Auszeichnung für herausragende alpinistische Leistungen

Piolet d'Or 2025: Die Preisträger stehen fest!

Die Piolets d’Or, oft als "Oscars des Alpinismus" bezeichnet, zählen zu den bedeutendsten Auszeichnungen im Bergsteigen. 2025 ehrt die Jury drei Expeditionen, die mit Mut, Kreativität und kompromisslosem Stil zeigen, dass im modernen Alpinismus noch immer echte Entdeckungen möglich sind und das weit entfernt von Kommerz und Routine.

Piolet d'Or 2025: Die Preisträger stehen fest!
© IMAGO / Frank Bienewald

Piolets d’Or 2025: Drei herausragende Erstbegehungen ausgezeichnet

Die Piolets d’Or würdigen jedes Jahr die bedeutendsten Bergbesteigungen der Welt. Entscheidend sind dabei nicht nur technische Schwierigkeit und Höhe, sondern vor allem Stil, Eigenständigkeit und der Entdeckergeist der Alpinistinnen und Alpinisten. Wir berichteten bereits am 14. Oktober über die Nominierungen.

2025 zeichnete die Jury drei Expeditionen aus, die auf sehr unterschiedliche Weise für das stehen, was Alpinismus heute ausmacht. Drei Expeditionen, drei Ansätze und alle vereint durch den Anspruch, Bergsteigen jenseits des Mainstreams zu leben.

Die Reihenfolge der Gewinner hat dabei keine Bedeutung.

Yashkuk Sar (6667 m), Karakorum – Tiger Lily Buttress

Das US-amerikanische Trio August Franzen, Dane Steadman und Cody Winckler gelang im September 2024 die erste Besteigung des Yashkuk Sar im Batura Muztagh (Pakistan).

<p>Auf-und Abstiegsroute am Yashkuk Sar (6667 m).</p>

Auf-und Abstiegsroute am Yashkuk Sar (6667 m).

© Dane Steadman

Über den Nordpfeiler kletterten sie 2000 Meter in schwierigem Eis- und Mixedgelände (AI5+, M6, A0) – und traversierten anschließend den Berg, bevor sie über die West- und Nordflanke abstiegen.

„Wir seilten uns vom Grat auf die andere Seite ab, die einzige Hilfe auf dieser Route“, erinnert sich Steadman. „Dann kletterten wir ein paar hundert Meter eine Eiskante hinauf bis zum Fuß der Felswand und beendeten den Tag mit zwei schwierigen Seillängen auf schneebedecktem Gneis, der entweder glatt und kompakt oder stark zerklüftet war.“

"Der letzte Tag war noch schwieriger, mit gemischtem Gelände bis zu M6, dann zwei Querungen bis zur entscheidenden Eispassage, einem überhängenden AI5+, der zum Gipfel der Felswand führte“, erinnert sich Steadman.

<p>Spektakulärer zweiter Biwakplatz. </p>

Spektakulärer zweiter Biwakplatz. 

© Dane Steadman

Das Team erreichte an diesem Tag den Gipfelgrat, aber tiefer Schnee zwang sie zu einer weiteren Biwakpause, bevor sie am nächsten Morgen den Gipfel erreichten. Dann seilten sie sich 600 m über ein Couloir an der Westwand ab, bevor sie über den Westgrat zurückquerten, um die unteren 1000 m der Nordwand abzusteigen und abzuseilen.

Die Jury lobte besonders den Pioniergeist des jungen Teams, das sich für seine erste Karakorum-Expedition ein völlig unbekanntes Ziel suchte. Ihr leichter, selbstständiger und abenteuerlicher Stil verkörpert den ursprünglichen Geist des Alpinismus.

Gasherbrum III (7952 m), Baltoro Muztagh – Edge of Entropy

Der Brite Tom Livingstone und der Slowene Aleš Cesen eröffneten mit Edge of Entropy die erste Route über den Westgrat des Gasherbrum III. Ein 3000 Meter langer, ausgesetzter Anstieg knapp unter der 8000er-Marke.

<p>Auf-und Abstiegsroute am Gasherbrum III (7952 m).</p>

Auf-und Abstiegsroute am Gasherbrum III (7952 m).

