Alpinist stürzt in Gletscherspalte – Seilpartner rettet ihn
Ein Spaltensturz am Marzellferner in den Ötztaler Alpen ist am Sonntag glimpflich ausgegangen. Ein 53-jähriger österreichischer Alpinist stürzte beim Abstieg von der Hinteren Schwärze (3628 m) rund acht Meter tief in eine Gletscherspalte, blieb jedoch unverletzt.
Die beiden erfahrenen Bergsteiger hatten gegen 12:30 Uhr den Gipfel verlassen und querten als Zweierseilschaft den Marzellferner. Auf etwa 3177 Metern überquerte zunächst der vorausgehende 51-Jährige problemlos eine schneebedeckte Gletscherspalte. Als sein Seilpartner dieselbe Schneebrücke betrat, brach diese plötzlich ein. Der 53-Jährige stürzte etwa acht Meter in die Spalte.
Dank der korrekten Seilsicherung konnte der vorausgehende Alpinist den Sturz halten und verhinderte so einen deutlich tieferen Fall. Anschließend setzte er umgehend den Notruf ab. Zur Rettung wurden die Bergrettung Sölden, der Notarzthubschrauber Martin 8, der Polizeihubschrauber Libelle Vorarlberg sowie ein Alpinpolizist alarmiert. Der Verunglückte konnte unverletzt aus der Gletscherspalte geborgen werden. Anschließend brachte die Hubschrauberbesatzung beide Bergsteiger zur Martin-Busch-Hütte. Insgesamt standen zehn Bergretter im Einsatz.
Anspruchsvolles Hochtourenziel in den Ötztaler Alpen: Die Hintere Schwärze
Die Hintere Schwärze (3628 m) zählt zu den anspruchsvolleren Hochtourenzielen der Ötztaler Alpen und liegt unmittelbar an der Grenze zwischen Österreich und Italien. Ausgangspunkt ist meist die Martin-Busch-Hütte (2501 m) im Niedertal. Von dort führt die Route über den spaltenreichen Marzellferner und den Grat zum Gipfel. Für die rund 1170 Höhenmeter ab der Hütte sollten je nach Bedingungen etwa fünf Stunden Aufstiegszeit eingeplant werden.
Die Tour verlangt Erfahrung im Umgang mit Steigeisen, Pickel und Seil sowie eine sorgfältige Beurteilung von Schneebrücken und Spaltenzonen. Gerade im Hochsommer können dünne, schneebedeckte Gletscherspalten tückisch sein, weshalb eine vollständige Gletscherausrüstung und Kenntnisse der Spaltenbergung unverzichtbar sind.
Warum die Seilschaft hier Leben rettete
Der Unfall zeigt, weshalb auf vergletscherten Hochtouren das Gehen am Seil Standard ist. Bricht eine Schneebrücke über einer Gletscherspalte ein, kann der vorausgehende Seilpartner den Sturz auffangen und so verhindern, dass die gestürzte Person unkontrolliert in die Tiefe fällt. Voraussetzung sind der richtige Seilabstand, Bremsknoten und ausreichende Erfahrung in der Spaltenbergung. Achtung: Als Zweierseilschaft sind entweder Kenntnisse (und Ausrüstung) zur Selbstrettung nötig oder beide Partner beherrschen den sogenannten Flaschenzug. Ohne Seilsicherung enden Spaltenstürze häufig tödlich.


2 Kommentare
Kommentar schreiben@ Karsten. Vermutlich weil sie es nicht konnten. Seilzug bei einer Zweierseilschaft gehört zu den komplexeren Rettungsmanöver. Und auch das Prusiken geht idR nur bis zum Spaltenrand gut. Spaltenbergung in kleiner Seilschaften können keine 3 %. Sie?
Warum wurde vom Seilpartner keine Spaltenbergung versucht?