Pionierin des modernen Frauenalpinismus

12. Mai 1992: Wanda Rutkiewicz am Kangchendzönga verschollen

Die polnische Alpinistin galt als die beste Höhenbergsteigerin ihrer Zeit. Am 12. Mai 1992 wurde Wanda Rutkiewicz das letzte Mal am Kangchendzönga lebend gesehen. Seither gilt die Besteigerin von acht 8000ern als vermisst.

Wanda Rutkiewicz, beste Höhenbergsteigerin ihrer Zeit.
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Wanda Rutkiewicz: 1992 am Kangchendzönga das letzte Mal leben gesehen

Vor 30 Jahren, am 12. Mai 1992, wurde Wanda Rutkiewicz das letzte Mal auf 8300 Meter Höhe lebend gesehen – bei ihrem dritten Versuch, den 8586 Meter hohen Kangchendzönga zu besteigen. Seither gilt die Pionierin des modernen Frauenalpinismus als vermisst.

Rutkiewicz, am 4. Februar 1943 im litauischen Plunge als Wanda Blaszkiewicz geboren, stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Mathematisch hochbegabt, schrieb sie sich im Alter von 16 Jahren an der Technischen Universität Breslau ein, um dort Elektronik und Maschinenbau zu studieren. Während ihrer Uni-Zeit kam die spätere Diplom-Ingenieurin erstmals mit dem Klettern in Kontakt.

"Ich war vom ersten Moment an vom Klettern besessen. Die Erfahrung glich einer inneren Explosion. Ich wusste, dass dies den Rest meines Lebens prägen würde", erinnerte sich Rutkiewicz später. Und die junge Akademikerin sollte recht behalten!

Wanda Rutkiewicz: Besessen von den Hohen Bergen der Welt

Ihre erste große Tour führte die Polin nach Norwegen, wo sie mit einem Frauenteam den Ostpfeiler des Trollryggen (1700m), zwei Jahre später - inzwischen mit dem polnischen Mathematiker und Kletterer Wojtek Rutkiewicz verheiratet, sollte mit dem Pik Lenin ihr erster Siebentausender folgen.

<p>Berühmte Polen: Wanda Rutkiewicz überreicht Papst Johannes Paul II. am 8. Juni 1979 einen Stein vom Everest. </p>

Berühmte Polen: Wanda Rutkiewicz überreicht Papst Johannes Paul II. am 8. Juni 1979 einen Stein vom Everest. 

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Wanda Rutkiewicz: Als erste europäische Frau erfolgreich an Everest und K2

1973 führte Rutkiewicz eine polnische Frauenseilschaft erfolgreich durch die Eiger-Nordwand, was bis dato noch keiner Alpinistin im Winter gelungen war. 1975 gelang ihr die Erstbesteigung des 7952 Meter hohen Gasherbrum III, 1978 folgte die erste Winterbegehung der Matterhorn-Nordwand durch ein Frauenteam und, als vorläufige Krönung ihrer steilen alpinistischen Karriere, der Gipfel des Everest, den Rutkiewicz als dritte Frau überhaupt sowie als erste Europäerin erreichen konnte.

Nach zwei vergeblichen Anläufen glückte der Polin 1986 schließlich als weltweit erster Bergsteigerin die Besteigung des K2 (8611m). Mit ihrem Erfolgen am Shishapangma (1987), Gasherbrum II (1989), Gasherbrum I (1989), Cho Oyu (1991) sowie der Annapurna, die sie - ebenfalls 1991 - im Alleingang meisterte, war Rutkiewicz auf dem besten Weg dazu, die erste Frau auf allen 14 Achttausender der Erde zu werden.

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Wanda Rutkiewicz: Verhängnisvolle Biwaknacht am Kangchendzönga

Achttausender Nummer neun sollte der Ausnahmebergsteigerin jedoch zum Verhängnis werden. Rutkiewicz bereitete sich gerade auf eine harte Biwaknacht auf 8300 Metern vor, als der mexikanische Höhenbergsteiger Carlos Carsolio das letzte Mal Kontakt mit ihr hatte. Zu einem Abstieg vom Kangchendzönga war die ehrgeizige Polin, die an diesem 12. Mai 1992 weder Schlafsack, Kocher noch Verpflegung bei sich hatte, nicht zu bewegen gewesen.

"Ich habe nichts gegen die Vorstellung, in den Bergen zu sterben. Die meisten meiner Freunde sind dort und warten auf mich."

Text von Holger Rupprecht

4 Kommentare

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Heli Minoth auf Facebook

Das wer die erste Frau mit 14 acht tausender gewesen Gans sicher

Goska Niemi auf Facebook

Die erste europäische Frau auf dem Everest. Was für eine Persönlichkeit....

Josef Brunner auf Facebook

Ja....sie war eine einzigartige Bergsteigerin......leider kam auch sie nicht mehr vom Berg zurück.....

Jürgen Vogt auf Facebook

Hört sich irgendwie fast schon nach Selbstmord an ... wenn man den letzten Satz betrachtet