© Jacek Wiltosinski/AAJ

Für dieses Vorhaben im Jahr 2024 unternahmen die beiden drei Akklimatisierungsbesteigungen, darunter eine Nacht auf 7000 m Höhe. Dann begannen sie laut der Pressemitteilung des Piolets d’Or mit dem Gipfelanstieg:

"Sie verließen das Basislager am 31. Juli und erreichten zwei Tage später wieder das Lager auf 7000 m unterhalb des Beginns des Westgrats. Am nächsten Morgen brachen sie zum Aufstieg auf den Grat auf und übernachteten die erste Nacht etwas unterhalb von 7500 m und die zweite Nacht auf etwa 7800 m. Da sie am oberen Lagerplatz kein Zelt aufbauen konnten, mussten sie im Freien biwakieren. Anschließend umgingen sie die Felswand durch eine schwierige Kletterpartie, die an einer Stelle möglicherweise bis zum Schwierigkeitsgrad M6 reichte, erreichten den Gipfel und stiegen dann auf der anderen Seite des Berges über die ursprüngliche Route wieder ab. Nach einer Nacht im Lager 4 (7400 m) auf der Standardroute zum Gasherbrum II erreichten sie am 6. August das Basislager."

<p>Tom Livingstone (links) und Ales Cesen auf dem Gipfel des Gasherbrum III.</p>

Tom Livingstone (links) und Ales Cesen auf dem Gipfel des Gasherbrum III.

© Livingstone/Cesen

Die Jury hob den hohen Anspruch und die Konsequenz dieser Unternehmung hervor: eine lange, schwierige Route in leichter Zweierseilschaft. Ein Beispiel dafür, "dass auch an den höchsten Bergen der Welt noch echte Erstbegehungen möglich sind."

Kaqur Kangri (6859 m), Westnepal – Southwest Arête

In der abgelegenen Kanti-Himal-Region gelang den US-Amerikanern Spencer Gray und Ryan Griffiths (nach dem Rückzug ihres Partners Matt Zia) die Erstbesteigung des Südwestgrats des Kaqur Kangri.

Die 1.670 Meter hohe Linie (5.10 A0 M7 WI5) forderte alles – technisches Können, Ausdauer und psychische Stärke, wie Piolet d'Orc berichtet:

<p>Aufstiegsroute am Kaqur Kangri (6859 m).</p>

Aufstiegsroute am Kaqur Kangri (6859 m).

© Spencer Gray

"Die einzigen Fotos der Südwand von Kaqur Kangri zeigten nur den oberen Teil, der Rest blieb für Spencer Gray, Ryan Griffiths und Matt Zia reine Vorstellung. Nach acht Tagen Anmarsch erreichten sie ihr Basislager auf 4700 Metern. Nach der Akklimatisation starteten sie Mitte Oktober ihren ersten Versuch über den Südwestgrat, mussten aber wegen eines defekten Kochers umkehren. 

Zia stieg danach aus und Gray und Griffiths setzten die Besteigung zu zweit fort. Über festen Granitgneis, Eis und schwieriges Mixedgelände erreichten sie nach zwei Tagen die Schlüsselstelle: acht fordernde Seillängen in steilem Mixedgelände. Am 31. Oktober standen sie schließlich auf dem Gipfel und stiegen über den unbegangenen Nordwestgrat wieder ab."

Die Jury bezeichnete die Route als "technisch anspruchsvoll und in bestem Stil durchgeführt".

<p>Auf dem Südwestgrat des Kaqur Kangri (6859 m).</p>

Auf dem Südwestgrat des Kaqur Kangri (6859 m).

© Ryan Griffiths

Besondere Erwähnung für weibliche Expeditionen

Erst vor Kurzem hat das Komitee die Kategorie "Besondere Erwähnung" speziell für Frauenexpeditionen ins Leben gerufen, mit der weiblicher Alpinismus gefördert werden soll. Mehrere Teams sind mit Projekten auf der großen Liste vertreten, doch die Jury hat bereits ihre Wahl für die beste Frauenexpedition des vergangenen Jahres offziell verkündet:

Die beiden Sloweninnen Anja Petek und Patricija Verdev werden für ihre Erstbegehung von "Here Comes the Sun" (2000 m, M6+ AI5+) auf den 6243 Meter hohen Lalung I im indischen Himalaja geehrt. Petek und Verdev meisterten als Teil einer vierköpfigen Frauenexpedition den äußerst anspruchsvollen Ostgrat des Berges über einen Zeitraum von fünf Tagen.

<p>Anja Petek und Patricija Verdev während der Erstbegehung von "Here Comes the Sun".</p>

Anja Petek und Patricija Verdev während der Erstbegehung von "Here Comes the Sun".

© Anja Petek/Patricija Verdev

Preisverleihung Anfang Dezember in den Dolomiten

Die Verleihung findet vom 9. bis 12. Dezember erneut in San Martino di Castrozza in den Dolomiten statt.

Die Preisträger des Jahres 2025 zeigen, dass der Alpinismus auch im 21. Jahrhundert noch echte Entdeckungen bereithält, abseits kommerzieller Routen und in kompromisslosem Stil.

Text von Robert Scheitzeneder

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