- Wandel im Hochgebirge: Das Matterhorn Ende September
- Matterhorn (4478 m): Eine anspruchsvolle Hochtour
- Die Gefahren verändern sich
- Hochtouren 2026: Blankeis ersetzt Firn
- Gletscherschwund: Das Bild ist nur ein Teil der Geschichte
- Vom Matterhorn bis zur Zugspitze: Die Alpen werden dynamischer
- Was Bergsteiger:innen jetzt beachten sollten
Wandel im Hochgebirge: Das Matterhorn Ende September
Ein nahezu schneefreies Matterhorn sorgt derzeit in sozialen Netzwerken für Aufmerksamkeit. OE24 veröffentlichte am 28. September 2026 ein entsprechendes Bild, das zuvor auf X verbreitet worden war. Der 4478 m hohe Gipfel ist darauf fast vollständig ohne erkennbare Schneebedeckung zu sehen – ein ungewöhnlicher Anblick und zugleich ein eindrückliches Bild für die Veränderungen, die der Klimawandel im Hochgebirge hinterlässt.
Nein, das ist kein Berg in irgendeiner Wüste. Das ist das Matterhorn am 27. September 2026. Via Niko Froitzheim https://t.co/hE2B0eYC4o
— Thomas Reis (@peakaustria) September 28, 2026
Das Erscheinungsbild eines Berges hängt zwar auch von Jahreszeit, Niederschlag, Wind, Exposition und der Perspektive der Aufnahme ab. Doch die langfristige Entwicklung ist eindeutig: Die Gletscher der Alpen verlieren weiter an Eis, die Schneegrenze steigt und der auftauende Permafrost kann Fels und Gelände instabiler machen. Was auf dem Foto zunächst nur wie ein schneearmer Gipfel aussieht, steht damit in einem größeren Zusammenhang, der für den Bergsport zunehmend spürbar wird.
Matterhorn (4478 m): Eine anspruchsvolle Hochtour
Für Bergsteiger:innen ist das Matterhorn weit mehr als ein Fotomotiv. Der Gipfel erreicht 4478 m und liegt am Grenzkamm zwischen der Schweiz und Italien. Von Zermatt führt die klassische Normalroute über die Hörnlihütte und den Nordostgrat, den Hörnligrat. Hier erwartet allen Aspirant:innen technisches Klettern, ausgesetztes Gelände und hochalpine Verhältnisse.
Gerade deshalb ist es wichtig, die aktuellen Bedingungen genau zu beurteilen. Was in älteren Führern oder Tourenbeschreibungen als bekannte und gut etablierte Route dargestellt wird, kann sich heute durch veränderte Schnee- und Eisverhältnisse, Steinschlag oder tauenden Permafrost ganz anders präsentieren.
Am Matterhorn lassen sich diese Veränderungen bereits konkret beobachten. Nach einem Felsabbruch am Hörnligrat im Jahr 2023 ging das Schweizer WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung der Frage nach, wie Wasser in Permafrostzonen eindringt und dort die Festigkeit des Gesteins beeinträchtigen kann.
Die Gefahren verändern sich
Im Sommer 2026 wurde die veränderte Situation am Matterhorn erneut konkret sichtbar. Am 05. August kam es an der Südseite des Berges zu einem größeren Felssturz. Die italienischen Bergführer stellten daraufhin geführte Besteigungen vorübergehend ein. Als weiteren Grund nannten sie die damals instabile Wetterlage mit wiederholten Gewittern.
Auch die Schweizer Seite war von anspruchsvollen Bedingungen betroffen. Air Zermatt berichtete im Juli von mehreren Einsätzen am Matterhorn. Bei einem Einsatz stürzten zwei Bergsteiger im Bereich der Solvayhütte ab und kamen ums Leben. Weitere Alpinisten mussten aus Höhen von mehr als 4100 m evakuiert werden.
Solche Ereignisse lassen sich nicht allein auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Für die Beurteilung einer Route spielen Wetter, Felszustand, Temperatur, Schnee- und Eisverhältnisse sowie die Erfahrung der Seilschaft zusammen.
