Über 100 Routen, kurze Zustiege und Bahnanbindung zur Stafflacher Wand

Klettern im Wipptal: Der schönste Klettergarten für Einsteiger und Gruppen

Das Wipptal dürften die meisten wohl nur vom Verkehr auf der Brenner-Autobahn kennen. Dabei liegt auf der Tiroler Seite sogar ein Bergsteigerdorf: Sankt Jodok. Genau dort findet sich mit der Stafflacher Wand ein perfektes Kletterparadies für (Wieder-)Einsteiger, Gruppen und Kurse!

Ab dem Feldweg-Abzweig ist es nicht mehr weit bis zur Stafflacher Wand, die man stets im Auge hat.
© Andreas Erkens

Mit der Bahn direkt zum Fels: Nachhaltig ins Klettergebiet Sankt Jodok

"Wow – krass!", Annika und Ida staunen nicht schlecht, als sie das erste Mal den breiten Riegel der Stafflacher Wand sehen. Vom Feldweg-Abzweig geht es steiler hinauf bis zu einer kleinen Kapelle am Wald rand. Gegenüber – gefühlt gleich hinter der löwenzahngelben Wiese – steht eine der zahlreichen Brücken der Brenner- Autobahn in der Ferne. Doch hier in Sankt Jodok hört man davon nichts. Nur Züge rattern immer wieder vorbei nach Italien. Regelmäßig halten sie auch an dem kleinen örtlichen Bahnhof. 

<p>Einfacher geht‘s kaum: Per Zug von Innsbruck bis vor die Wand. Die Gästekarte der Unterkünfte gilt auch als Fahrkarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Region – inklusive S-Bahn Innsbruck-Brenner.</p>

Einfacher geht‘s kaum: Per Zug von Innsbruck bis vor die Wand. Die Gästekarte der Unterkünfte gilt auch als Fahrkarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Region – inklusive S-Bahn Innsbruck-Brenner.

© Andreas Erkens

"Das ist unser großes Plus", weiß Thomas Senfter. Der Bergführer aus Sankt Jodok war der Initiator des Peter-Kofler-Klettersteiges im Jahr 2012. Seitdem ist das Klettergebiet – dank vieler Visionäre, Helfer und Förderer – laufend gewachsen. Zuletzt wurde im Jahr 2025 ein nagelneuer Kursfels erschlossen: Über 100 Routen gibt es nun insgesamt. Der Schwerpunkt der Schwierigkeiten liegt dabei ganz bewusst auf den unteren und mittleren Graden.

Eine weitere wichtige Prämisse war die Umweltverträglichkeit. Schließlich ist Sankt Jodok ein Bergsteigerdorf. Und die unterliegen strengen Kriterien. Da passen weder große Parkplätze noch Hotelbauten für den Massentourismus ins Konzept. "Wir haben zwar einen kleinen Parkplatz, aber die Anreise mit der Bahn ist viel bequemer", findet Helga Beermeister, Chefin des Tourismusverbands. Sie muss es wissen. Ihr Haus steht quasi an der Bahnlinie: "Die S-Bahn Innsbruck – Brenner verkehrt im Halbstundentakt und ist mit unserer Gästekarte sogar kostenlos!"

<p>Der kurze Zustieg und Routen in vielen Schwierigkeitsgraden machen die Stafflacher Wand zum Idealen Kursgebiet.</p>

Der kurze Zustieg und Routen in vielen Schwierigkeitsgraden machen die Stafflacher Wand zum Idealen Kursgebiet.

© Andreas Erkens

Perfekter Einstieg: Klettergarten mit über 100 Routen für jedes Niveau

Thomas Senfter wartet am Bahnsteig auf seine Gäste. Hoch über dem Bahnhof strahlt die Sonne auf den Felsriegel, an dem sich die kommenden beiden Tage alles abspielen soll. Wie zur Bestätigung stehen am gegenüberliegenden Gleis schon einige Bergsportler mit Rucksack und Helm parat, um in gut 15 Minuten zum Einstieg des Klettersteigs zu wandern. Schneller und besser angebunden per ÖPNV geht es wirklich nicht. Quietschend kommt die Regionalbahn zum Stehen. Neben wenigen Reisenden ergießt sich auch eine bunte Jugendgruppe auf den Bahnsteig: Teil der Kletterjugend der DAV-Sektion Peißenberg mitsamt ihrer zwei Trainer.

<p>Standplatz bau und Nachsichern: Thomas Senfter erklärt dem Kurs die Basics des Mehrseillängen-Kletterns.</p>

Standplatz bau und Nachsichern: Thomas Senfter erklärt dem Kurs die Basics des Mehrseillängen-Kletterns.

© Andreas Erkens

Nach kurzer Begrüßung geht es für Sabine und Hans mit ihren acht Schützlingen und Begleitern hinauf in den neuesten Sektor. "Heute klettern wir, bis ihr nicht mehr könnt!", verspricht Thomas. Und sollte Recht behalten. Die Auswahl an einfachen Routen ist riesig. Sabine freut es: "Für einige unserer Kids ist es das erste Mal am Fels." Sie lacht: "Und für mich als Trainerin Künstliche Anlagen auch seit langem mal wieder!" Wie praktisch, dass es über die gesamte Breite des Klettergartens eigens einen Klettersteig entlang der Umlenker gibt, über den die Coaches Seile einhängen können, ohne selbst vorsteigen zu müssen.

"Das ist hier wirklich ideal zum Starten", findet auch Hans, der schon viele Kletterkurse für alle Altersklassen gegeben hat. Nachmittags ist bei den meisten Jugendlichen die Luft raus. Nur Emilia, Philomena und Samuel reicht es noch immer nicht. Gemeinsam mit Thomas geht es auf den Peter-Kofler-Klettersteig. Und so ist abends am Nedererhof bei allen der Hunger groß. Platz und Essen gibt es zum Glück auch mehr als genug. Und Gaudi: Kartenspielen, Nudelparty, Ratschen, Musik hören. Und am nächsten Tag? Abseilen lernen, Vorsteigen üben, Umfädeln sowie Routen abbauen und vor allem: noch mehr klettern!

<p>Sabine mit "ihren Kids" am Wandfuß</p>

Sabine mit "ihren Kids" am Wandfuß

© Andreas Erkens

Klettern in Sankt Jodok: Die wichtigsten Infos auf einen Blick

Die ­Stafflacher Wand wurde von einer motivierten, freundschaftlich verbundenen Personengruppe erschlossen. Insbesondere die Materialkosten wurden durch den Tourismusverband gefördert. Nun gibt es über einhundert Sportkletterrouten, einen Klettersteig, viele Mehrseillängen-­Touren, anspruchsvolle Kletterreien, sogar Drytooling-Übungsrouten – alles bestens abgesichert und auf Kursbetrieb ausgerichtet! Perfekt auch für (Wieder-)Einsteiger und Genusskletterer geeignet. 

Alle Topos findet man unter wipptal.at/klettern. Weitere Infos zur Region: TVB Wipptal, Rathausplatz 1, A – 6150 Steinach, Tel. 43 5272 6270, wipptal.at

Text von Andreas Erkens

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