Marek Holecek startet neuen Anlauf in der Rupalwand des Nanga Parbat
Der tschechische Spitzenalpinist Marek Holecek und sein Seilpartner Tomáš Petrecek sind nach Pakistan aufgebrochen, um eine unvollendete Linie am Nanga Parbat erneut in Angriff zu nehmen. Das Duo möchte in der gewaltigen Rupalwand des Berges eine neue Route eröffnen – im leichten und eigenständigen Alpinstil.
Bereits 2018 hatten Holecek und Petrecek versucht, eine neue Linie durch die rund 4600 Meter hohe Südwand des Achttausenders zu klettern. Damals mussten sie ihre ursprünglichen Pläne wegen schlechter Wetterbedingungen mehrfach anpassen. Nach sechs Tagen in der Wand erreichten sie rund 7800 Meter Höhe und befanden sich nur noch etwa 300 Höhenmeter unter dem Gipfel. Orkanartige Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h zwangen die beiden jedoch zum Rückzug.
Ob sie nun dieselbe Linie oder eine neue Variante versuchen werden, ließen die Alpinisten offen. Fest steht lediglich, dass sie erneut vollständig im Alpinstil unterwegs sein wollen – also ohne Hochlager, Fixseile oder zusätzlichen Träger-Support oberhalb des Basislagers. "Wir wissen, dass eine extreme Aufgabe vor uns liegt. Wir verspüren Anspannung, Respekt und große Erwartungen – gleichzeitig können wir es kaum erwarten, die raue Schönheit und Einzigartigkeit dieser Berge zu erleben", schrieb Petrecek vor der Abreise auf seiner Website.
Die Expedition soll bis in die zweite Augusthälfte dauern. Für Holecek wäre eine erfolgreiche Neutour ein weiterer Meilenstein seiner außergewöhnlichen Karriere. Der mehrfache Piolet d'Or-Preisträger zählt seit Jahren zu den bedeutendsten Vertretern des modernen Expeditionsalpinismus. Gleichzeitig war seine Laufbahn immer wieder von tragischen Verlusten überschattet: 2013 kam Seilpartner Zdenek Hrubý bei einer Expedition am Gasherbrum I ums Leben. 2024 starb Ondrej Húserka beim Abstieg vom Langtang Lirung nach einem Spaltensturz.
Der Nanga Parbat und die Rupalwand
Der Nanga Parbat (8125 Meter) ist der westlichste Achttausender des Himalaja und gilt als einer der anspruchsvollsten Berge der Welt. Berühmt ist vor allem seine Rupalwand, die mit rund 4600 Höhenmetern als höchste zusammenhängende Fels- und Eiswand der Erde gilt. Die Wand verlangt höchste technische Fähigkeiten, stabiles Wetter und perfekte Bedingungen. Seit der Erstbesteigung des Berges 1953 wurden an der Rupalwand nur wenige Routen eröffnet.
Wer sind Marek Holecek und Tomáš Petrecek?
Marek Holecek (51) zählt zu den renommiertesten Höhenbergsteigern Europas. Der Tscheche ist mehrfach mit dem Piolet d'Or, der höchsten Auszeichnung des Alpinismus, geehrt worden. Internationale Anerkennung erlangte er durch spektakuläre Erstbegehungen an schwersten Himalaja-Wänden – stets im kompromisslosen Alpinstil, also ohne Flaschensauerstoff, Fixseile oder Hochlager. Sein Markenzeichen sind technisch extrem anspruchsvolle Neurouten an den schwierigsten Bergen der Welt.
Tomáš Petrecek gehört ebenfalls zur tschechischen Alpinelite. Der erfahrene Expeditionsbergsteiger machte sich insbesondere mit schwierigen Unternehmungen im Karakorum und Himalaja einen Namen. Gemeinsam mit Holecek verbindet ihn die Vorliebe für lange, eigenständige Routen fernab der Normalwege. Beide stehen für einen modernen Expeditionsstil, bei dem geringstmögliche Ausrüstung, Eigenverantwortung und alpine Eleganz im Mittelpunkt stehen.



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