Hochtouren 2026: Blankeis ersetzt Firn
Das Matterhorn steht stellvertretend für Veränderungen, die in den vergangenen Jahren an zahlreichen hohen Alpengipfeln sichtbar geworden sind. Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) registrierte zwischen dem 01. Mai und dem 13. September 2026 insgesamt 19 Gletscherspaltenstürze. Im Zehnjahresmittel waren es sieben.
Das ÖKAS nennt vor allem die anhaltend hohen Temperaturen oberhalb von 3000 Metern, eine dünnere Schneedecke und zunehmend instabile Schneebrücken als Ursachen. Bereiche, die früher von einer tragfähigen Firnschicht bedeckt waren, bestehen heute oft aus offenem Blankeis. Gleichzeitig öffnen sich Gletscherspalten früher im Jahr und sind leichter zugänglich. Tourenbeschreibungen allein reichen daher nicht aus. Besonders auf Gletschern können sich Verhältnisse und Routenführung schnell verändern.
Auch im Berninagebiet zeigte sich das im Sommer 2026 deutlich. Die Marco-e-Rosa-Hütte auf 3609 m musste zeitweise geschlossen werden, weil sich die Zustiege unter anderem durch geöffnete Gletscherspalten und einen Erdrutsch verändert hatten. Am Piz Palü wurde die Routenführung an die aktuellen Verhältnisse angepasst.
Gletscherschwund: Das Bild ist nur ein Teil der Geschichte
Dass die Gletscher der Alpen langfristig an Masse verlieren, ist wissenschaftlich eindeutig dokumentiert. Das SLF berichtete bereits Ende Juni 2026, dass die Schweizer Gletscher in diesem Jahr ein ähnliches Schmelzmuster wie im Extremjahr 2022 zeigten. Damals war der Eisverlust besonders stark.
Dabei ist zwischen dem Zustand eines einzelnen Berges und der Entwicklung eines Gletschers zu unterscheiden. Das Matterhorn selbst ist kein Gletscher. Ein schneefreier Gipfel an einem bestimmten Tag sagt deshalb zunächst etwas über die momentane Schneeauflage aus, nicht über die Masse eines bestimmten Gletschers.
Die langfristige Entwicklung ist dennoch deutlich: Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) verweist auf den anhaltenden Rückgang der Gletscher und auf zunehmende Hitze- und Trockenperioden. Gleichzeitig nimmt nach Angaben des BAFU die Stabilität des Permafrosts ab. Damit verändern sich auch die Bedingungen für den Bergsport.
Vom Matterhorn bis zur Zugspitze: Die Alpen werden dynamischer
Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf das Matterhorn. An der Zugspitze kam es am 22. September 2026 zu einem größeren Felssturz am Grenzkamm zwischen Bayern und Tirol. Weitere Felsabbrüche folgten am nächsten Tag.
Auch dort war niemand verletzt worden. Für den Bergsport sind solche Ereignisse dennoch relevant, weil Felsstürze Wege, Kletterrouten und Zustiege verändern können.
Das Muster reicht damit vom Gletscher bis zum Fels: Weniger Schnee kann auf vergletscherten Routen mehr Blankeis und offenere Spalten bedeuten. Wärme kann die Stabilität von Permafrost beeinflussen. Und extreme Wetterlagen können zusätzlich Steinschlag und Felsstürze begünstigen.
Was Bergsteiger:innen jetzt beachten sollten
Für Hochtouren ist deshalb eine aktuelle Tourenplanung wichtiger denn je. Führerliteratur und persönliche Erfahrung sind nach wie vor wertvoll, ersetzen aber keinen aktuellen Verhältnisse-Check.
Vor einer Tour gehören insbesondere Wetterentwicklung, aktuelle Routeninformationen, Hüttenmeldungen, Gletscherzustand und gegebenenfalls lokale Warnungen zur Planung. Über die tatsächliche Schwierigkeit entscheidet vor allem der Zustand des Berges, nicht die Tourenbeschreibung.



2 Kommentare
Kommentar schreibenAch, Holger.
Na und? Muss man sich eben darauf einstellen anstatt zu jammern.