40 Jahre Klettergeschichte in Arco

Rock Master 2026: Adam Ondra, Jessica Pilz und Filip Schenk siegen bei spektakulärem Jubiläum

Der Rock Master feierte in Arco sein 40. Jubiläum. Adam Ondra, Jessica Pilz und Filip Schenk sorgten beim Lead Duel und KO Boulder für hochklassigen Sport, während Tausende Zuschauer die besondere Atmosphäre und viel Show im Climbing Stadium erlebten.

Im Finale des Lead Duel: Adam Ondra (rechts) und Filip Schenk.
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Der Rock Master in Arco ist eine Legende. Zu einer Zeit, als das Wettkampfklettern noch in den Kinderschuhen steckte, galt der Wettbewerb sogar als inoffizielle Weltmeisterschaft. Lange sprach man auch vom "Wimbledon des Kletterns".

Auch ein Deutscher prägte die Anfangsjahre: Stefan Glowacz gewann 1987 erstmals in Arco, zwei weitere Siege folgten 1988 und 1992. Bei den Frauen siegte Lynn Hill (USA) 1987 – insgesamt gewann sie den Rock Master fünfmal. Bei der Jubiläumsausgabe war die heute 65-Jährige neben Klettergrößen wie François Legrand und Didier Raboutou als "Major Guest" vor Ort.

<p>Legende: Lynn Hill beim Rock Master 2026.</p>

Legende: Lynn Hill beim Rock Master 2026.

© Garda Dolomiti Azienda per il Turismo S.p.A.

Die sportliche Bedeutung des Events hat seitdem ein wenig nachgelassen. Längst gibt es offizielle Welt- und Europameisterschaften, den Weltcup – und seit den Olympischen Spielen von Tokio 2020 gehört Klettern zum olympischen Programm. Ein Sieg bei einem dieser Ereignisse ist für die Athleten heute sicher bedeutender als ein Rock-Master-Titel.

Das Teilnehmerfeld der 40. Ausgabe des Einladungsturniers konnte sich dennoch mehr als sehen lassen. Bei den Männern standen mit Adam Ondra (CZE), Yannick Flohé (GER), Luka Potocar (SLO) und Filip Schenk (ITA) absolute Weltklasse-Kletterer am Start. Auch bei den Frauen war das Feld mit Athletinnen wie Brooke Raboutou (USA) und Jessica Pilz (AUT) hochkarätig besetzt.

Dass der Rock Master kein absolutes Muss im Wettkampfkalender der Weltspitze mehr ist, zeigte möglicherweise das Fehlen einiger großer Namen: Bei den Männern waren unter anderem Sorato Anraku (JPN) und Jakob Schubert (AUT), bei den Frauen fehlte vor allem eine: Janja Garnbret (SLO) .

<p>Fiebert mit: das Publikum beim Lead Duel.</p>

Fiebert mit: das Publikum beim Lead Duel.

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Tausende Zuschauer und eine Menge Show

Der Ruf des Rock Master ist dennoch nahezu ungebrochen – zumindest beim Publikum. Tausende Kletterbegeisterte aus ganz Europa strömten zum 40. Jubiläum nach Arco. Besonders zu den beiden Hauptwettkämpfen am Freitag und Samstag füllte sich das Climbing Stadium zur Prime-Time.

Die Arena liegt am Fuß des Monte Colodri, während hoch über Arco die mittelalterliche Burg auf dem Felsen thront. Eine Kulisse, die kaum eindrucksvoller sein könnte. Am Freitagabend, beim Lead Duel, wurde die Szenerie zusätzlich ins gleißende Flutlicht getaucht. Dröhnend laute Musik, zwei Moderatoren, rhythmisches Mitklatschen – Party-Atmosphäre.

<p>Die Kletterwand im Arco Climbing Stadium.</p>

Die Kletterwand im Arco Climbing Stadium.

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Das Lead Duel selbst ist ein atemberaubender Kampf Mann gegen Mann, Frau gegen Frau: Zwei Kletterer treten gleichzeitig auf identischen, parallel verlaufenden Routen an. Auf der rund 25 Meter hohen, überhängenden Wand entscheidet, wer schneller ist. Die Besten brauchen dafür kaum mehr als eine Minute. Filip Schenk raste im Finale in 1:07 Minuten nach oben.

Traditionell gesinnte Kletterer könnten angesichts der lauten Techno-Beschallung und der auf maximales Spektakel getrimmten Inszenierung die Nase rümpfen. Mancher Besucher fragte sich zwischenzeitlich, ob er beim Rock Master oder bei Rock am Ring gelandet sei ... 

