Einfach-, Halb- oder Zwillingsseile im Gebrauch

Kleine Seilkunde: Welches Seil wird wofür verwendet?

Die Lebensversicherung für Alpinisten und Kletterer ist das Seil. Seile haben in den letzten 50 Jahren eine immense Entwicklung genommen. Früher gab es den guten alten Hanfstrick. Der war dick, schwer, nicht dynamisch und hat zu allem Übel auch nicht viel gehalten. Moderne Seile sind dagegen Hightech Produkte.

Kleine Seilkunde: Wann sollten Einfach-, Halb- oder Zwillingsseile zum Einsatz kommen?
© Imago / Westend61

Dynamische oder statische Seile beim Klettern?

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen dynamischen und statischen Seilen. Für den normalen Gebrauch am Berg kommen nur dynamische Seile in Frage. Statikseile werden beim Canyoning oder in der Speläologie eingesetzt.

Dynamische Seile sind zu einem hohen Maße elastisch. Für die Norm unterscheidet man zwischen statischer und dynamischer Dehnung. Für die Messung der statischen Dehnung wird ein Gewicht angehängt, die dynamische Dehnung wird im Sturzfall gemessen.

Welche Seiltypen gibt es? Und wofür verwende ich sie?

Grundsätzlich werden darüber hinaus die Bergseile in drei Gruppen eingeteilt:

  • Einfachseile

  • Halbseile

  • Zwillingsseile

Zwillingsseile: Das müsst ihr wissen!

Wie der Name schon sagt werden Einfachseile im Einzelstrang benutzt. Sie machen den ganz großen Teil der Seile aus. Bei Halb-und Zwillingsseilen kommen immer zwei Stränge zum Einsatz.

Sie unterscheiden sich dadurch, dass bei Halbseilen an jedem Seilstrang ein Nachsteiger klettern kann und dass man mit einem Halbseil die englische Seiltechnik anwenden kann, die allerdings im deutschsprachigen Raum lange wenig verbreitet war, sich aber langsam etwas mehr durchsetzt.

<p>Zwillingsseil- und Halbseiltechnik im Vergleich.</p>

Zwillingsseil- und Halbseiltechnik im Vergleich.

© ALPIN

Zwillingsseile werden immer im Doppelstrang benützt und zwar so, als wenn es ein Seil wäre. Aber auch innerhalb dieser drei Seilgruppen unterscheiden sich die Produkte mitunter noch recht stark voneinander, insbesondere die Einfachseile.

Das dünnste Einfachseil ist aktuell 8,5 Millimeter dick, der Durchmesser geht hinauf bis auf über elf Millimeter. Es gibt Seile speziell für den Toprope-Einsatz, Hallenseile, Gletscherseile, Sportkletterseile und und und …

Einfachseile: Das müsst ihr wissen!

Der meistbenutzte Durchmesser von Einfachseilen liegt etwa zwischen 9,0 und 10,0 Millimetern. Bei diesen Seilen stimmt das Gewicht und die Lebensdauer sowie das Handling. Dünnere Einfachseile sind Spezialisten vorbehalten. Wobei zwei Aspekte hervorzuheben sind.

Beal hat mit dem Opera das dünnste Einfachseil am Markt (8,5 mm), gefolgt vom Edelrid Canary mit 8,6 mm. Inzwischen hat fast jeder Hersteller ein Seil im Sortiment, das alle drei Normen erfüllt, die ein Seil haben kann (Einfachseil, Halbseil und Zwillingsseil). Das klingt erstmal unspektakulär, ist aber gar nicht so einfach zu erreichen.

Denn auf der einen Seite (als Einfachseil) darf es keine zu starke Dehnung haben (nicht mehr als 40 Prozent im ersten Sturz), auf der anderen Seite darf der Fangstoß als Zwillingsseil (geprüft im doppelten Seil) nicht zu hoch sein. Und auch die Prüfung im Einfachstrang als Halbseil (mit 55 kg) muss das Seil bestehen.

Was unterscheidet Halb- und Zwillingsseile von Einfachseilen?

