Zweierseilschaft im Berner Oberland verunfallt

Hilferufe erst am Morgen gehört: Hochtourengeher stirbt nach Sturz in Gletscherspalte

Beim Abstieg vom Blüemlisalphorn ist eine Zweierseilschaft in eine Gletscherspalte gestürzt. Ein Bergsteiger konnte nur noch tot geborgen werden, sein Begleiter wurde leicht verletzt.

Hochtourenziel: Blüemlisalphorn über dem Blüemlisalpgletscher
© picture alliance / Zoonar / Georg

Hilferufe erst am folgenden Morgen gehört

Eine Zweierseilschaft war am Freitagmorgen (24. Juli 2026) zu einer Bergtour auf das Blüemlisalphorn im Berner Oberland aufgebrochen. Beim Abstieg am Freitagnachmittag stürzten beide aus bislang ungeklärter Ursache in eine Gletscherspalte. Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Kantonspolizei Bern im Bereich östlich des Blüemlisalp Rothorns.

Der Unfall wurde erst am Samstagmorgen bemerkt. Andere Bergsteiger hörten die Hilferufe eines Mannes aus der Gletscherspalte und alarmierten kurz vor 10 Uhr die Rettungskräfte. Die beiden Verunglückten wurden daraufhin aus der Spalte geborgen. Für einen 49-jährigen Schweizer aus dem Kanton Waadt kam jede Hilfe zu spät. Die Einsatzkräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen. Sein Begleiter erlitt leichte Verletzungen.

An der Bergung waren neben verschiedenen Diensten der Kantonspolizei Bern ein Helikopter der Rega, ein Hubschrauber von Swiss Helicopter sowie Spezialisten der Alpinen Rettung Schweiz beteiligt. Die regionale Staatsanwaltschaft Oberland untersucht den genauen Unfallhergang und die Umstände des Spaltensturzes.

Blüemlisalphorn: Hochtour in vergletschertem Gelände

Das 3661 Meter hohe Blüemlisalphorn gehört zum stark vergletscherten Blüemlisalp-Massiv. Die Normalroute führt von der Blüemlisalphütte über den Nordwestgrat und wird vom Schweizer Alpen-Club mit ZS-, also "ziemlich schwierig“, bewertet. Für den Aufstieg werden rund drei bis viereinhalb Stunden, für den Abstieg zwei bis drei Stunden angegeben.

Der Schweizer Alpen-Club SAC weist darauf hin, dass auch die Normalanstiege auf das Blüemlisalphorn nicht unterschätzt werden dürfen. Steiles Firngelände und plattige Felspassagen erfordern entsprechende Hochtourenerfahrung. Bei Blankeis oder Neuschnee können die Routen zusätzlich anspruchsvoll werden. Welche Route die verunglückte Seilschaft genau gewählt hatte und wie es zum Sturz kam, ist bislang nicht bekannt.