Ein vermeintlich sicherer Ausstieg aus dem Fernau-Klettersteig in Neustift im Stubaital hat am Donnerstagvormittag zu einer alpinen Notlage geführt. Zwei deutsche Klettersteig-Geher aus dem Landkreis Kassel mussten schließlich per Taubergung aus dem Gelände geholt werden.
Nach Angaben der Polizei waren ein 27-jähriger Mann und eine 26-jährige Frau am 25. Juni 2026 gegen 10 Uhr in den Fernau-Klettersteig eingestiegen. Bereits kurze Zeit später machte sich bei dem Mann offenbar zunehmende Erschöpfung bemerkbar. Gegen 10.45 Uhr verließ er trotz Warnung seiner Begleiterin an einem vermeintlichen Notausstieg das Stahlseil des Klettersteigs.
Wildwechsel statt Notausstieg
Der vermeintliche Ausstieg stellte sich jedoch nicht als offizieller Notausstieg heraus. Stattdessen geriet der 27-Jährige auf einen schmalen Steig, der vermutlich von Wild- oder Weidetieren genutzt wird. Dieser führte in immer steileres und absturzgefährdetes Gelände.
Aufgrund seiner Erschöpfung, der Überforderung und der akuten Absturzgefahr war für den Mann bald kein selbstständiges Weiterkommen mehr möglich. In seiner Blockade setzte er einen Notruf ab.
Begleiterin bleibt gesichert im Klettersteig
Die 26-Jährige verhielt sich besonnen: Sie blieb gesichert im Klettersteig und stieg noch einige Meter weiter auf, um Sicht- und Rufkontakt zu ihrem Begleiter halten zu können. Auch sie wurde in weiterer Folge aus dem Steig geborgen.
Beide Personen wurden mittels Taubergung vom Polizeihubschrauber Libelle aufgenommen und unverletzt ins Tal gebracht.
Der Fernau-Klettersteig oberhalb der Dresdner Hütte zählt zu den sportlicheren Klettersteigen im Stubaital. Der Steig führt von der Mittelstation Fernau der Stubaier Gletscherbahn in kurzer Zustiegszeit hinauf Richtung Egesengrat und wird mit Schwierigkeit D bewertet. Zwar sind viele Passagen leichter, einzelne steile und ausgesetzte Stellen verlangen aber Kraft, Trittsicherheit und Erfahrung. Auch der Abstieg erfordert guten Orientierungssinn. Gerade wegen der schnellen Erreichbarkeit per Bergbahn kann die Tour leicht unterschätzt werden.


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