Doch spätestens wenn zwei Weltklasse-Kletterer gleichzeitig in gut einer Minute die 25 Meter hohe steile Wand nach oben jagen, wird hochspannender Sport geboten, dem man sich nicht entziehen kann!

<p>"Hello Climbing- and Party-People!": Einer der Moderatoren macht Stimmung.</p>

"Hello Climbing- and Party-People!": Einer der Moderatoren macht Stimmung.

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Filip Schenk bezwingt Adam Ondra

Bei den Männern standen Filip Schenk, Adam Ondra, Sascha Lehmann (SUI) und Yannick Flohé im Halbfinale. Schenk ließ Lehmann kaum eine Chance. Auf der anderen Seite lieferten sich Ondra und Flohé ein enges Duell – am Ende setzte sich der Tscheche durch. 

Für Flohé blieb dennoch das Podium. Im kleinen Finale gegen Sascha Lehmann war es denkbar knapp: Der Deutsche sicherte sich Platz drei mit gerade einmal einer Zehntelsekunde Vorsprung. Flohé kommentierte das "Foto-Finish" gegen den Schwizer nach dem Wettkampf so: "Mit Glück hatte das nichts zu tun. Nach dem Halbfinale habe ich bewusst gepokert und Kräfte gespart. Dass es so knapp wurde, lag an meiner Taktik. Hätte ich gewusst, wie schnell Sascha unterwegs ist, wäre ich von Anfang an zügiger geklettert. Am Ende war ich trotzdem vorne. "

<p>Der Moment des Sieges: Filip Schenk erreicht das Top knapp vor Adam Ondra.</p>

Der Moment des Sieges: Filip Schenk erreicht das Top knapp vor Adam Ondra.

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Damit kam es im Finale zur Neuauflage des Duells zwischen Ondra und Schenk. Schon ein Jahr zuvor hatten sich die beiden im Endkampf gegenübergestanden, damals hatte Ondra die Nase vorne. Diesmal sollte Schenk das bessere Ende für sich haben. Ondra verlor am unteren Teil der Route kurz Zeit. Danach lieferten sich die beiden ein Rennen auf Augenhöhe, Griff für Griff, Zug für Zug. Bis in die letzten Meter blieb offen, wer das Duell für sich entscheiden würde. Dann setzte Schenk zum entscheidenden Endspurt an und sicherte sich seinen zweiten Rock-Master-Sieg.

Jessica Pilz nutzt Brooke Raboutous Ausrutscher

Auch das Frauenfinale wurde zum Duell zweier Olympiastars. Jessica Pilz traf auf Brooke Raboutou, die den Rock Master im vergangenen Jahr gewonnen hatte. Die beiden kletterten lange nahezu synchron. Erst im technisch anspruchsvollen Wellenabschnitt fiel die Entscheidung: Raboutou rutschte mit dem linken Fuß weg – ein winziger Fehler mit großer Wirkung. Pilz nutzte ihre Chance und feierte damit bereits ihren dritten Sieg beim Rock Master.

<p>So seh'n Sieger aus: Jessica Pilz und Filip Schenk.</p>

So seh'n Sieger aus: Jessica Pilz und Filip Schenk.

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Samstag: Adam Ondra schlägt zurück

Einen Tag später wechselte die Disziplin – und damit auch die Dramaturgie. Beim KO Boulder ging es nicht um Geschwindigkeit, sondern um technisch anspruchsvolle Boulderprobleme. Nach jeder Runde wurde das Feld kleiner, bis drei Kletterer das Finale erreichten. Yannick Flohé, Titelverteidiger und Mitfavorit, schied in der Vorschlussrunde aus und beendete den Wettbewerb auf Rang vier. "Beim dritten Boulder hatte ich etwas Pech, das hat mich den Einzug ins Finale gekostet. Schade, aber so ist der Sport", sagte Flohé anschließend.

<p>Souverän: Adam Ondra erreicht das Top.</p>

Souverän: Adam Ondra erreicht das Top.

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Im Männerfinale standen schließlich Filip Schenk, Adam Ondra und Luka Potocar. Beim letzten Boulder kam keiner dem Top wirklich nahe. Am Ende entschied die geringere Fehlerzahl auf dem Weg ins Finale: Ondra hatte die Nase vorn und holte sich seinen insgesamt neunten Rock-Master-Titel.

Damit drehte der Tscheche innerhalb von 24 Stunden das Ergebnis des Lead Duel: Nach Platz zwei am Freitag hatte er am Samstag das letzte Wort. Schenk wurde Zweiter, Potocar Dritter.

