"La Planta de Shiva" in Andalusien@(zwischenHeadlineTag)>
Im andalusischen Villanueva del Rosario zieht sich eine eindrucksvolle Linie über steilen, grauen Kalk: "La Planta de Shiva". Die Route wurde 2011 von Adam Ondra erstbegangen und gilt mit ihrem überhängenden Charakter, 50 Metern Länge und extrem ausdauernden Bouldersequenzen als eine der härtesten Sportkletterrouten der Welt. 2016 gelang dem Österreicher Jakob Schubert die erste Wiederholung.
Angela Eiter begann bereits 2015, sich mit der Route zu beschäftigen. Zunächst wiederholte sie nur die erste Länge im Schwierigkeitsgrad 8c, bevor sie die gesamte Kombination ins Auge fasste. "Ich war sofort fasziniert von der Linie. Sie passte perfekt zu meinem Stil", sagte Eiter später.
Eiter: Jahre der Vorbereitung und Rückschläge@(zwischenHeadlineTag)>
Über mehrere Jahre reiste sie immer wieder nach Spanien, um an der Route zu arbeiten. Insgesamt sieben Mal stand sie im Sektor, oft unter schwierigen Bedingungen. In dieser Zeit musste sie auch Verletzungen wie eine Sehnenscheidenentzündung und eine Muskelverletzung im Oberschenkel überwinden.
Die Tirolerin trainierte gezielt an der Kletterhalle in Imst, simulierte Passagen der Route und arbeitete an der Ausdauer, die für eine 50 Meter lange Linie in steilem Fels notwendig ist. "Ich wollte den Durchstieg nicht erzwingen, sondern sauber und mit Überzeugung klettern", sagte sie rückblickend.
22. Oktober 2017: Der Durchstieg von "La Planta de Shiva" gelingt@(zwischenHeadlineTag)>
Am 22. Oktober 2017 war es so weit: Nach zwei Fehlversuchen am Tag, jeweils an der Schlüsselstelle der ersten Länge, gelang Eiter am späten Nachmittag der komplette Durchstieg. Die Route verlangte ihr alles ab. "Ich war völlig am Ende, aber der Umlenker klickte und ich wusste, dass es geschafft war", beschrieb sie den Moment.
Mit "La Planta de Shiva" erreichte sie als erste Frau weltweit den Grad 9b. Zu diesem Zeitpunkt hatten auch nur wenige Männer wie Ondra, Chris Sharma oder Stefano Ghisolfi diesen Grad klettern können. Eiter reihte sich in diese Elite ein. Die Leistung wurde international als Meilenstein gewertet. Sie sagte dazu: "Als ich den Anker klippte, war mir gar nicht bewusst, dass ich einen solchen Meilenstein erreicht hatte. Aber als ich hinterher all die Nachrichten in den sozialen Medien sah, wurde mir klar, dass dies eine großartige Leistung für die weltweite Klettergemeinschaft war."
Eiter: Vom Wettkampf an den Fels@(zwischenHeadlineTag)>
Vor ihrer Felskarriere gehörte Eiter zu den erfolgreichsten Wettkampfkletterinnen überhaupt: Vier Weltmeistertitel (2005, 2007, 2011, 2012), drei Gesamtweltcupsiege (2004, 2005, 2006) und eine Europameisterschaft (2010) machten sie zu einer Ausnahmeathletin.
Nach mehreren Verletzungen und einer langen Wettkampfpause entschied sie sich 2013, sich ganz auf das Felsklettern zu konzentrieren. Diese Entscheidung verhalf ihr zu einem zweiten Karrierehöhepunkt. "Im Fels kann ich mich ganz auf den Moment konzentrieren, auf die Bewegung, auf das, was wirklich zählt."
Eine leise Legende@(zwischenHeadlineTag)>
Wer der Kletterin begegnet, trifft eine stille, fokussierte Sportlerin. Sie gilt als diszipliniert, bescheiden und zurückhaltend. Diese Haltung prägt auch ihr Training: akribisch, präzise und von einem hohen Anspruch an sich selbst.
In ihrem Buch "Alles Klettern ist Problemlösen" (2019) blickt sie offen auf ihre Karriere und ihre persönlichen Herausforderungen zurück. Sie spricht darin auch über schwierige Phasen, darunter eine Zeit, in der sie an Magersucht litt. Der ehrliche Einblick zeigt eine Athletin, die nicht nur körperliche, sondern auch mentale Grenzen überwunden hat.
Ein Symbol für den modernen Klettersport@(zwischenHeadlineTag)>
Eiters Begehung von "La Planta de Shiva" gilt bis heute als Symbol für Entschlossenheit, technische Perfektion und mentale Stärke. Sie selbst sprach später davon, dass sie mit der Route "nicht nur physisch, sondern auch emotional an eine Grenze" gegangen sei.
Der Durchstieg markierte zudem einen Wendepunkt in der Wahrnehmung weiblicher Spitzenleistungen im Sportklettern. Seither folgten mehrere Kletterinnen mit Begehungen im oberen neunten Grad. Doch Angela Eiters Name bleibt mit diesem historischen Schritt untrennbar verbunden.



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