In Bergschrund gefallen

Wildspitze: Seilschaft stürzt 140 Höhenmeter ab – Frau kommt ums Leben

An der Wildspitze in den Ötztaler Alpen ist am 24. Juli 2026 eine Seilschaft rund 140 Höhenmeter abgestürzt. Während der Mann schwer verletzt überlebte, kam seine Seilpartnerin ums Leben. Die Ermittlungen zur Unglücksursache laufen.

Wildspitze: Seilschaft stürzt 140 Höhenmeter ab – Frau kommt ums Leben
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Wildspitze: Bergsteiger stürzt mit Seilpartnerin in Bergschrund

An der Wildspitze (3768 m), dem höchsten Berg Tirols, ist es am Freitag zu einem tödlichen Alpinunfall gekommen. Eine tschechische Zweierseilschaft stürzte beim Abstieg über den Nordwestgrat rund 140 Höhenmeter ab und blieb in einem Bergschrund liegen. Nach Angaben der Polizei befanden sich der 32-jährige Bergsteiger und seine ebenfalls 32-jährige Seilpartnerin gegen 11:35 Uhr auf etwa 3712 Metern Höhe.

Die beiden hatten einen geeigneten Standplatz gewählt, um eine kurze Pause einzulegen. Während der Mann seine Steigeisen nachjustierte, wollte die Frau aufgrund der steigenden Temperaturen eine Kleidungsschicht ablegen. Aus bislang ungeklärter Ursache verlor die Alpinistin plötzlich den Halt und rutschte über die steile Nordwand der Wildspitze ab. Dabei riss sie ihren Seilpartner mit sich. Beide stürzten etwa 140 Höhenmeter tief und kamen schließlich in einem Bergschrund zum Liegen.

Dem schwer verletzten Mann gelang es, sich selbstständig aus der Gletscherspalte zu befreien. Durch laute Hilferufe machte er eine vorbeikommende Seilschaft auf sich aufmerksam, die umgehend die Rettungskette in Gang setzte. Ein Rettungshubschrauber brachte den Verletzten zunächst zum Taschachhaus, wo er medizinisch erstversorgt wurde. Anschließend wurde er mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus Zams geflogen.

Beim zweiten Anflug konnten der Notarzt und die Rettungskräfte für die 32-jährige Alpinistin nur noch den Tod feststellen. Die Bergung der Verstorbenen übernahm die Bergrettung. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ordnete eine Obduktion an. Die Polizei ermittelt nun die genaue Ursache des Absturzes.

Der Normalweg auf die Wildspitze

Die Wildspitze (3768 m) ist der höchste Berg Tirols und zählt zu den beliebtesten Hochtourenzielen der Ostalpen. Der klassische Normalweg führt in der Regel vom Breslauer Haus (2844 m) über den Mitterkarferner und den Südwestgrat zum Gipfel. Die Route gilt technisch als vergleichsweise einfach, setzt jedoch eine vollständige Hochtourenausrüstung und Erfahrung im Gehen auf Gletschern voraus.

Je nach Jahreszeit verändern sich die Verhältnisse deutlich: Im Hochsommer sind Gletscherspalten häufig weit geöffnet, Bergschründe können den Übergang zum Gipfelgrat erschweren und blankes Eis macht den Aufstieg anspruchsvoller. Der ausgesetzte Grat verlangt zudem Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Trotz ihrer Beliebtheit sollte die Wildspitze daher keinesfalls unterschätzt werden – alpine Erfahrung, eine sorgfältige Tourenplanung und aktuelle Informationen zu den Verhältnissen sind unerlässlich.

<p>Blick auf den Südgrat hinauf zur Wildspitze.</p>

Blick auf den Südgrat hinauf zur Wildspitze.

© Wikimedia.org/Bbb

Seilschaftssturz: Wann sollte man zusammen am Seil gehen? Wann nicht?

Auf Gletschern sind Bergsteiger aus Sicherheitsgründen meist angeseilt unterwegs. Das Seil soll im Falle eines Spaltensturzes verhindern, dass eine Person ungebremst in eine Gletscherspalte fällt. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Seilpartner den Sturz rechtzeitig halten oder zumindest abbremsen kann. In steilem Firn-, Eis- oder Felsgelände birgt das Seil allerdings auch Risiken: Verliert ein Mitglied der Seilschaft das Gleichgewicht, kann es den oder die anderen mitreißen. Besonders kritisch ist dies auf steilen Hängen oder ausgesetzten Graten, wenn kein fester Stand besteht oder keine Zwischensicherungen vorhanden sind. Man spricht in solchen Fällen von einem Mitreißunfall.

Um dieses Risiko zu minimieren, achten erfahrene Seilschaften auf ausreichenden Seilabstand, eine gute Kommunikation und passen ihre Sicherungstechnik an das Gelände an. In besonders steilen Passagen werden – je nach Verhältnissen – zusätzliche Sicherungen gelegt oder die Seilschaft entscheidet sich bewusst für das Ausbinden. Das vermeintlich sichere "Immer-Angeseiltsein" ist entgegen einiger Mythen nicht immer die sicherste Wahl.