Jessica Pilz macht das Double perfekt

Bei den Frauen mussten Brooke Raboutou und Aleksandra Totkova verletzungsbedingt auf den Start verzichten. Im Finale standen schließlich Hana Koike, Lucka Rakovec und Jessica Pilz. Alle drei scheiterten zunächst am ersten Versuch. Pilz fand als Erste die Lösung, setzte beide Hände auf das Top – und machte damit das Double perfekt. Nach dem Lead Duel am Freitag gewann die Österreicherin auch den KO Boulder und krönte sich zur Athletin des Wochenendes.

<p>Boulder-Sieger beim Rock Master 2026: Adam Ondra und Jessica Pilz.</p>

Boulder-Sieger beim Rock Master 2026: Adam Ondra und Jessica Pilz.

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Die Ergebnisse im Überblick

Lead Duel – Männer: 1. Filip Schenk (ITA), 2. Adam Ondra (CZE), 3. Yannick Flohé (GER), 4. Sascha Lehmann (SUI)

Lead Duel – Frauen: 1. Jessica Pilz (AUT), 2. Brooke Raboutou (USA), 3. Héloïse Doumont (BEL), 4. Hana Koike (JPN)

KO Boulder – Männer: 1. Adam Ondra (CZE), 2. Filip Schenk (ITA), 3. Luka Potocar (SLO), 4. Yannick Flohé (GER) 

KO Boulder – Frauen: 1. Jessica Pilz (AUT), 2. Lucka Rakovec (SLO), 3. Hana Koike (JPN), 4. Laura Rogora (ITA)

<p>Ihnen hat's sichtlich Spaß gemacht: junge Fans von Filip Schenk.</p>

Ihnen hat's sichtlich Spaß gemacht: junge Fans von Filip Schenk.

© Holger Rupprecht

40 Jahre Rock Master – und kein bisschen leise

Der Rock Master ist längst nicht mehr die inoffizielle Weltmeisterschaft, als die er in den frühen Jahren des Sportkletterns wahrgenommen wurde. Heute gibt es Welt- und Europameisterschaften, den Weltcup und die Olympischen Spiele. Seinen besonderen Charakter hat das Traditionsevent dennoch bewahrt.

Dazu gehört auch die Mischung aus hochklassigem Sport, großer Show und der Nähe zu den Athleten. In Arco stehen die Kletterstars nicht hinter Absperrgittern in einer anonymen Arena. Sie bewegen sich durch das Climbing Stadium, treffen Fans und sind für die Zuschauer ungewöhnlich nah zu erleben.

<p>Freut sich über den Podiumsplatz: Yannick Flohé wurde Dritter im Lead Duel.</p>

Freut sich über den Podiumsplatz: Yannick Flohé wurde Dritter im Lead Duel.

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Yannick Flohé, der das Lead Duel als Dritter und den KO Boulder als Vierter beendete, sieht das ähnlich: "Natürlich ist das Feld nicht so breit wie beim Weltcup, weil nur acht Athleten eingeladen werden. Die, die hier am Start sind, gehören aber zur Weltspitze, das Niveau ist also hoch. Dazu kommt die besondere Atmosphäre mit Flutlicht, Musik und den vielen Zuschauern. Arco ist einfach besonders, und ich verbringe sehr gerne Zeit hier. Deshalb freut mich ein Podium beim Rock Master immer sehr."

<p>Arrivederci Arco: Am letzten Abend des Rock Master wird das Logo auf den Fels unterhalb der Burg projiziert.</p>

Arrivederci Arco: Am letzten Abend des Rock Master wird das Logo auf den Fels unterhalb der Burg projiziert.

© Holger Rupprecht

Und auch für Besucher hat der Rock Master einen besonderen Reiz: Die beiden Hauptwettkämpfe beginnen erst am Abend. Tagsüber bleibt damit Zeit, selbst aktiv zu werden – beim Klettern, Bouldern, auf einer der zahlreichen Klettersteigrouten oder beim Bergsport rund um Arco und am Gardasee. Und nach dem Sport bleibt vor den Wettkämpfen genug Zeit für einen Espresso, ein spritziges Getränk, ein Eis oder eine Pizza in der Altstatdt Arcos. 

So ist der Rock Master auch nach 40 Jahren mehr als ein Wettkampf: Er verbindet Spitzensport und Show mit italienischem Lebensgefühl und der einmaligen Kletterkultur Arcos.

Text von Holger Rupprecht

1 Kommentar

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Pietro

Ich fand die Atmo super! Zu laut ist ein Zustand, den es beim Techno nicht gibt ... ;-)