nicht eingerechnet der komplizierte Transport.

8 Kommentare
Kommentar schreibenDiese Nett hier Sticker nerven zwar irgendwie, dennoch finde ich das ein sehr gutes Stück Guerilla Marketing. Die kann man sich wie ich gehört habe einfach nach Hause bestellen lassen und dann losziehen und eigenständig die Natur noch weiter verschmutzen.
@Andreas, ein Gipfelkreuz hilft manches Mal sehr bei der Orientierung. Jedoch gebe ich recht, die Natur muss nicht in diesem extremen Maße verschandelt werden, und wenn doch sind daran angebrachte Sticker und Aufkleber doch wirklich kein Problem.
@Heinz:
Ich bin in dem speziellen Fall grundsätzlich einverstanden wenn man ein Klebeverbot erlässt und nicht möchte dass das Kreuz verklebt wird.
Ansonsten sehe ich Gipfelkreuze aber extrem kritisch: Es sind unnötige Duftmarken unserer Zivilisation in einer ansonsten mehr oder weniger unberührten Natur. Es sind Verbauungen die genau das signalisieren was du kritisierst: "Schaut her, wir waren hier" bzw. "wir sind hier". Es sind Verbauungen die man oftmals schon aus kilometerweiter Entfernung sieht (und damit viel schlimmer als ein paar winzige Sticker). Es wird mit den Gipfelkreuzmonstern damit auf Kosten anderer sichtbar gemacht dass dieser Gipfel zum "Hinterhof" der Menschheit gehört. Und Selbstdarstellung spielt da auch mit rein: "Gestiftet von XY". Oftmals sind diese Monster mit ellenlangen Drahtseilen über den ganzen Gipfelkörper hinweg abgespannt so dass man egal wohin man schaut Drahtseile im Blickfeld hat und sich vorkommt wie unter einer Hochspannungsleitung. Lasst die Natur doch wenigstens noch auf den erhabenen Alpengipfeln einfach mal Natur sein! Ein Gipfelsteinmann mit Gipfeldose fürs Gipfelbüchlein ist doch völlig ausreichend. Oder ein kleines 1-Meter hohes Kreuzlein das man eben nicht aus weiter Entfernung schon sehen muss. Ich jedenfalls geniesse die wenigen Gipfel welche noch unverbaut sind immer ganz besonders. Das gibt immer gleich ein viel alpineres und naturnäheres Feeling.
Seid mal nicht solche Spießbürger, das zeigt auch sehr viel ;) Überall dort, wo die Massen leicht hinkommen wird es solche Zustände geben. Das sind hausgemachte Probleme, wer Umsatzgier hat und die wunderschöne Natur mit Bauwerken aller Art verschandelt, muss mit so was leben. Und zum Glück wird so was nur an nicht natürlich errichteten Stellen angeklebt, von daher viel Lärm um nichts mal wieder.
Wer das frisch restaurierte, vergoldete Gipfelkreuz wieder mit einem Sticker beklebt, zeigt damit gerade keinen besonderen Respekt vor dem Berg oder der alpinen Tradition. Ich würde das tatsächlich deutlich kritisch sehen. Man muss dabei aber zwischen „Tourist“ und „Alpinist“ unterscheiden: Auch ein echter Bergsteiger kann sich danebenbenehmen. Umgekehrt ist nicht jeder Tourist automatisch respektlos. ür mich gehört zum Alpinismus nicht nur, einen Gipfel zu erreichen. Dazu gehören auch: Respekt vor dem Berg und seiner Geschichte, Respekt vor Gipfelkreuzen und anderen alpinen Einrichtungen, möglichst geringe Spuren zu hinterlassen, Rücksicht auf andere Bergsteiger,
Verständnis dafür, dass ein Gipfel kein persönlicher Trophäen-schrank ist und vor allem: „Ich war hier“ nicht auf Kosten anderer sichtbar machen zu müssen. Ein Sticker ist letztlich genau das Gegenteil: Ich war hier – und deshalb muss jetzt jeder sehen, dass ich hier war. Wer nach einer gerade erst erfolgten Restaurierung bewusst einen Sticker auf das Originalkreuz klebt, verhält sich eher wie ein Gipfel-Tourist mit Selbstdarstellungsdrang als wie jemand, der die Werte des klassischen Alpinismus verstanden hat. Das gilt unabhängig davon, ob er technisch in der Lage ist, einen schwierigen Berg zu besteigen.
Ob man Sticker gut oder schlecht findet ist jedem selbst überlassen, an Gipfelkreuzen störts mich nicht, auf Wanderwegeschildern schon. Statt sich um solch eher belanglosen Dinge zu kümmern sollten sie mal n vernünftigen Weg zum und vom Kreuz bauen, zb eine Einbahnregelung. Was sich da für Dramen auf den letzten Metern zum Gipfelkreuz abspielen ist unbeschreiblich.
Die Menschen haben den Knall nicht gehört. Da wird ein ungeheurer Aufwand betrieben um ein kulturell längst überholtes Symbol zu restaurieren. Es könnte satire sein, aber nein, tatsächlich wurde auch noch Blattgold für die Veredelung eingesetzt. Derweil sterben die Gletscher und Europa verbrennt. Vielleicht ist die Höhenluft zu dünn und der Sauerstoff reicht nicht aus um das Gehirn ausreichend zu versorgen, sodass es zu solchen Entscheidungen kommt. So unterstützen die Verantwortlichen den Klimawandel, aber schön schaut es aus.
Natürlich ist das Vandalismus, aber ich muss auch den Realitätssinn der Leitung der Zugspitzbahnen hinterfragen: wer braucht da oben ernsthaft ein Gipfelkreuz mit Blattgold?! Und wer ist so lebensfremd, zu glauben, dass ab jetzt nicht mehr geklebt wird?!
Was mich viel mehr wurmt ist, dass auf der österreichischen Seite oft Rot-Weiss-Rot fliegt und bei uns ist was: gähnende Leere. Anstatt fünfstellige Beträge für Blattgold-verzierte Gipfelkreuze auszugeben, sollten die Zuspitzbahnen jeden Tag Schwarz-Rot-Gold, Blau-Weiss und gerne auch noch die EU-Flagge fliegen lassen. Das kostet fast nix, macht aber ordentlich was her.