Vom Profisport zur Mutterschaft – und zurück an den Fels

Mayan Smith-Gobat meldet sich mit Liebeserklärung ans Klettern zurück

Sie kletterte 8c, stellte Rekorde am El Capitan auf und gehörte zur Weltspitze. Dann zog sich Mayan Smith-Gobat zurück. Jetzt erklärt die Neuseeländerin, warum sie Abstand vom Klettern brauchte – und weshalb sie heute wieder zum Fels zurückkehrt.

Mayan Smith-Gobat meldet sich mit Liebeserklärung ans Klettern zurück
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Mayan Smith-Gobat meldet sich mit Liebeserklärung ans Klettern zurück

Lange war es ruhig um Mayan Smith-Gobat. Nun hat sich die neuseeländische Kletterin mit sehr persönlichen Worten zurückgemeldet – und erklärt dabei nicht nur ihre lange Abwesenheit, sondern auch ihre neu entdeckte Beziehung zu jenem Sport, der über viele Jahre nahezu ihr gesamtes Leben bestimmt hatte. Smith-Gobat gehörte vor allem in den 2000er- und 2010er-Jahren zu den profiliertesten Allround-Kletterinnen ihrer Generation.

Sie bewegte sich gleichermaßen im schweren Sportklettern, Trad- und Bigwall-Klettern. 2009 gelang ihr mit "L'Arcadémicien" in Céüse eine Route im Grad 8c, 2011 kletterte sie als zweite Frau nach Steph Davis die Salathé Wall am El Capitan frei. Später stellte sie gemeinsam mit Libby Sauter einen Frauen-Speedrekord in "The Nose" auf: 2014 benötigten die beiden 4:43 Stunden.

Wenn das Klettern zur ganzen Identität wird

Doch irgendwann sei aus der Leidenschaft etwas anderes geworden, schreibt Smith-Gobat nun. Nachdem sie ihr gesamtes Leben rund ums Klettern aufgebaut hatte, habe sie erkannt, wie stark auch ihr Selbstwert daran hing und daran, wie andere sie wahrnahmen. "I stopped climbing because I was only climbing because I was a climber, rather than because I loved it", schreibt sie. Sinngemäß: Sie hörte auf zu klettern, weil sie nur noch kletterte und nicht mehr, weil sie das Klettern liebte.

Diese Erkenntnis habe sie dazu gebracht, sich vollständig aus der Szene zurückzuziehen. Ein Schritt, der ihr zunächst Angst gemacht habe. Denn ohne das Klettern als zentralen Bestandteil ihrer Identität sei sie gezwungen gewesen, sich intensiver mit sich selbst auseinanderzusetzen. Bemerkenswert ist diese Rückschau auch deshalb, weil Smith-Gobat früher kaum deutlicher hätte formulieren können, welchen Stellenwert der Sport für sie hatte. In einem Interview von 2012 bezeichnete sie das Klettern als den wichtigsten Bestandteil ihres Lebens.

<p>Mayan Smith-Gobat ist zurück am Fels.</p>

Mayan Smith-Gobat ist zurück am Fels.

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Reisen, Yoga – und ein Leben als Mutter

In den Jahren danach schlug Smith-Gobat bewusst andere Wege ein. Sie reiste ohne festes Ziel, beschäftigte sich intensiv mit Yoga und lernte nach eigenen Angaben, im Wald zu leben. Gleichzeitig habe sie begonnen, sich anderen Menschen stärker zu öffnen und tiefere Beziehungen zuzulassen. Und ihr Leben veränderte sich noch einmal grundlegend: Mayan Smith-Gobat wurde Mutter.

Die Zeit abseits des Kletterns sei von grundlegenden Fragen begleitet gewesen: Wer bin ich außerhalb des Kletterns? Warum hatte ich immer wieder das Bedürfnis, mich beweisen zu müssen? Und was macht mich tatsächlich glücklich? Antworten auf all diese Fragen scheint Smith-Gobat auch heute nicht als abgeschlossen zu betrachten. Vielmehr beschreibt sie die vergangenen Jahre als einen fortlaufenden Prozess, in dem sie sich immer wieder neu mit sich selbst auseinandersetzt.

Ines Papert: "Vermisse dich hier in Europa"

Ausgerechnet dieser Abstand hat sie nun wieder zurück zum Fels geführt. Sie entdecke gerade ihre "pure Liebe zum Klettern" und zum Gefühl, sich über Fels zu bewegen. Ihre Rückkehr in die Öffentlichkeit soll dabei offenbar keine Neuauflage ihrer früheren Profikarriere sein. Vielmehr wolle sie Einblicke darin geben, was sie in den vergangenen Jahren über sich selbst gelernt habe und über die Erfahrungen, die sie heute als Mutter mache.

Die Rückkehr der Neuseeländerin blieb auch ehemaligen Weggefährtinnen nicht verborgen. Ines Papert kommentierte Smith-Gobats Beitrag mit persönlichen Worten: Sie vermisse sie in Europa und hoffe, bald auch deren Kind kennenlernen zu können. Ob aus der wiedergefundenen Freude am Klettern auch sportlich neue Projekte entstehen werden, lässt Smith-Gobat offen. Im Mittelpunkt ihrer Botschaft steht vorerst etwas anderes: Nach Jahren, in denen das Klettern für sie Beruf, Identität und Maßstab für den eigenen Wert zugleich geworden war, scheint sie wieder bei jenem Grund angekommen zu sein, der einst alles ins Rollen brachte – der Freude daran, sich am Fels zu bewegen.

Wer ist Mayan Smith-Gobat?

Die 1979 geborene Neuseeländerin begann als Jugendliche mit dem Alpin- und Felsklettern, wandte sich zwischenzeitlich dem Extremskifahren zu und konzentrierte sich nach einem schweren Skiunfall Anfang der 2000er-Jahre wieder auf das Klettern. Zu ihren wichtigsten Leistungen zählen "L'Arcadémicien" (8c) in Céüse, die freie Begehung der Salathé Wall am El Capitan sowie zahlreiche weitere schwere Sport-, Trad- und Bigwall-Routen. Gemeinsam mit Libby Sauter stellte sie 2014 mit 4:43 Stunden einen damaligen Frauen-Speedrekord in "The Nose" auf.

Text von Lubika Brechtel

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