Sichtbare Staubwolke: Felssturz an der Zugspitze
An der Zugspitze hat sich am Dienstag, 22. September, ein ungewöhnlich großer Felssturz ereignet. Am Grenzkamm zwischen Bayern und Tirol lösten sich größere Gesteinsmassen und stürzten in das unzugängliche Gelände unterhalb der Abbruchstelle. Die dabei entstandene Staubwolke war noch aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen, das Krachen teilweise bis ins Tal zu hören.
Wie groß der Felssturz tatsächlich war, lässt sich bislang nicht genau beziffern. Die Abbruchstelle liegt hinter einem Grat und ist nur schwer einzusehen. Für Mittwoch waren deshalb auch Erkundungen mit Drohnen vorgesehen.
Felssturz an der Zugspitze dauert an
Auch einen Tag nach dem ersten großen Abbruch lösten sich weiterhin Felsen. "Da löst sich immer wieder was", berichtete Franz Dörfler, stellvertretender Bereitschaftsleiter der Bergwacht Grainau.
Für die Zugspitze sei ein Felssturz grundsätzlich kein außergewöhnliches Ereignis. Die Dimension des aktuellen Abbruchs sei allerdings ungewöhnlich. Ähnliche Ereignisse wurden an Deutschlands höchstem Berg bereits mehrfach beobachtet, bislang jedoch in deutlich kleinerem Umfang. Menschen kamen nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu Schaden.

Eine große Staubwolke ist an der Zugspitze zu sehen, nachdem sich am Grenzkamm mehrere Kubikmeter Felsen gelöst haben.
Keine Wege und Bergbahnen betroffen
Für Bergsteiger und Ausflügler hat der Felssturz derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen. Die Abbruchstelle befindet sich in steilem, nicht durch offizielle Wanderwege erschlossenem Gelände. Auch Gebäude wurden nicht beschädigt.
Die Tiroler Zugspitzbahn sowie die Ehrwalder Almbahn sind nach bisherigen Angaben ebenfalls nicht beeinträchtigt. Der reguläre Betrieb läuft weiter. Auch für die anspruchsvolle alpine Route "Eisenzeit" durch die Nordflanke der Zugspitze besteht laut Bergwacht derzeit keine unmittelbare Gefährdung durch den aktuellen Abbruch. Die Route liegt auf der anderen Seite des Grates.
Felsstürze an der Zugspitze sind nicht neu
Felsabbrüche gehören am Zugspitzmassiv seit jeher zur natürlichen Entwicklung des Berges. Davon zeugen gewaltige Bergsturzmassen rund um Deutschlands höchsten Gipfel. Der größte bekannte Bergsturz ereignete sich vor rund 3.700 Jahren an der Nordseite der Zugspitze:
Beim Eibsee-Bergsturz gingen nach heutigen Schätzungen rund 200 Millionen Kubikmeter Gestein ab. Auch im Reintal und am südlichen Zugspitzplatt sind große frühere Felsstürze nachgewiesen. Kleinere Abbrüche kommen bis heute immer wieder vor. Die Dimension des aktuellen Ereignisses ist nach Angaben der Bergwacht für die Zugspitze allerdings ungewöhnlich.
Welche Rolle spielt der Permafrost?
Eine wichtige Rolle bei Felsstürzen im Hochgebirge spielt der Permafrost. In großen Höhen bleiben Fels und Gestein über lange Zeiträume dauerhaft gefroren. Steigen die Temperaturen, taut das Eis in Spalten und Klüften zunehmend auf. Wasser kann tiefer in den Fels eindringen, und bereits vorhandene Risse können sich weiter öffnen. Dadurch verlieren einzelne Felspartien an Stabilität und können sich lösen. Mit der Erwärmung der Alpen rechnen Fachleute deshalb häufiger mit Steinschlag und größeren Felsabbrüchen in hochalpinen Regionen.



2 Kommentare
Kommentar schreiben@brutus: So weit uns bekannt, sind die östlichen Grate und das Höllental vom Bergsturz nicht betroffen.
Sind auch Bergtouren wie der Jubigrat, Blassengrat, frei?
Was ist mit "Highway of Hell"?