Extreme Verhältnisse an der Zugspitze: Bergschule stoppt Höllental-Führungen
Die Bedingungen auf der beliebten Höllentalroute zur Zugspitze haben sich zum Ende des Sommers weiter verschärft. Die Bergschule VIVALPIN zieht nun Konsequenzen: Bis auf Weiteres werden keine regulären Gruppenführungen mehr durch das Höllental angeboten. Als Gründe nennen die staatlich geprüften Bergführer den völlig ausgeaperten Höllentalferner, offene Spaltenzonen und den inzwischen deutlich schwieriger erreichbaren Einstieg in den Klettersteig.
Bereits während des Sommers hatte sich abgezeichnet, dass die Verhältnisse am Höllentalferner zunehmend anspruchsvoller werden. Mitte August meldete die Höllentalangerhütte blankes, teilweise mit losen Steinen bedecktes Gletschereis. Trittspuren waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden, Spalten lagen offen und die erhebliche Abrutschgefahr machte Steigeisen notwendig.
Mehr als zehn Meter Mächtigkeitsverlust
Zudem wurde der Übergang von der Randkluft in den anschließenden Klettersteig ausdrücklich nur geübten Klettersteiggehern empfohlen. Ende August hat sich die Situation weiter zugespitzt. Nach Angaben von VIVALPIN hat der Höllentalferner allein im Sommer 2026 bis Ende August mehr als zehn Meter an Mächtigkeit verloren. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Schlüsselstelle der Tour: Je tiefer die Eisoberfläche liegt, desto größer wird der Höhenunterschied zum Beginn des Klettersteigs im Fels.
Aktuell liege der Einstieg nach Angaben der Bergschule etwa zehn Meter tiefer und sei nicht abgesichert. Die dadurch entstandene senkrechte Passage nach der Randkluft werde zunehmend länger. Hinzu komme blankpolierter Fels, der die Stelle technisch schwieriger und kraftraubender mache. Gleichzeitig sind auf dem ausgeaperten Höllentalferner offene Spaltenzonen zu überwinden.
Für die Bergführer der Schule war damit ein Punkt erreicht, an dem sie ihre regulären Gruppenführungen nicht mehr verantworten wollen. "Aufgrund der außergewöhnlichen Verhältnisse führen wir bis auf Weiteres keine Gruppenführungen durchs Höllental auf die Zugspitze durch", teilte VIVALPIN mit.
Route ist nicht gesperrt, aber nur für Erfahrene geeignet
Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Die Höllentalroute selbst ist nicht gesperrt. Die Entscheidung betrifft zunächst die von VIVALPIN angebotenen Gruppenführungen. Andere Bergschulen bieten derzeit weiterhin geführte Termine durch das Höllental an. Die Einschätzung, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Begehung vertretbar ist, kann sich entsprechend unterscheiden.
VIVALPIN rät Bergsteigern allerdings ausdrücklich von einer selbstständigen Begehung ab, wenn entsprechende Erfahrung oder alpine Ausbildung fehlen. Bereits der Deutsche Alpenverein weist darauf hin, dass für die Tour neben Klettersteigausrüstung steigeisenfeste Bergschuhe, Steigeisen und Pickel erforderlich sein können. Je nach Verhältnissen kann am Übergang vom Gletscher in den Fels außerdem Seil- und Gletscherausrüstung zur Sicherung notwendig werden.

Schlüsselstelle verändert sich mit dem Gletscher, andere Zugspitzrouten nicht betroffen
Die Entwicklung zeigt besonders deutlich, wie unmittelbar der Rückgang des Höllentalferners die Schwierigkeiten einer etablierten Bergroute verändert. Die Randkluft – der Übergang zwischen bewegtem Gletschereis und Fels – war schon lange eine Schlüsselstelle. Wie anspruchsvoll sie ist, schwankt von Jahr zu Jahr und innerhalb einer Saison erheblich.
Durch den fortschreitenden Eisverlust liegt die Oberfläche des Ferners jedoch zunehmend tiefer. Damit verändert sich auch der Zugang zu den ursprünglich für eine andere Eishöhe angelegten Sicherungen im Fels. Was früher vom Gletscher aus vergleichsweise gut erreichbar war, kann bei starkem Abschmelzen mehrere zusätzliche Meter Kletterei erfordern.
Der DAV München-Oberland hatte bereits Mitte August darauf hingewiesen, dass der Gletscher zu diesem Zeitpunkt sehr schnell an Höhe verlor und sich die Spalten zunehmend öffneten. Der Führungsstopp gilt ausdrücklich nicht für sämtliche Zugspitzanstiege. Nach Einschätzung von VIVALPIN herrschen auf den Routen durch das Reintal, über das Gatterl und den Stopselzieher sowie an Eisenzeit und Jubiläumsgrat derzeit gute Verhältnisse.
Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Touren untereinander vergleichbar oder grundsätzlich problemlos sind: Insbesondere Jubiläumsgrat und Eisenzeit sind anspruchsvolle alpine Unternehmungen mit erheblichen Anforderungen an Erfahrung, Kondition und Kletterkönnen. Die aktuelle Situation im Höllental macht deutlich, dass sich die Schwierigkeit einer hochalpinen Route nicht allein aus einem Führer oder einer Klettersteigbewertung ablesen lässt. Gletscherzustand, Randkluft, Steinschlag und die Erreichbarkeit von Sicherungen können den Charakter einer Tour innerhalb weniger Wochen erheblich verändern.

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