Zwillingsseile und Halbseile werden bei (langen) Mehrseillängenrouten benutzt. Grundsätzlich haben beide einen entscheidenden Vorteil: Beim Abseilen steht die komplette Seillänge zur Verfügung, weil das Seil nicht, wie beim Einfachseil der Fall, in der Mitte in der Umlenkung liegt. Weiterhin haben sie entscheidende Sicherheitsreserven, zum Beispiel beim Sturz über scharfe Kanten oder bei Steinschlag.

Neue Lehrmeinung aus dem Jahr 2022

Seit 2022 wird empfohlen, beim Klettern mit zwei Nachsteigern Einfachseile oder Dreifachzertifizierte Seile zu verwenden. Insbesondere bei Routen mit Quergängen ist das auf jeden Fall auch sinnvoll. Ob eine Dreierseilschaft zu einer längeren alpinen Route mit langem Zustieg zwei Einfachseile mitschleppt, muss jeder für sich entscheiden. Auch das Handling wird deutlich umständlicher, weil der Vorsteiger ja nur an einem Seilstrang gesichert werden darf (bei Einfachseilen), weil sonst der Fangstoss zu groß wird.

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Bei dreifach zertifizierten Seilen ist das wieder anders, da kann man alles genauso machen, wie man es von einem Halbseil gewohnt ist. Ohne die Aussagen oben relativieren zu wollen: Uns ist kein Unfall bekannt, bei dem ein Nachsteiger zu Schaden gekommen ist, weil er an einem Halbseilstrang gesichert wurde und gestürzt ist. Auf der anderen Seite weiß jeder, der öfters mit Halbseilen klettert, wie sich ein Strang eines Halbseil dehnt, wenn der Nachsteiger sich reinsetzt. Ergo: Ja, die Lehrmeinung empfiehlt in Dreierseilschaft nur an Einfachseilen (mäßig gut vom Handling, schwer) oder an Dreifachzertifizierten Seilen (die optimale Lösung) zu klettern.

Kann ich ein Kletterseil waschen?

Seile verschmutzen beim Gebrauch. Der Dreck schädigt die Seile. Mit der Zeit arbeiten sich feine Dreckpartikel zum Kern durch. Von daher kann es bei stark verschmutzten Seilen durchaus Sinn machen, diese zu waschen. Das kann man entweder in der Badewanne oder aber in der Maschine. Je nach Seil und je nach Wäsche kann es jedoch sein, dass die Seile etwas steifer werden.

Wie lange kann man ein Seil verwenden?

Eine einheitliche Antwort gibt es da nicht. Laut Hersteller muss ein Seil allerspätestens nach zehn Jahren aussortiert werden, selbst wenn es unbenutzt ist. Je nach Gebrauchsart und -intensität ist die Lebensdauer von Seilen sehr unterschiedlich. Heutzutage wird ein Seil meist ausgesondert, weil entweder der Mantel beschädigt ist und man den Kern sieht oder weil das Seil sehr schlecht im Handling ist (dick und pelzig).

Bei starker Nutzung (jede Woche) hält ein Seil sicherlich kein Jahr. Wird ein Seil trocken und dunkel gelagert, altert es nur wenig. Ein Seil, das fünf Jahre irgendwo gut gelagert war, kann ohne Probleme noch verwendet werden. Vorsichtig sollte man beim Kauf von gebrauchten Seilen sein.

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Text von Olaf Perwitzschky

1 Kommentar

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Christian

Ich wollte noch einen Hinweis geben. Gerade bei den extrem dünnen einfach sein hatte ich ein neues Seil und nach einer Woche ist es aufgeplatzt, weil es feucht war und ich einen sackstich Knoten im nachstieg benutzt habe. Hier muss man imprägnierte Seile für draußen verwenden und seitdem benutze ich den sackstich nicht mehr... Das heißt, wie ihr erwähnt habt diese extrem dünnen. Einfachseile sind für Experten.
PS: ich habe das halt dem Hersteller gesendet. Der konnte es nicht nachvollziehen, da im trockenen Zustand die Zug lasst. Richtig war. Aber am Knoten ist der wie eine pellwurst aufgeplatzt das ohne einen Sturz