Annabelle Bouchardon gelingt historische Solo-Begehung der "American Direct" an den Drus
Die französische Alpinistin Annabelle Bouchardon hat Alpingeschichte geschrieben: Die 24-Jährige absolvierte als erste Frau eine Solo-Begehung der legendären "American Direct" an der Westwand der Petit Dru im Mont-Blanc-Massiv. Für die 1100 Meter lange Route benötigte sie insgesamt drei Tage und zwei Nächte in der Wand. Die Linie zählt zu den berühmtesten und anspruchsvollsten Granitrouten der Alpen. Sie wurde 1962 von den US-Kletterern Gary Hemming und Royal Robbins erstbegangen und weist Schwierigkeiten bis ED- und 6c auf.
Bouchardon startete ihre Tour nach einem Biwak am Wandfuß in den frühen Morgenstunden. Während des Aufstiegs verbrachte sie zwei weitere Nächte in der Wand: zunächst am sogenannten Chockstone Block auf rund 600 Metern Wandhöhe, anschließend im Trou du Canon, einer kleinen Felsnische, die ihr während eines Gewitters Schutz bot. Nach drei Tagen erreichte sie den 3733 Meter hohen Gipfel der Petit Dru, überschritt anschließend noch die Grand Dru und seilte schließlich über die Südwand wieder ab.
Besonders bemerkenswert ist die Art der Begehung: Bouchardon kletterte die Route im Rope-Solo-Stil. Dabei sichert sich der Kletterer selbst und muss jede einzelne Seillänge zunächst vorsteigen, anschließend wieder absteigen und danach ein zweites Mal klettern, um Sicherungsmaterial und Rucksack nachzuholen. Insgesamt bewältigte sie auf diese Weise rund 30 Seillängen mit einem etwa 17 Kilogramm schweren Rucksack.
Vor ihrer Besteigung erklärte Bouchardon, es gehe ihr nicht allein um die sportliche Leistung. Vielmehr habe sie ihre Fähigkeit testen wollen, Entscheidungen vollständig allein zu treffen, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen und sich einer physischen wie mentalen Herausforderung zu stellen. Die Französin zählt zu den vielversprechendsten Nachwuchsalpinistinnen ihres Landes. Zuletzt sorgte sie unter anderem mit einer Wiederholung der anspruchsvollen Fowler-Watts-Route am Taulliraju in Peru für Aufmerksamkeit.
Was bedeutet Rope-Solo?
Beim Rope-Solo klettert eine Person allein mit Seilsicherung – ohne Partner. Der Kletterer verwendet spezielle Ausrüstung, die einen Sturz auffangen kann. Anders als beim klassischen Seilschaftsklettern muss jede Seillänge mehrfach bewältigt werden: Zunächst wird sie vorgestiegen, anschließend wird das Sicherungsmaterial eingerichtet, danach steigt der Kletterer nochmals auf, um Seil, Expressschlingen und Gepäck nachzuholen. Dadurch verlängert sich die Kletterzeit erheblich. Neben technischem Können verlangt diese Technik vor allem hohe Konzentration, perfekte Materialkenntnis und die Fähigkeit, sämtliche Entscheidungen allein zu treffen – Fehler können kaum kompensiert werden.



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