Bergwacht warnt vor hochwinterlichen Bedingungen

Tour unterschätzt: Vier Wanderer am Kramer in Bergnot

Vier junge Wanderer gerieten vergangenes Wochenende am Kramer bei Garmisch-Partenkirchen in Bergnot. Die Bergwacht brachte sie sicher ins Tal – und warnte vor verfrühtem Start in die Wandersaison.

Tour unterschätzt: Vier Wanderer am Kramer in Bergnot (Symbolbild, keine aktuellen Verhältnisse!)
© picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Vier Wanderer am Kramerspitz in Bergnot – aufwendige Rettung bis in die Nacht

Vier junge Wanderer aus Berlin sind am Donnerstagmittag (26. März 2026) gegen 12 Uhr am Kramer bei Garmisch-Partenkirchen in Bergnot geraten. Aufgrund erheblicher Neuschneemengen kamen sie im Bereich westlich des Gipfels nicht mehr weiter. In telefonischer Abstimmung mit der Bergwacht wurde zunächst versucht, die Gruppe in Richtung Stepbergalm zu lenken und von dort über den Kreuzweg sicher ins Tal zu führen.

Angesichts der angespannten Lawinensituation galt dies als vergleichsweise sichere Abstiegsoption. Die Wanderer konnten den Weg jedoch im Gelände nicht finden und stiegen stattdessen in das steile, felsdurchsetzte Gelände des sogenannten "Gelben Gwänds" ab, wo ein Weiterkommen nicht mehr möglich war. Nach erneuter Rücksprache wurden sie gegen 15 Uhr zurück in Richtung Stepbergalm geleitet.

Ein angeforderter Rettungshubschrauber aus Murnau konnte aufgrund zu kurzer Wetterfenster nicht eingesetzt werden. Daher entschieden sich die Einsatzkräfte für eine bodengebundene Rettung. Gemeinsam mit der Bergwacht Grainau – in deren Einsatzgebiet ein alternativer Zustieg lag – wurde ein Aufstieg über die Rotmoosalm organisiert.

Mit einem kettenbetriebenen Quad gelangten die Retter zunächst ein Stück in Richtung Einsatzort, anschließend stiegen sie mit Tourenski weiter auf. Gegen 19:25 Uhr erreichten die ersten Einsatzkräfte die Stepbergalm. Dort wurden die vier Wanderer mit Schneeschuhen ausgerüstet und unter Begleitung der Bergwacht sicher ins Tal geführt. Gegen 21:30 Uhr erreichte die Gruppe erschöpft, aber unverletzt den Ausgangspunkt. Insgesamt waren zehn Einsatzkräfte der Bergwachten Grainau und Garmisch-Partenkirchen beteiligt.

Wintereinbruch sorgt für heikle Lawinenlage in den Bergen

Der Einsatz am Kramer steht exemplarisch für die aktuell schwierige Situation in den Bayerischen Alpen. Bis in tiefe Lagen herrschen weiterhin hochwinterliche Bedingungen mit teils erheblichen Neuschneemengen. Besonders tückisch ist derzeit die Kombination aus:

  • frischem Neuschnee, der Wege verdeckt und die Orientierung erschwert

  • instabiler Schneedecke, die lokal eine erhöhte Lawinengefahr mit sich bringt

  • wechselhaften Wetterfenstern, die Hubschraubereinsätze zusätzlich erschweren

Gerade in mittleren Höhenlagen, wo üblicherweise bereits die Wandersaison beginnt, trifft die winterliche Situation auf eine steigende Zahl wenig vorbereiteter Bergsportler. Klassische Wanderwege sind häufig nicht begehbar, verschneit oder lawinengefährdet. Die Bergwacht weist deshalb eindringlich darauf hin, dass die Wandersaison derzeit faktisch noch nicht begonnen hat. Touren erfordern aktuell winterliche Ausrüstung, Erfahrung im Umgang mit Schnee sowie eine sorgfältige Tourenplanung.

Text von Lubika Brechtel

3 Kommentare

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Susanne

Die Bergrettung sollte viel teurer werden. Die Einsatz Kräfte sollten nicht mehr ehrenamtlich arbeiten. Sie setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel. Also macht die Rechnungen teurer, und wägt mehr ab, ob fahrlässig oder wirklich bergerfahren.
Kassiert mehr Geld, das allein schreckt ab, Dummheiten zu machen. Große Hochachtung vor euch Bergrettern, bin selbst leidenschaftlich in den Bergen

Guntram

Viele Touren fänden niemals statt, könnten sich die Menschen nicht auf die hochprofessionelle Bergrettung verlassen.
Je besser diese organisiert ist, desto mehr wird sie zu tun bekommen. Eigenverantwortung wird bei den Touristen immer mehr zum Fremdwort.

Renate

Lauter Schlaumeier und beratungstesistente Leute. Andere müssen dann kommen und retten.... . Warum hört man nicht auf den Rat derjenigen, die sich damit auskennen? Typisches Verhalten der jungen Generation, die eh alles besser wissen will. Übrigens bin ich selbst Mutter von erwachsenen Kindern. Kostenübernahme geklärt?