Nächtlicher Einsatz am Schermberg

18-Jähriger verirrt sich im Toten Gebirge: acht Stunden Rettungseinsatz

Ein 18-jähriger Bergsteiger aus Ungarn hat sich auf dem Weg zur Welser Hütte im Toten Gebirge verirrt. Ein Polizeihubschrauber entdeckte den nur leicht bekleideten jungen Mann mit einer Wärmebildkamera. Starker Wind verhinderte jedoch eine Rettung aus der Luft.

Rettungshelikopter im Einsatz (Symbolbild)
© IMAGO / Eibner Europa

18-Jähriger verirrt sich am Schermberg

Ein 18 Jahre alter Bergsteiger aus Ungarn hat in der Nacht auf Freitag im Bereich des Schermbergs im Toten Gebirge einen aufwendigen Einsatz der Bergrettung ausgelöst. Der junge Mann blieb unverletzt, war bei seiner Rettung jedoch stark unterkühlt.

Der 18-Jährige war am Donnerstagmittag vom Almsee aufgebrochen. Sein Ziel war die Welser Hütte, die er über das Hochplateau des Toten Gebirges erreichen wollte. Nach Angaben der Bergrettung unterschätzte er offenbar die Länge und Schwierigkeit der Route.

Westlich des Schermbergs versuchte der Bergsteiger, durch das Schneetal in Richtung Büchsenkar abzukürzen. Dabei geriet er in wegloses und nur äußerst selten begangenes Gelände. Gegen 21 Uhr kam er nicht mehr weiter und setzte einen Notruf ab.

Koordinaten per SMS übermittelt

Die telefonische Verbindung zu dem jungen Mann brach aufgrund des schlechten Mobilfunkempfangs wiederholt ab. Einsatzleiter Martin Trautwein von der Bergrettung Grünau im Almtal versuchte deshalb, den Kontakt per SMS aufrechtzuerhalten. Schließlich konnte der 18-Jährige in gebrochenem Englisch seine Koordinaten übermitteln.

Die Bergrettung machte sich daraufhin auf den Weg. Weil die Gipfel bereits in Wolken lagen, hielten die Einsatzkräfte während der Suche auch Rücksprache mit dem Hüttenwirt der Welser Hütte. Kurz vor Mitternacht wurde der Vermisste mithilfe der Wärmebildkamera eines Polizeihubschraubers entdeckt. Gegen ein Uhr erreichten ihn schließlich die Bergretter.

Der 18-Jährige war lediglich mit kurzer Hose und T-Shirt bekleidet. An der Welser Hütte waren zu diesem Zeitpunkt nur etwa fünf Grad gemessen worden. Der junge Mann war entsprechend stark ausgekühlt, hatte sich aber nicht verletzt. Eine Bergung mit dem Hubschrauber war nicht möglich. Nach Angaben der Einsatzleitung verhinderten starke Windböen sowohl eine Taubergung als auch eine Landung im Gelände.

Die Bergretter sicherten den 18-Jährigen deshalb am Seil und begleiteten ihn langsam ins Tal. Nach rund acht Stunden war der Einsatz beendet. Die Bergrettung vermutet, dass eine Navigations-App zur Fehlorientierung des jungen Mannes beigetragen haben könnte.

Schermberg und Welser Hütte

Der Schermberg ist 2396 Meter hoch und somit der dritthöchste Gipfel des Toten Gebirges. Seine Nordwand fällt rund 1400 Meter ins Almtal ab. Die üblichen Anstiege sind stellenweise steil, ausgesetzt und versichert. Auf dem weitläufigen Karstplateau kann die Orientierung bei Nebel, Wolken oder Schneefeldern schnell schwierig werden.

Die Welser Hütte liegt auf rund 1726 Metern am Fuß von Schermberg und Großem Priel. Der reguläre Zustieg beginnt am Almtalerhaus in der Hetzau und folgt dem markierten Weg 215. Der Österreichische Alpenverein gibt dafür rund drei Stunden an. Der Weg enthält steile sowie teilweise ausgesetzte und mit Treppen, Leitern und Seilen gesicherte Passagen. 

Der Zustieg und Übergang vom Almsee ist wesentlich länger und enthält beim Aufstieg ebenfalös mehrere seilversicherte Stellen und Leitern. Hier summiert sich der Weg auf rund 17 Kilometer bei 1750 Metern Auf- und rund 600 Metern Abstieg im Karst- und Schrofengelände. Im Toten Gebirge ist auch im Hochsommer noch mit Firn- und Altschneefeldern zu rechnen, die die Orientierung zusätzlich erschweren.

0 Kommentare

Kommentar schreiben