Erwärmung passiert schneller als angenommen – Hochgebirge besonders betroffen@(zwischenHeadlineTag)>
Am Dienstagvormittag (17. Juni 2025) präsentierten Norbert Totschnig (Bundesminister für Landwirtschaft und Klimaschutz, ÖVP) und Margreth Keiler (Projektleiterin, Universität Innsbruck) den zweiten interdisziplinären Sachstandsbericht zum Klimawandel in Österreich. Mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten in den vergangenen drei Jahren nach den Methoden und Prozessen des Weltklimarats (IPCC) und unter der Leitung des Austrian Panel on Climate Change (APCC) am Ist-Zustand des Klimas, dessen weiterer Entwicklung und Auswirkungen in Österreich geforscht – mit alarmierenden Ergebnissen.
Der zweite österreichische Klima-Sachstandsberichts zeigt eindrücklich, dass die Durchschnittstemperatur im Alpenraum deutlich schneller zugenommen hat, als bisher angenommen. Aktuell liegt die Klimaerwärmung in Österreich bei 3,1°C und ist damit mehr als doppelt so hoch wie das im Pariser Klimaabkommen festgelegte Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf maximal 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. In den neu veröffentlichten Zukunftsszenarien ist außerdem klar zu erkennen, dass sich das Klima in höheren Lagen stärker erhitzt als im Flachland.
Alpine Vereine warnen vor erhöhter Unfallgefahr und Schäden an Infrastruktur@(zwischenHeadlineTag)>
Protect Our Winters und der Österreichische Alpenverein warnen vor den bereits sichtbaren und kommenden Auswirkungen der Klimaerwärmung auf Sport, Infrastruktur und den Lebensraum im alpinen Bereich. Vermehrte Felsstürze und der Rückgang der Gletscher und des Permafrosts bedeuten mehr Risiko und einen höheren Aufwand bei Instandhaltungsarbeiten.
"Die Alpen zählen zu den am stärksten von der Klimakrise betroffenen Regionen Österreichs. Durch zunehmende Starkregenereignisse, Vermurungen und Steinschläge geraten nicht nur Hütten und alpine Wege unter Druck. Auch das Verhalten von Bergsportlern verändert sich – Touren müssen anders geplant, Risiken neu bewertet und Infrastruktur zunehmend angepasst werden", sagt Deniz Branke, Klimakoordinatorin des Österreichen Alpenvereins. "Erst kürzlich hat uns der Gletschersturz in Blatten/Schweiz gezeigt, dass sich die Berglandschaft schnell und massiv verändert. Der Bergsport muss sich daran anpassen", ergänzt Manuela Mandl von POW.

Der letzte Gletscherbericht ließ bereits erahnen, wie schlecht es um Österreichs Eisflächen steht. Im Bild: Die Pasterze.
Zukunft des Wintersports schmilzt davon@(zwischenHeadlineTag)>
Auch der Wasserkreislauf in den Alpen hat sich laut dem Bericht in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Weniger Schnee, eine frühere und stärkere Schneeschmelze sowie häufiger auftretende Starkregenereignisse im Sommer beeinflussen das System zunehmend. Die stark abnehmende Schneesicherheit stellt die traditionelle Ausrichtung Österreichs auf Skitourismus immer mehr in Frage. Die ungewöhnlich hohen Temperaturen, Trockenphasen und Starkniederschläge machen die Bergsaisonen in Sommer und Winter unberechenbarer.
Die Skisaisonen werden sich stark verkürzen (ohne technische Beschneinung auf bis zu 19, mit technischer Beschneiung auf bis zu 80 Tage) und Wasserbedarf für die Beschneiung von Pisten gleichzeitig erheblich ansteigen (im pessimistischen Szenario (4,3°C) um ganze 73 %). Einige österreichische Skigebiete werden daher schließen oder alternative Lösungen zur Beschneiung finden müssen.
"Wir müssen endlich mit konkreten Maßnahmen vorangehen"@(zwischenHeadlineTag)>
"[...] Wir müssen endlich mit konkreten Maßnahmen vorangehen. Es reicht nicht mehr, dass es die Wintersportbranche verstanden hat – wir sind an einem Punkt, an dem die gesamte Wirtschaft handeln muss! Und die Aufgabe der Politik muss es sein, die notwendigen Rahmenbedingungen für Veränderung zu schaffen", sagt Manuela Mandl.
Die steigenden Temperaturen führen außerdem zu einem langfristigen Verlust der biologischer Vielfalt, vor allem in hohen Lagen über 2000 m. Die rasante Erwärmung, und Extremwetterereignisse wie Gewitter, Starkniederschlag und ungewohnt lange Trockenheitsperioden setzen auch der Land- und Forstwirtschaft enorm zu. Felsstürze und Vermurungen gefährden vor allem in ländlichen Regionen wichtige Infrastruktur.
"Jetzt ist die Politik gefordert, mutige und wirksame Rahmenbedingungen für echten Klimaschutz zu schaffen – es braucht sektorübergreifende Kooperationen und Anstrengungen um das 2030 und 2040 Ziel zu erreichen", sagte Verena Stahl, Präsidentin von Protect Our Winters Austria. Nicole Slupetzky vom ÖAV zeigte sich resiginiert: Sie wünsche sich, dass der neue Bericht ein Weckruf sei, glaube jedoch nicht daran. Der Mensch wolle erst dann etwas ändern, wenn es fast zu spät sei.
Über den Klima-Sachstandsbericht @(zwischenHeadlineTag)>
Der sogenannte "AAR2" wurde am 17. Juni 2025 veröffentlicht. Verfasst haben ihn rund 200 Autorinnen und Autoren, die über mehrere Jahre mehr als 5000 wissenschaftliche Artikel, Manuskripte und Studien ausgewertet haben. Insgesamt umfasst der Bericht ca. 800 Seiten. Der erste Bericht in Österreich wurde im Jahr 2014 publiziert. Förderer war u. a. das österreichische Klimaministerium.

3 Kommentare
Kommentar schreibenPiz Cengalo, Fluchthorn, Piz Scerscen, Brienz, Lötschental und viele, viele kleiner Ereignisse in den letzten Jahren. Die Tourismusbranche sorgt sich um die Schneesicherheit im Winter. Ich denke es wird in den nächsten 10 - 20 Jahren ganz andere Probleme geben. Zum einen können sich den Spaß immer weniger Menschen leisten aber vor allem bahnt sich mit dem Rückgang vom Permafrost schlimmes Unheil an. Es klingt nicht sehr positiv aber wir sollten uns mehr mit den worst Case Szenarien beschäftigen, denn diese sind leider sehr viel wahrscheinlicher als optimistische Entwicklungen.
Und am sogenannten Bödele in Vorarlberg, einem (früheren) Skigebiet auf rund 1.200 m, wird gleichzeitig sehr intensiv über neue Skikanonen nachgedacht, weil ja der Wintersport auf dieser Höhe offensichtlich noch eine Zukunft hat. Da können noch so oft irgendwelche Horror-Szenarien bezüglich des Klimas veröffentlicht werden, solange der Skizirkus noch Geld generieren kann, sind solche Veröffentlichungen wie die hier vorgestellte irrelevant.
Also unsere bayerische Staatsregierung reagiert darauf ganz geschickt, indem sie die Schwellen für die Umweltvertäglichkeitsprüfung beim Bau von Skipisten, Beschneiungsanlagen usw. mit dem Dritten Modernisierungsgesetz einfach reduziert. Vielleicht ist das ja auch für Österreich ein gangbarer Weg den Klimawandel einfach zu leugnen. Bei uns scheint das zu klappen.