Drohnen zeigen das Ausmaß des Felssturzes
Am 22. September 2026 haben sich an der Zugspitze größere Gesteinsmassen aus der steilen Nordwand gelöst. Der Abbruch ereignete sich in rund 2800 m Höhe in unzugänglichem Gelände und war von einer weithin sichtbaren Staubwolke begleitet. Nach Angaben der Bergwacht und der bisherigen Untersuchungen waren keine Menschen betroffen; offizielle Wege führen nicht durch den unmittelbaren Bereich der Abbruchstelle.
Inzwischen liegen genauere Messungen des Lehrstuhls für Hangbewegungen der Technischen Universität München (TUM) vor. Nach einem weiteren Drohnenflug konnten die Forscher die Dimension des Ereignisses deutlich genauer bestimmen: Das Volumen des Felssturzes wird auf 13.800 Kubikmeter geschätzt. Die Ausbruchsnische ist etwa 100 Meter hoch und 40 Meter breit. Die rund 4000 Quadratmeter große Abbruchfläche weist eine Neigung von etwa 80 Grad auf.
Damit fällt die aktuelle Schätzung wesentlich größer aus als die ersten Einschätzungen unmittelbar nach dem Ereignis. Damals war zunächst von rund 100 Kubikmetern Gestein ausgegangen worden. Seismische Messungen hatten zudem gezeigt, dass sich am frühen Morgen zwei Sturzereignisse ereignet hatten.

Übersicht des Felssturzes an der Zugspitze am 22. September 2026.
Die Abbruchstelle liegt im Randbereich des Permafrosts
Für die Forscher ist vor allem die Höhenlage des Felssturzes interessant. Nach der aktuellen Untersuchung befindet sich die Abbruchstelle im lokalen Randbereich des Permafrosts am Zugspitzmassiv. Im dauerhaft oder langfristig gefrorenen Fels kann Eis in Klüften und Spalten stabilisierend wirken. Verändert sich der thermische Zustand des Gesteins, können sich die mechanischen Eigenschaften des Felsverbands verändern.
Direkt an der Abbruchstelle fanden die Forscher Hinweise auf Eis. Aufnahmen zeigen gefrorenes Material in den Abrissbereichen. Zusätzlich wurde die Abbruchnische mit einer Infrarotkamera untersucht. Die Messungen weisen dort auf sehr niedrige Temperaturen hin. Die Daten werden nach Angaben der Forscher noch detaillierter ausgewertet.
Professor Michael Krautblatter von der TUM verweist dabei auf Messungen im nahe gelegenen Kammstollen. Dort wird in mehreren Metern Tiefe eine verzögerte Reaktion des Felsens auf die sommerliche Wärme beobachtet. Die Wärme aus einer Hitzeperiode dringt also nicht unmittelbar bis in die tieferen Gesteinsschichten vor.
Langzeitmessungen zeigen Veränderungen im Zugspitzfels
Dass sich der thermische Zustand des Felsens an der Zugspitze verändert, ist durch längerfristige Messungen dokumentiert. Eine im August 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Studie der TUM wertete 17 Jahre Permafrostmessungen am Zugspitzmassiv aus.
Demnach stieg die gemessene Felstemperatur über einen Zeitraum von zehn Jahren um etwa 1°C. Gleichzeitig verringerte sich die dauerhaft gefrorene Oberfläche in den untersuchten Bereichen um rund 40 Prozent. Die Autoren beschreiben zudem, dass neu aufgetaute und miteinander verbundene Klüfte den Wärmetransport in den Fels verstärken können.
Laserscanner soll die Zugspitz-Nordwand überwachen
Die TUM will die Entwicklung der Abbruchstelle deshalb weiter beobachten. Geplant ist ein Laserscanner, der einen rund vier Kilometer breiten Abschnitt der Zugspitz-Nordwand überwachen soll. Weitere seismische Messungen, Drohnenflüge und Temperaturdaten sollen helfen, Veränderungen im Fels möglichst früh zu erkennen.
Damit verschiebt sich der Fokus von der nachträglichen Vermessung des Felssturzes hin zur langfristigen Überwachung der Nordwand. Ziel ist es, mögliche Veränderungen der Felsstruktur und weitere instabile Bereiche besser erfassen zu können.


0 Kommentare
Kommentar schreiben