Nur noch zwei Seillängen bis zum Ausstieg: Gewitter stoppt Kletterer
Zwei britische Kletterer sind am Dienstag (14. Juli 2026) im Wilden Kaiser in eine alpine Notlage geraten. Die 41-jährige Frau und ihr 59 Jahre alter Begleiter waren am Morgen vom Stripsenjochhaus zur Klettertour "Stripsenzahn" aufgebrochen. Nach Angaben der Polizei starteten die beiden erfahrenen Alpinkletterer gegen 7:30 Uhr. Um etwa 13:15 Uhr befanden sie sich in der sechsten Seillänge – nur noch zwei Seillängen vor dem Ausstieg –, als ein heftiges Gewitter aufzog. Eine Fortsetzung der Tour erschien den beiden wegen der Witterung zu gefährlich.
Auch ein Rückzug durch Abseilen war nicht möglich: Das Paar hatte lediglich ein 70 Meter langes Einfachseil dabei. Wird dieses für einen gewöhnlichen Abseilvorgang durch den Standplatz gefädelt, stehen höchstens rund 35 Meter Abseillänge zur Verfügung. Die Abseilstellen der Route weisen laut Polizei jedoch Distanzen von bis zu 50 Metern auf. Die beiden setzten deshalb gegen 13:20 Uhr einen Notruf ab.
Da die Polizeihubschrauber Libelle Tirol und Libelle Salzburg zu diesem Zeitpunkt bei anderen Einsätzen gebunden waren, wurde der Notarzthubschrauber Christophorus 4 alarmiert. Seine Besatzung konnte die beiden Kletterer unverletzt am Tau aus der Wand retten. Im Einsatz standen zehn Mitglieder der Bergrettung St. Johann in Tirol, die Besatzung des Christophorus 4, eine Polizeistreife und ein Alpinpolizist.
Stripsenzahn: Alpine Mehrseillängenroute am Totenkirchl
Der "Stripsenzahn" ist eine Kletteroute am Totenkirchl oberhalb des Stripsenjochhauses. Die nordseitig ausgerichtete Route ist rund 310 Meter lang, umfasst acht Seillängen und wird meist mit UIAA 6- bei einer obligatorischen Schwierigkeit von UIAA V angegeben. Obwohl die Route insgesamt gut abgesichert ist, handelt es sich um eine alpine Klettertour, bei der Rückzugsmöglichkeiten, Abseillängen und die erforderliche Ausrüstung vor dem Einstieg anhand eines aktuellen Topos geprüft werden sollten.
Gerade bei sommerlicher Gewitterneigung sollte außerdem genügend Zeitreserve eingeplant werden. In einer Mehrseillängenroute können ein früher Tourstart, ein schneller Wetterumschwung oder eine ungeplante Verzögerung darüber entscheiden, ob die Seilschaft noch rechtzeitig aus der Wand kommt.


1 Kommentar
Kommentar schreibenDa kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Es war Regen und Gewitter angesagt, da war nichts überraschend.
Wie man da mit einem Seil, das nicht zum Rückzug taugt, in eine lange MSL einsteigt ist mir ein Rätsel.
Erfahren? Nunja.